Ein ganzes Jahr beim Landwirt Regenwürmer - die heimlichen Helfer des Landwirts

Autor Jens Roder
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Der Regenwurm ist der Freund oder der heimliche Helfer des Landwirts. Der Bauer rückt mit schwerem, großen Gerät aus - der Regenwurm übernimmt die Feinarbeit.

Ein Regenwurm
Kleiner Helfer mit großer Wirkung: Der Regenwurm ist auf dem Feld gern gesehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Man könnte ja denken: So langsam wird es ruhiger bei der Geratal Agrar in Andisleben, die wir ein Jahr lang begleiten. Mit den Zuckerrüben sind die letzten Feldfrüchte geerntet, auch der Winterweizen ist schon ausgesät. Bevor es dann wirklich gemächlicher zugeht, steht noch die Herbstbodenbearbeitung auf der To-Do-Liste. Und da spielt auch der Regenwurm eine große Rolle.

Traktor
Gemeinsam ein starkes Team: schwere Technik und der kleine Regenwurm. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Der Regenwurm ist der Freund oder der heimliche Helfer des Landwirts. Die von ihm gegrabenen Gänge sind ideal fürs Regenwasser. Durch die kleinen Hohlräume sickert das Wasser in die Tiefe und läuft nicht oberirdisch ab. Außerdem sorgt er für gute Durchlüftung des Bodens und für gute Fruchtbarkeit. Regenwürmer buddeln nämlich nicht nur Gänge, sie ziehen dort auch übriggebliebene Strohhalme in den Boden. Und mit etwas Geduld wird daraus wertvoller Humus.

Regenwurm in Nahaufnahme 2 min
Bildrechte: Colourbox.de

Wo der Regenwurm lebt, ist der Boden gesund. Seine Arbeit muss nicht mit Technik gemacht werden.

Landwirt René Döring

Der Regenwurm ist also auch ein Wirtschaftsfaktor. Er hilft Arbeitszeit zu sparen und Kraftstoff für die Feldmaschinen.

Maschine auf Feld
Gemeinsam geht es besser. Technik und Regenwurm sorgen für die perfekte Bodenstruktur. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Um dem Regenwurm das Leben auf ihren Feldern so angenehm wie möglich zu machen, setzt die Geratal Agrar schon seit vielen Jahren die "pfluglose" Bodenbearbeitung ein. Um die zu verstehen, müssen wir uns das Gerät hinten an der Zugmaschine genauer ansehen. Da erinnern wir uns zunächst nochmal, wie ein herkömmlicher Pflug aussieht und was beim herkömmlichen Pflügen passiert. Da wird die Erde komplett umgedreht, wie im eigenen Garten mit dem Spaten. Sind noch Pflanzen im Boden, befinden die sich dann unter der Erde.

Maschine auf Feld
Das herkömmliche Pflügen. Der Boden wird komplett umgedreht. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Bei der pfluglosen Variante wird der Boden nur durchgegrubbert, also aufgelockert. Die Bodenstruktur bleibt erhalten, der Oberboden bleibt oben und der Unterboden unten. Das ist dann so ähnlich wie beim Waldboden. Der wird nie bewegt oder bearbeitet und ist extrem humusreich. Hinzu kommt, dass die pfluglose Bodenbearbeitung viel ökonomischer ist. Die Zugmaschine kommt schneller voran, das Feld ist also schneller bearbeitet als beim herkömmlichen Pflügen. Das spart Kraftstoff und Arbeitszeit.

Feld
Frisch gegrubbert. So mag der Regenwurm die Erde. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Trotz dieser immensen Vorteile kann die Geratal Agrar nicht ganz aufs Pflügen, auf das komplette Umdrehen des Bodens verzichten. Das ist genau dann der Fall, wenn auf dem Feld zu viele Ungräser stehen (Ungräser sind ähnlich unbeliebt wie Unkraut im Garten). Sie mit Chemie zu vertreiben ist verboten oder nicht gewollt, also bleibt nur das Pflügen, wo die Ungräser unter der Erde landen und damit unschädlich werden. Das geht dann natürlich zu Lasten des Regewurms.

Mann auf Feld
Gefällt dem Regenwurm überhaupt nicht: Dicke Erdklumpen nach dem herkömmlichen Pflügen. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Damit steht auch fest: Regenwürmer lieben die pfluglose Bodenbearbeitung. Und sie haben auch kein Problem, wenn es demnächst etwas kälter wird in ihrem dunklen Zuhause. Sie verkriechen sich einfach in tiefere Bodenschichten. Das Ergebnis ist das Gleiche wie bei uns, wenn wir die Heizung aufdrehen: Es wird wärmer!.

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MDR (ifl)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 16. November 2022 | 08:20 Uhr

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