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Alles noch grün kurz vor dem Winter. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Ein ganzes Jahr beim LandwirtZwischenfrüchte: So helfen Pflanzen, Kraftstoff und Dünger zu sparen

von Jens Roder, MDR THÜRINGEN

Stand: 29. November 2022, 08:20 Uhr

Gleich neben der Bundesstraße 4 zwischen Andisleben und Gebesee leuchtet es grün auf einem Feld. Das wäre zunächst nichts Ungewöhnliches, es gibt ja Kulturen wie Wintergerste oder Raps. Die wurden schon Ende des Sommers ausgesät und haben jetzt eine Höhe von rund zehn Zentimetern erreicht. Die Pflanzen auf diesem Feld aber sind teilweise einen ganzen Meter groß. Was ist das los? Hat der Landwirt etwa die Ernte verpennt?

Es ist wieder einer der Tage, an denen ich ganz viel dazu lerne: Über Bodenbearbeitung, Bodenstruktur und auch der Regenwurm begegnet mir wieder. Auf dem grünen Feld mit den ein Meter hohen Pflanzen handelt es sich um Zwischenfruchtanbau, erklärt mir Landwirt René Döring von Geratal Agrar. Wobei "Zwischenfrucht" etwas irreführend ist, denn Früchte sind hier nicht zu erwarten und geerntet werden diese Pflanzen auch nicht.

Damit der Wind nicht den Boden abträgt

Um die Sache oder die Strategie des Landwirts zu verstehen, schauen wir zunächst in die Zukunft. Im kommenden Frühjahr soll hier Mais ausgesät werden. Bis dahin würde das Feld brach daliegen. In Expertenkreisen gilt das als suboptimal, der Wind würde während der Wintermonate wertvolle Bodenbestandteile einfach wegpusten. Und jetzt kommen unsere Zwischenfrucht-Pflanzen ins Spiel. Sie halten den Boden fest und sie schaffen Dank ihrer Muli-Tasking-Fähigkeiten noch ganz andere Dinge.

Wurzeln lockern den Boden auf

Ihre Wurzeln arbeiten sich durch den Boden und brechen dabei auch härtere Erdbrocken auf. Und da René Döring im Sommer eine Mischung aus Flach- und Tiefwurzlern gesät hat, werden jetzt alle Bodenschichten erreicht. Die Zwischenfrucht-Pflanzen erledigen also die Arbeiten, für die sonst Grubber und Scheibenegge zuständig wären und helfen damit Kraftstoff zu sparen. Ist doch clever, oder? 

Gut zu erkennen in der Mitte - die Wurzel gräbt Gänge in den Boden. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Kompost statt Dünger

Nebenbei wird durch die Arbeit der Wurzeln noch der Boden durchlüftet und so ein Wohlfühlklima für den Regenwurm geschaffen. Wenn demnächst die eiskalten Wintertage kommen, sterben die Zwischenfrucht-Pflanzen ab und sorgen posthum noch für Humus im Boden. Das wiederum spart teure Düngemittel.

Der perfekte Boden für den Regenwurm. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Jetzt kann man sich berechtigterweise fragen: Wenn das alles so prima und auch ökologisch funktioniert, warum wird diese Methode nicht viel öfter in der Landwirtschaft eingesetzt? Lange Zeit hatte das Gegenargument "Die Zwischenfrucht-Pflanzen klaut der kommenden Hauptkultur das Wasser" sehr großes Gewicht. Erst in letzter Zeit haben Studien diese Ansicht entkräftet. 

Selberversorger beim Wasser, durch den Morgentau im September. Bildrechte: MDR/Jens Roder

Pflanzen nutzen Morgentau

Wer nach einer ziemlich kühlen Septembernacht schon mal in Stoffschuhen durch eine Wiese gelaufen ist, der hat danach nasse Strümpfe und Füße. Und diesen Morgentau können auch die Pflanzen nutzen. Denn im September haben die Zwischenfrucht-Pflanzen schon eine beachtliche Größe erreicht. Ein bis zwei Liter pro Quadratmeter und Nacht können da zusammenkommen und das reicht für die Eigenversorgung. Und damit wird auch kein Wasser mehr "geklaut".

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MDR (ifl)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 29. November 2022 | 08:20 Uhr

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