Ausgrabungen Sömmerda: Archäologen entdecken ehemaliges Stadttor

Zufällig wurden bei Bauarbeiten in Sömmerda Reste eines ehemaligen Stadttores freigelegt. Das Fundament stammt sogar aus der römischen Kaiserzeit. Außerdem fanden die Archäologen Keramik aus der Jungsteinzeit.

Eie Frau zeigt auf ärchäologische Ausgrabungen
Eher zufällig stieß Grabungsleiterin Sandra Schneider auf die Artefakte aus Kaiserzeit und Jungsteinzeit. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Neben Überresten der alten Stadtbefestigung haben Archäologen in Sömmerda in der Neutorstraße auch Fundstücke aus sehr viel älteren Epochen entdeckt. Wie Grabungsleiterin Sandra Schneider MDR THÜRINGEN sagte, war das Fundament in eine dunkle Lehmschicht eingehüllt. In dieser fanden die Archäologen Knochen und Keramik aus der römischen Kaiserzeit. Es habe zwar an anderen Stellen in Sömmerda Hinweise auf die römische Kaiserzeit gegeben, an dieser Stelle sei es jedoch nicht bekannt gewesen, so Schneider.

Noch überraschter zeigte sie sich darüber, was unter dieser Lehmschicht auftauchte: Scherben sogenannter Linienbandkeramik. Dabei handele es sich um die älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit Mitteleuropas, die zeitlich zwischen 5.000 - 5.500 vor Christus einzuordnen ist. "Das sind tatsächlich die ältesten Ackerbauer und Viehzüchter".

Scherben aus der Jungsteinzeit
Linienbandkeramik stammt aus der Jungsteinzeit. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Bauarbeiten zerstören große Teile der Funde

Ende Oktober waren Bauarbeiten in der Neutorstraße abgebrochen werden. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege war auf die Arbeiten aufmerksam geworden und hatte die Behörde informiert, weil er vermutete, dass dort Überreste der Stadtbefestigung zu finden seien. Denn das Neutor ist eines der fünf Stadttore Sömmerdas gewesen, von denen heute nur noch das Erfurter Tor erhalten ist.

Archäologische Ausgrabungsstelle
Die schwarze Lehmschicht stammt aus der römischen Kaiserzeit. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Als die Archäologen sich einschalteten, wurde die Straße bereits wieder verfüllt, erinnert sich Sandra Schneider. Ein wenig betrübt ist sie, dass durch die Bauarbeiten in der Straße ein großer Bereich unter der Erde zerstört worden ist. Dadurch konnte nur noch der südliche und nördliche Bereich des Neutors dokumentiert werden.

Insgesamt gehen die Archäologen von einem sechs mal sieben Meter großen Grundriss aus. Dies sei bisher nur eine Vermutung des ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers Frank Boblenz gewesen und könne nun bestätigt werden. Nicht mehr klären könne man hingegen, ob die westliche Mauer durchgehend war.

Hinweisschild soll auf Neutor hinweisen

Die Stadt sei von den Funden überrascht gewesen, äußerte sich Ulrich Braem, Leiter des Bau und Umweltamts in Sömmerda. Denn in den 1980er- und 90er-Jahren hatte es schon umfangreiche Sanierungsarbeiten in der Neutorstraße gegeben, weshalb man dort nicht mehr mit Funden gerechnet hatte.

Eine abgesperrte Straße
Künftig soll eine Hinweistafel auf das Neutor hinweisen. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Die Stadt will mit den neuen Erkenntnissen behutsam umgehen. Laut Braem soll der Grundriss des Neutors an der Oberfläche deutlich gemacht werden. Ein Hinweisschild soll zusätzlich über das Neutor informieren. Derzeit werde noch diskutiert, wo das Schild platziert wird und was darauf stehen soll. Hier wolle man sich mit dem Landesdenkmalpflegeamt sowie mit Frank Boblenz absprechen.

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. November 2021 | 18:22 Uhr

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