LGBTIQ 1.200 Menschen feiern Christopher Street Day in Weimar

In Weimar haben am Samstag Hunderte Menschen den Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Mit dem Fest soll ein Zeichen für Gleichberechtigung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen gesetzt werden.

Mehrere Menschen halten ein großes Banner.
Am Samstag zog die CSD-Parade durch die Weimarer Innenstadt. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Rund 1.200 Menschen haben in Weimar am Samstag den Christopher Street Day gefeiert. "Das war weit über dem, was wir erwartet hatten, und zeigt, dass viele vor der Bundestagswahl noch mal ein Zeichen setzten wollten", sagte CSD-Veranstaltungschef Matthias Gote. Vor allem junge Menschen zogen feiernd durch die Weimarer Innenstadt. Mit schrillen Kostümen, greller Schminke und lauter Musik. Ein buntes Fest, an dem selbst das Deutsche Nationaltheater die Regenbogenfahnen gehisst hat.

Menschen mit Regenbogenfahnen vorm Nationaltheater in Weimar.
Auch am Nationaltheater in Weimar ist die Regebogenfahne gehisst. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Solidarität mit Homosexuellen in anderen Ländern

Ein großes Thema der Demonstration war die internationale Solidarität mit Lesben, Schwulen, Transgender, Intersexuellen und Queers in aller Welt gewesen. Vergangene Woche erst war der polnische Außenminister im Rahmen des Weimarer Dreiecks in der Klassikstadt empfangen worden. "Das ist das Land, in dem LGBTIQ-freie Zonen eingerichtet wurden. Da müssen wir aufstehen", so Gote. In anderen Ländern stünde auf Homosexualität auch immer noch die Todesstrafe.

Menschen mit Regenbogenfahnen.
Mit Regenbogenfahnen wollen die Menschen ein Zeichen für Vielfalt setzen. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Thüringer CSD-Bündnisse arbeiten zusammen

Auch der Landeshaushalt beschäftigt die LGBTIQ+ Community. Dieser wird in Thüringen voraussichtlich erst im Februar entschieden. Für etliche Projekte sei das aber zu spät, sagte Gote. Sie seien von Geldern der öffentlichen Hand abhängig und könnten sich eine Zwischenfinanzierung nicht leisten. So berichtete er vom neuen Queeren Zentrum in Erfurt, das seine Mitarbeiter wohl zum 31. Dezember zunächst entlassen müsse.

Was bedeutet LGBTIQ+ ?

LGBTIQ+ ist eine Abkürzung. Jeder Buchstabe steht hierbei für eine eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung. So steht das L für Lesbisch, G für "Gay", dem englischen Wort für schwul, B für Bisexuell, T für Transgender, I für Intersexuell und Q für Queer. Das + ist ein Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten, die sich mitgemeint fühlen sollen. Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren.

In Thüringen hatten zuletzt etwa in Altenburg und Jena Demonstrationen zum Christopher Street Day stattgefunden. In Erfurt ist am 9. Oktober eine Parade geplant. Die Thüringer CSD-Bündnisse arbeiten eng zusammen und haben unter anderem einen gemeinsamen Forderungskatalog erarbeitet. So gibt es laut Matthias Gote noch immer viel Nachholbedarf - beispielsweise in den Schulen. Dort würde das Thema oft ausgespart. In öffentlichen Verkehrsmitteln würden anders aussehende Menschen nach wie vor angestarrt oder gar bepöbelt. Es bräuchte noch jede Menge Aufklärungsarbeit, so Gote.

Menschen stehen auf dem Marktplatz in Weimar.
Rund 1.200 Menschen kamen in der Weimarer Innenstadt zusammen, um den CSD zu feiern. Bildrechte: MDR/Hasselmann

Erinnerung an Stonewall-Aufstand in New York

Der CSD erinnert an die Emanzipationsgeschichte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen, die sich im Juni 1969 bei einer Razzia in der Kneipe "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street gegen die Polizei aufgelehnt hatten. Der sogenannte Stonewall-Aufstand dauerte mehrere Tage und gilt als Beginn der Emanzipationsbewegen von Schwulen, Lesben und all jenen Menschen, die sich in der Heterosexualität nicht wiederfinden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno/ask/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. September 2021 | 16:00 Uhr

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