Covid-19 Ein Thüringer auf der Suche nach dem Corona-Medikament

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Die Suche nach einem wirkungsvollen Medikament gegen das Coronavirus. An einem Fraunhofer Institut in Hamburg untersuchen Forscher rund 6.000 Wirkstoffe. Mit dabei ist auch ein Thüringer. Der Biochemiker Bernhard Ellinger aus Ollendorf im Landkreis Sömmerda.

Mann arbeitet im Labor
Der Biochemiker Bernhard Ellinger aus Ollendorf im Landkreis Sömmerda forscht an einem Medikament gegen Corona. Bildrechte: Frauenhofer ITMP/Martin Kunze

Sie ist wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Suche nach einem Wirkstoff, der das Coronavirus stoppt. Für die Forscher begann diese Suche schon Anfang letzten Jahres, als die ersten Coronafälle nach Deutschland kamen. Ärzte, die die ersten Patienten untersuchten, meldeten sich bei den Wissenschaftlern in Hamburg - am Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie. Denn: Sie haben eine der größten Medikamenten-Bibliotheken der Welt, in der rund 6.000 Wirkstoffe abgelegt sind. Mithilfe von Computern begannen die Wissenschaftler diese Wirkstoffe zu untersuchen. Einer von ihnen: Der Thüringer Biochemiker Bernhard Ellinger.

Coronaforscher 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 23.01.2021 19:00Uhr 02:30 min

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Mit Corona infizierte Zellen unter der Lupe

Bernhard Ellinger ist aufgewachsen in Ollendorf im Landkreis Sömmerda. Seit zehn Jahren lebt er in Hamburg, schaut sich unter dem Mikroskop an, wie Medikamente in den menschlichen Zellen wirken.

Mann arbeitet im Labor
Ellinger in seinem Labor in Hamburg. Bildrechte: Fraunhofer ITMP/Bernd Müller

Seit etwa einem Jahr hat er auch Zellen von Coronapatienten unter der Lupe. Zum Beispiel Zellen aus einer Lunge, die mit dem Coronavirus infiziert wurden. Gemeinsam mit einem Team von rund 20 Biologen, Biochemikern und Bioinformatikern untersucht er, welche Stoffe das Virus bremsen können. Das wiederum kommt auch anderen Wissenschaftlern zugute, in Hamburg, Frankfurt am Main oder Tübingen.

6.000 Wirkstoffe getestet

Der Vorteil bei den rund 6.000 Wirkstoffen aus der Bibliothek in Hamburg: Sie sind für Arzneimittel schon zugelassen. Das ist wichtig, denn die Uhr tickt. "Wir wollen ja etwas finden, dass schnell bei den Patienten ankommt", sagt Bernhard Ellinger. "Tatsächlich haben wir relativ schnell Stoffe gefunden, die gewirkt haben." 80 Substanzen seien am Ende übrig geblieben.

Mit ihnen begann dann das Puzzlespiel, welche Stoffe auf unsere Hitliste kommen.

Bernhard Ellinger

Besonders vielversprechend: "Ein Medikament, das schon bei Osteoporose eingesetzt wird." Es blockiert einen Baustein in der menschlichen Zelle. Ohne ihn kann sich das Coronavirus nicht vermehren.

Forscher der Universität Tübingen haben daran weitergearbeitet. Sie haben eine Schwachstelle gefunden: Ein menschliches Enzym, an das sich das Virus anheftet. Wird dieses Enzym ausgeschaltet, kann sich das Virus nicht mehr vermehren, sagt Bernhard Ellinger. Das würde vor allem in einem frühen Stadium der Krankheit helfen, den Krankheitsverlauf abzumildern.

Klinische Studien mit Patienten laufen

Im Dezember seien in Italien die ersten klinischen Studien dazu gestartet - mit 450 Patienten. Im Frühjahr wollen die Forscher die Ergebnisse auswerten. "Dann können wir sagen, wie gut der Stoff wirkt." Weltweit gäbe es derzeit 1.500 Studien zu Medikamenten gegen das Coronavirus. 150 davon würden zurzeit schon an Corona-Patienten laufen.

Insgesamt am vielversprechendsten seien Wirkstoffe, die bestimmte Bausteine in den Zellen hemmen, meint Ellinger. Bekanntestes Beispiel: Dexamethason, das bei schweren Verläufen eingesetzt wird, um eine starke Reaktion des Immunsystems zu unterdrücken. "Auch eine Therapie mit mehreren Wirkstoffen, ähnlich der Therapie gegen HIV, werde kommen", sagt Ellinger.

Die Hoffnung besteht, so der Wissenschaftler, dass in einigen Monaten wirksame Medikamente gegen das Virus eingesetzt werden können. Sie werden dringend gebraucht. Gerade auch wegen der Mutationen des Virus und der Befürchtung, die Impfungen könnten gegen neuen Mutation nicht wirken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 23. Januar 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Nawienn vor 12 Wochen

Ihre Zuversicht in allen Ehren,denn jetzt kommen aus allen
Herren Ländern mit einmal Impfstoffe,Medikamente
und was sonst noch alles.Was mich die ganze Zeit traurig stimmt
ist die Tatsache,das auf einer abgeschirmten Insel an der Ostsee
in Deutschland wohlgemerkt,eine der ältesten und größten
Forschungslabore (Viren,Keime,alle ansteckenden Krankheiten
der Erde und der Menschen) der Welt existiert,
dort hochdotierte und hochrangige Menschen sitzen und arbeiten.
Haben Sie und ich in der ganzen Zeit der Pandemie, mal von denen
was gehört ????
Warum werden die Damen und Herren von unserer
Regierung nicht in die Pflicht genommen ??
Das ist leider die Wahrheit über unser System,es krankt,
andersherum gefragt,wer kennt überhaupt ein solches Institut ???
Die wenigsten,denn bestens abgeschirmt auf einer Ostseeinsel
in Deutschland läßt es sich gut aushalten.
Einen schönen Sonntag noch....

Lyn vor 12 Wochen

Das klingt doch alles sehr vielversprechend.

Ich hoffe doch, dass das von der Politik auch unterstützt und honoriert wird?

Oder ist man der Auffassung, dass eine breite Impfung mehr Geld in die Kassen der Hersteller spült als ein Medikament, das nicht so oft verabreicht wird wie eine Massenimpfung?

Klinische Studien - nur in Italien? Warum? Haben wir in Deutschland nicht genug Patienten mit schwerem Verlauf und lange andauernden bösen Folgen?

An einer klinischen Studie habe ich auch schon mal als Patientin teilgenommen. Es ist für Gesunde oft schwer nachvollziehbar, was man freiwillig alles mitmacht, wenn alle bisher bekannten Methoden versagt haben. Bei komatösen, nicht ansprechbaren Patienten können Bevollmächtigte Angehörige gefragt werden, oder man richtig sich nach der Patientenverfügung.

Rumsdibums vor 12 Wochen

Würde es helfen wenn wir noch einen zweiten Thüringer mit dazu nehmen der an brauchbaren Medikamenten forscht?

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