Weimar Kritik an Plänen für Radrennen an KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Die diesjährige "Deutschland-Tour" soll offenbar an der KZ-Gedenkstätte Buchenwald vorbeiführen. Gedenkstättenleitung und Zentralrat der Juden kritisieren die Planung. Der Veranstalter verteidigt die Streckenführung.

Die so genannte "Blutstraߟe" zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar
Kritik an Streckenführung: Das Radrennen Ende August soll unter anderem über die sogenannte Blutstraße bei Buchenwald führen. Bildrechte: dpa

Der Zentralrat der Juden und die KZ-Gedenkstätte Buchenwald haben den Streckenverlauf des internationalen Straßenradrennens "Deutschland Tour" scharf kritisiert. Wie die Bild-Zeitung berichtet, soll das Rennen Ende August unter anderem über die sogenannte Blutstraße bei Buchenwald führen.

Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner sagte, es reiche der gesunde Menschenverstand, dass das nicht der richtige Ort dafür sei. Das Event gehe vorbei an Massengräbern und Mahnmal. Die Gedenkstätte sei vorab nicht in die Planungen einbezogen oder darüber informiert worden.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sagte, die Verantwortlichen hätten bei der Planung jegliches Gespür für die Geschichte vermissen lassen. Eine Radtour dort entlangzuführen sei pietätlos. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) forderte am Mittwoch via Twitter eine Verlegung des Tourabschnitts am Ettersberg bei Weimar. Die "Blutstraße" sei kein Ort für eine Sportveranstaltung.

Schild "Blutstraße" neben einer unbefahrenen Straße 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 04.08.2021 19:00Uhr 02:11 min

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Tour-Veranstalter verteidigt Streckenführung

Der Tour-Veranstalter verteidigte laut Bild-Zeitung am Dienstagabend den Streckenverlauf. Dieser sei vor mehr als einem Jahr geplant und behördlich besprochen worden. Die Tour präsentiere die natürliche, kulturelle und historische Vielfalt der Republik. Dass die Strecke an der Gedenkstätte vorbeiführe, entspreche diesem Anspruch. Laut Thüringer Wirtschaftsministerium liegt die Streckenplanung beim Veranstalter. Das Ministerium bedauere, dass nicht früher direkte Gespräche geführt worden seien.

Das Radrennen soll vom 26. bis 29. August in mehreren Etappen von Stralsund nach Nürnberg gehen. Die zweite Etappe führt über Weimar. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald liegt auf dem Ettersberg bei Weimar. Dort ließ die SS ab 1937 ein Konzentrationslager errichten. Bis zur Befreiung 1945 waren im KZ Buchenwald und seinen 139 Außenlagern laut Gedenkstätte knapp 280.000 Menschen inhaftiert.

Insgesamt starben im Konzentrationslager Buchenwald mehr als 56.000 Menschen an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. Die "Blutstraße" ist die Zufahrtsstraße zum ehemaligen Lager. Häftlinge mussten die etwa fünf Kilometer lange Straße damals bauen. Sie nannten sie "Blutstraße".

Gedenkstätte und Veranstalter im Austausch

Wie die Gedenkstätte am Mittwoch über Twitter mitteilte, gibt es inzwischen "recht konstruktive Gespräche". Laut Gedenkstättensprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau könne es durchaus angemessene Formen der Auseinandersetzung mit der Geschichte von Buchenwald auch im Rahmen sportlicher Veranstaltungen geben. Dazu müssten jedoch vorher Gespräche geführt werden, die es im Vorfeld nicht gegeben habe.

Die Geschichte des Konzentrationslagers habe laut Lüttgenau auch Bezüge zum Radsport. In Buchenwald seien unter anderem belgische und französische Radprofis inhaftiert gewesen und zum Teil ums Leben gekommen. Die Gedenkstätte werde nun selbst recherchierte Beiträge zum Thema auf ihren Kanälen veröffentlichen. Mit dem Tour-Veranstalter sei vereinbart, diese dann auch auf dessen Kanälen weiterzuverbreiten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/EPD/fno,cfr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 04. August 2021 | 08:30 Uhr

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