KZ-Gedenkstätte Buchenwald Archäologie im Steinbruch: Die langsame Suche nach Hinweisen auf Hohlräume

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Behutsam schabt die große Schaufel des Baggers die oberste Erdreich-Schicht ab. Langsam gräbt sich das schwere Gerät in einen Hang im Steinbruch des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Immer wieder stoppt der Baggerfahrer die Arbeit, um dem Experten vom Munitionsbergungsdienst das Feld zu überlassen. Der sucht mit einer Sonde nach metallischen Gegenständen, Munition vielleicht oder gar Waffen. Sobald er grünes Licht gibt, macht sich der Bagger wieder ans Werk.

Die Szenerie an diesem kühlen Dienstagmorgen wird aufmerksam von zwei Dutzend Menschen beobachtet. Es sind Vertreter des Thüringer Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege, der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Bergbauexperten sowie Reporter des MDR. Sie wollen ergründen, ob aus Indizien, die in jahrelangen Recherchen zusammengetragen worden sind, konkrete Beweise werden.

Beweise für die Existenz von Hohlräumen oder Stollen, welche die SS in den letzten Wochen des Konzentrationslagers von Häftlingen anlegen ließ und in denen sie möglicherweise Raubgut versteckte. Die Gedenkstätten-Stiftung will damit auch seit Jahren wabernde Spekulationen über solche Hohlräume beenden und Klarheit schaffen. Immerhin hatten die US-Truppen nach der Befreiung des Konzentrationslagers im April 1945 zwei solcher verschlossener Stollen im Steinbruch geöffnet und tonnenweise Raubgut geborgen, darunter persönliche Gegenstände von Deportierten und Opfern des Holocaust.

Nur sehr langsam kommt der Bagger voran. Die Experten besprechen detailliert, wie und wo genau die Schaufel angesetzt werden soll. Schließlich geht es hier um archäologische Arbeit. Immer wieder stoppt der Experte vom Munitionsbergungsdienst per Handzeichen den Baggern. Zieht verrottete kleine Gegenstände aus dem Schutt - Metallbänder, zerbeulte Blechtassen, Dosen, in denen laut ihrem Deckelaufdruck früher Schuhcreme war. Und schließlich auch einige verbogene, verrostete Metallstangen, die als die Überreste von Gewehren identifiziert werden. Sorgsam legt Karin Sczech vom Landesamt für Denkmalpflege die Fundstücke auf einer ausgebreiteten Plane ab. Eine zum Knäuel gerostete Eisenkette kommt hinzu, außerdem einige Scherben von Tassen und Tellern, auch Patronenhülsen. Die Fundstücke sollen später genauer begutachtet werden.

Die anwesenden Journalisten filmen und fotografieren. Für TV- und Radiobeiträge im MDR. Auch einige Zuschauer finden sich im Laufe des Tages ein und schauen aus einiger Entfernung - das Areal ist eingezäunt und wird von einem Wachdienst bewacht - den Arbeiten zu. Sensationen gibt es hier aber nicht zu sehen. Eher nüchterne archäologische Arbeit.

Am späten Nachmittag ist erst einmal Feierabend an diesem ersten Tag. Morgen soll es weitergehen. Wie lange die Untersuchungen dauern werden, ist nicht genau vorherzusagen. Es hängt davon ab, was die Experten finden - oder eben auch nicht finden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tage | 01. Oktober 2019 | 18:00 Uhr

14 Kommentare

Theodor Dienert am 01.10.2019

Ich möchte zu Ihrem Bericht über die Grabungen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald folgendes bemerken:
Sie schreiben „behutsam schabt die große Schaufel des Baggers...“usw...
Ich persönlich war von Beruf Baumaschinenführer und habe 47 Jahre lang Bagger gefahren.
Es gibt keinen Bagger der eine „Schaufel“ hat !!!
Ein Bagger hat IMMER einen LÖFFEL !!!
Ein Radlader hat eine Schaufel oder auch ein Bauarbeiter.
Ich hoffe nun, dass es auch der letzte Reporter oder Journalist, oder wie sich die Schreiberlinge nennen, verstanden haben und aufhören ihre Unwahrheiten über die Bagger zu verbreiten....
Bagger = Löffel
(z.B.: Tieflöffel, Hochlöffel, Felslöffel, Grabenräumlöffel, Drainagelöffel, Sieblöffel...usw),

hoehlenolm am 03.10.2019

Das Problem liegt darin, dass die Messungen durch eine Geologenfirma schon am 30./31. Mai des Jahres 1994, das heißt, schon vor 25 Jahren stattfanden. Der kpl. Bericht incl. Schriftverkehr dazu wurde der Gedenkstättenleitung übergeben und wird seitdem dort unter Verschluss gehalten. Raubgräber blieben bislang unbekannt. Wie schrieb ich im Bergeplan von 1994: „Das Gelände wird von der Einsichtnahme Unbeteiligter abgeschirmt... Wir fangen am Freitagmorgen an und wenn am Montag der erste Tourist auftaucht, sieht das Gelände wieder so aus, wie am Freitagmorgen“ Nun hat man alle Leute geweckt, die wir damals während der Bergung fernhalten wollten. Es ist mir völlig unerklärlich, dass sich die Leute (Presse, TV, Gedenkstättenleitung, Landesamt für Denkmalschutz und einige andere),die 25 Jahre lang jede Kommunikation oder gar Bergung des Einlagerungsgutes ablehnten und massiv verhinderten, nun Filme drehen und sich heute Orden für fremder Leute Arbeit und Erfolg ans Revers hängen möchten.


hoehlenolm am 03.10.2019

Buchenwald 1
Ich hatte an anderer Stelle schon geschrieben, dass der Begriff „Wissenschaftliche Grabungen“ bei der Bergung von Anomalien nicht bekannt ist. Es wäre besser, von Sondierungsbohrungen oder Bohrlochsondierungen mit Magnetometermessungen oder Kamerabefahrung bzw. Oberflächensondierung zu schreiben. Dann gäbe es statt Grabungen korrekterweise noch Hand- oder Maschinenschachtungen. Da man einen Feuerwerker (der Kollege mit dem weißen Helm) vor Ort beschäftigt, scheint der Steinbruch als Kampfmittelverdachtspunkt eingestuft zu sein. Dann wäre aber bei den Schachtungen ein sprenggeschützter Bagger vom Gesetz vorgeschrieben.

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