Buchenwald und Mittelbau-Dora Russische Vertreter bei Gedenken an KZ-Befreiung unerwünscht

Zum 77. Jahrestag der Befreiung der KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora werden keine russischen und belarussischen Regierungsvertreter eingeladen. Grund ist der Angriff auf die Ukraine. Vertreter der Zivilgesellschaft sollen die Ehrungen übernehmen.

Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald.
In Buchenwald sind in diesem Jahr die Gedenkfeierlichkeiten vom Ukraine-Krieg überschattet. Bildrechte: MDR/Thies Streifinger

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine überschattet das Gedenken an die Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 77 Jahren. Anders als in den Vorjahren sind bei den Veranstaltungen am 10. und 11. April offizielle Vertreter aus Russland und Belarus wegen des Kriegs unerwünscht.

"Wir haben den konsularischen Vertretungen schriftlich mitgeteilt, dass sie bei den Veranstaltungen nicht willkommen sind", sagte Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, in Nordhausen.

Buchenwald-Überlebender in der Ukraine getötet

Offizielle Vertreter der beiden Länder bei den Feierlichkeiten zu empfangen, sei "für uns eine unerträgliche Vorstellung", äußerte Wagner mit Blick auf den Tod des Buchenwald-Überlebenden Boris Romantschenko im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Der 96-jährige Vizepräsident des internationalen Komitees von Überlebenden der beiden Lager war Mitte März bei einem russischen Bombenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw getötet worden. Sein Tod hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Junge Menschen aus Russland und der Ukraine sprechen Buchenwald-Schwur

Häftlinge aus der Ex-Sowjetunion bildeten nach Angaben der Stiftung die größte unter den in beiden Lagern inhaftierten nationalen Gruppen. Wagner betonte, dass sich das Vorgehen der Stiftung nicht gegen diese Menschen richte: "Es richtet sich explizit gegen die Regierungen beider Länder." Die Häftlinge würden von Vertretern der Zivilgesellschaft geehrt.

Geplant ist, dass junge Menschen aus Russland und der Ukraine eine Passage aus dem Schwur der Buchenwald-Häftlinge nach deren Befreiung verlesen. Darin heißt es: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel."

KZ Buchenwald und Mittelbau-Dora: Geschichte und Gedenken

Rund um die Gedenkfeiern sind Lesungen, Zeitzeugengespräche und Filmvorführungen geplant. Im ehemaligen KZ Mittelbau-Dora soll eine Sonderausstellung zum Thema Flucht eröffnet werden. In dem Lager bei Nordhausen mussten seit 1943 mehr als 60.000 Häftlinge Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten, ein Drittel kam dabei ums Leben. Ins Lager Buchenwald hatten die Nazis 280.000 Menschen aus ganz Europa verschleppt, rund 56.000 wurden ermordet oder starben an Hunger, Krankheiten und medizinischen Experimenten. Am 11. April 1945 befreiten US-Truppen die Lager.

Erstmals in Pandemie wieder KZ-Überlebende bei Feiern

Zu den Gedenkfeiern werden erstmals in der Corona-Pandemie wieder 15 KZ-Überlebende unter anderem aus Israel, Polen und Rumänien erwartet. Teilnehmen werde wahrscheinlich auch die Holocaust-Überlebende Anastasia Gulej aus der Ukraine, der die Flucht aus der Ukraine nach Sachsen-Anhalt gelungen ist. Bei der Gedenkfeier in Buchenwald bei Weimar werden die KZ-Überlebenden Naftali Fürst aus Israel und Vasile Nussbaum (Rumänien) sowie der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, reden.

MDR (gh)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. März 2022 | 18:00 Uhr

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