Rastenberg Neuer Verein will "Raspehaus" retten

Es ist das älteste Gebäude der Stadt Rastenberg und eines der ältesten im Landkreis Sömmerda - das "Raspehaus". 1605 von seinem Namensgeber Thomas Raspe, einem fürstlich-sächsischen Amtshauptmann erbaut, steht es nun seit vielen Jahren leer - und zerfällt allmählich. Die Mitglieder des neuen Vereins "Raspehaus" haben es sich zur Aufgabe gemacht, es zu retten.

Menschen stehen vor einem verfallenen Haus.
Ein neuer Verein will sich um das ehemalige Raspehaus in Rastenberg im Kreis Sömmerda kümmern. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

"Es ist nicht mehr fünf vor Zwölf, es ist schon fünf nach Zwölf" - so beschreibt Andreas Martini den Zustand des historischen Wohnhauses. Die ehemalige Mauer mit Torbogen ist bereits komplett zerfallen, das Dach des "Raspehauses" wurde in den 90er Jahren notgesichert, ist aber wieder undicht. Auch in den zwei Geschossen darunter ist der Verfall extrem vorangeschritten. Allein das Kellergewölbe ist noch stabil. Dieses ist womöglich sogar noch älter als das Haus selbst, weiß Martini. An Hand des zugespitzten Tonnengewölbes lässt sich erkennen, dass hier womöglich vor dem aktuellen Haus noch ein anderes gestanden haben könnte.

"Es atmet Geschichte, dieses Kellergewölbe"

Andreas Martini und sein Cousin Stefan Wagner sind augenscheinlich fasziniert. "Es atmet Geschichte, dieses Kellergewölbe. Und wenn man dann darüber nachdenkt, dass es schon zur Zeit der Raspenburg erbaut worden ist, dann ist es ein interessantes Gefühl, dort unten zu sein", meint Stefan Wagner. Die Raspenburg wurde einst im 11. Jahrhundert bei Rastenberg erbaut.
Doch es ist nicht nur das historische Interesse, welches Martini und Wagner motiviert hat, das Haus vor dem Verfall zu retten. Ihr Uropa Robert Wagner hatte selbiges in den 1970er Jahren schon versucht - ohne Erfolg. Es jetzt noch mal zu versuchen, sei die letzte Chance, sind sich die Cousins einig. Und auch die weiteren 13 Mitglieder des Vereins.

Tür eines verfallenen Hauses
Von außen wirkt das Haus verfallen - doch an den Wänden und Decken der Innenräume seien Malereien und Farbfassungen der Renaissance relativ gut erhalten geblieben. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Landesdenkmalpflegeamt: Einzigartiges Baudenkmal

Äußerlich ist es zwar ein großes, aber für viele dennoch eher unscheinbares Haus. Auf den ersten Blick jedenfalls. Aus einer Beurteilung des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege aus dem Jahr 2009 geht hervor, was man von außen nicht erahnen kann: An den Wänden und Decken der Innenräume sind Malereien und Farbfassungen der Renaissance relativ gut erhalten geblieben. "Dadurch sei das Raspehaus für die Region und namentlich für die Geschichte der Stadt Rastenberg ein einzigartiges Dokument der Baukunst des 17. Jahrhundert, dessen Verlust eine tiefe Lücke in die historische Überlieferung reißen würde", so das Fazit des Denkmalpflegeamts.

Viele Ideen für zukünftige Nutzung

Petra Rose, Vereinsmitglied der ersten Stunde hat schon einige Ideen für mögliche Nutzungkonzepte des Raspehauses: Schulklassen, denen die Geschichte des Hauses näher gebracht werden kann, eine Herberge für Kurzzeittouristen. Sie ist äußerst motiviert, das Haus künftig wieder auf Vordermann zu bringen. Auch Andreas Martini gerät ins Schwärmen, wenn es um die künftige Nutzung des Hauses geht: "Dass hier einmal eines der ältesten Kur-Cafés von Europa wieder zum Leben erweckt wird, was früher schon mal in Rastenberg existiert haben muss. Um circa 1696 war das der Fall. Und das passt ja auch in etwa zu dem Alter des Gebäudes." Stefan Wagner wiederum schweben Weinproben im historischen Kellergewölbe vor. Vielleicht lassen sich ja auch alle Ideen kombinieren?

Verfallenes Haus
Zunächst muss das Raspehaus saniert werden, damit es nicht weiter verfällt. Danach könnten andere Pläne für die Nutzung erarbeitet werden. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Notsicherung steht an erster Stelle

Fest steht aber: Bevor näher über künftige Nutzungskonzepte gesprochen werden kann, muss das Gebäude notgesichert werden, damit es nicht weiter verfällt. Für die Sanierung braucht das Haus außerdem einen Eigentümer, erklärt Andreas Martini. Die letzte Erbin hat es dem Staat übereignet. Deshalb will der Verein versuchen, andere Menschen für die Geschichte des Hauses zu begeistern, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und langfristig auch Sponsoren zu suchen und Spenden zu sammeln. In jedem Fall gibt es noch viel zu tun.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 05. November 2021 | 15:00 Uhr

5 Kommentare

Thueringer Original vor 39 Wochen

Laut Thüringer Allgemeine rechnet der Verein mit Kosten von zwei bis drei Millionen. Ich lach mich schlapp. Wenn die Ahnung von Sanierung und Bauen hätten, dann sollten die das dreifache einplanen. Insbeondere bei den derzeitigen Baupreisen. Vor allem ist doch die zukünftige Nutzung fraglich.

Thueringer Original vor 39 Wochen

Ich bin ein Freund vom Erhalt und Sanierung historischer und alter Bauten. Beim hiesigen Gebäude sieht es jedoch so aus, als ob da nicht mehr viel erhalten werden kann. Die Substanz, wenn man überhaupt davon sprechen kann, scheint zu marode.

Harka2 vor 39 Wochen

Vor 20 Jahren wäre da möglicherweise noch was zu retten gewesen, inzwischen ist jeder Balken marode und verfault, selbst steinerne Strukturen sind eingestürzt. Kein Fenster und keine Tür ist da noch zu retten. Hier würde ich empfehlen: Abriss und Neubau auf vorhandenen Strukturen. Nicht alles, was erhaltenswert ist, kann oder sollte auch erhalten werden.

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