Corona-Todesfälle Bestatter an Belastungsgrenze

Die Zahl der Sterbefälle in Thüringen liegt aktuell über dem Schnitt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind im Freistaat allein in der zweiten Dezemberwoche rund 200 Menschen mehr gestorben als im Vergleichszeitraum der Vorjahre. Der Anstieg liegt demnach bei 32 Prozent. Die Bestattungsunternehmen arbeiten an der Belastungsgrenze - und sehen sich mit zusätzlichem Leid der Angehörigen konfrontiert.

Rückseite einer Kirche mit Rotunde
Die Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof in Weimar Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Es sind traurige Zahlen, die das Bundesamt für Statistik veröffentlicht hat. In der dunklen Jahreszeit sterben zwar ohnehin mehr Menschen als im Sommer. Hinzu kommt nun aber noch Covid-19. Allein in einem einzigen Weimarer Seniorenheim sind innerhalb der letzten Wochen 23 Menschen mit oder an Corona gestorben. "Im Krematorium der Stadt wird im Schichtbetrieb gearbeitet. Die 44 Kühlzellen sind alle belegt", berichtet Kay Wiedemann vom Weimarer Bestattungsinstitut. Er und auch seine Mitarbeiter kommen kaum hinterher. Von früh bis abends führen sie Trauergespräche. Aktuell im sterilen Büro und das mit Maske. Nach Feierabend arbeiten sie die Fälle auf.

Die Särge bleiben zu

Schrift "Eingang für Leidtragende" auf Holztüre
Das Leid der Angehörigen ist häufig noch größer in Corona-Zeiten: Infektionsschutz verhindert normalen Abschied und bedeutet eingeschränkte Trauernfeiern. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

"Die Trauernden", berichtet Wiedemann, "sind oft zornig. Sie haben Wut im Bauch." Und Wiedemann kann das verstehen. Viele Angehörige können sich nicht würdig verabschieden. "Zuerst durften sie nicht ins Krankenhaus oder Pflegeheim um Lebwohl zu sagen. Und dann wird ihnen noch der geöffnete Sarg verwehrt." Gerade bei Corona-Toten ist das unmöglich. Die Särge bleiben zu. "Ein letztes Mal Handhalten, der Abschiedsbrief im Sarg oder ein Kuss auf die Wange - das alles ist nicht erlaubt. Das Infektionsschutzgesetz macht einen persönlichen Abschied unmöglich." Das stößt nicht immer auf Verständnis. Auch die Trauerfeiern selbst fallen klein aus. Nur im engen Kreis darf man sich treffen. "Viele Familien verschieben die Feiern um etliche Wochen", erzählt Wiedemann. "Richtig abschließen können sie so aber nicht."

Pflicht zur Schutzkleidung

Der Umgang mit Corona-Toten bedeutet für die Bestatter einen enormen Mehraufwand. "Erfahren unsere Mitarbeiter, dass es sich um einen Covid-19-Toten handelt, dürfen sie die Klinik oder das Pflegeheim nur in Schutzkleidung betreten": Ganzkörperanzug, Füßlinge, Handschuhe und FFP-2-Maske. Die Bestatter sind in Vollmontur. Auf dem Friedhof werden die Särge desinfiziert. Corona-Tote werden in eigens vorbereitete Kühlzellen gelegt. "Das alles kostet Zeit und Nerven und macht den Beruf des Bestatters gerade wirklich schwer."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 12. Januar 2021 | 19:00 Uhr

15 Kommentare

Mediator vor 12 Wochen

Da müssen sie ja ein Universalgenie sein, wenn sie alles prüfen können, was an Fakten in der Welt unterwegs ist. Sie sind wohl eher jemand der nur glaubt was ihm in den Kram passt und der gerne sein Bauchgefühl als Realität ausgibt. Ihre bisherigen Kommentare zu Corona waren wenig Fakten basiert und eher aus den Narrativen der Coronaleugner und Verharmloser zusammen gebastelt.

Mediator vor 12 Wochen

Nein ihnen geht es darum eine Situation zu kritisieren, die sie und Ihresgleichen durch die kontinuierliche Verharmlosung der Coronasituation erst so schlimm gemacht haben. Selbst der Höcke ist, nachdem reihenweise an Corona gestorben wird, von seinen Thesen zurück getreten, dass alles doch ganz harmlos sei und die Regierung die Menschen in böswilliger Absicht gängelt.

Sie wollen nur negative Emotionen wecken und verstärken. Da inzwischen die Menschen verstanden haben, wie gefährlich Corona ist und wie notwendig die Schutzmaßnahmen sind, macht es für sie wenig sinn das weiter zu bestreiten. Also regen sie sich künstlich darüber auf, dass man bei sich in Krematorien stapelnden Särgen nicht mehr so von seinen Angehörigen Abschied nehmen kann, wie dies in normalen Zeiten wohl üblich wäre.

Mediator vor 12 Wochen

Entschuldigung, aber sie heucheln hier meiner Meinung nach Empörung. In ihren sonstigen Kommentaren zu Corona haben sie diesen Virus und die daraus folgenden Gefahren ja regelmäßig verharmlost und Zweifel an allem und jedem gesäht, der sich in offiziellem Amt dazu äußerte. Wie viele andere halten sie sich jetzt sehr bedeckt, weil eben massiv gestorben wird und wohl jeder inzwischen in seinem Umfeld betroffene Menschen kennt. Es bleibt ihnen also nur noch übrig sich über die Folgen dessen aufzuregen, was sie mit ihren Worten mit verschuldet haben.

Hier tritt niemand die Gefühle der Menschen mit Füßen, sondern man ergreift der Situation angemessene Maßnahmen. Wenn sie eine bessere Lösung haben, dann werden sie doch mal konkret. Meckern kann jeder!

Ansonsten gilt wohl eher, dass sie nur glauben was sie glauben wollen!

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