Gedenkstätte Buchenwald Streckenänderung: "Deutschland-Tour" soll doch nicht über "Blutstraße" führen

Die Streckenführung der "Deutschland-Tour" durch Weimar soll geändert werden. Das teilten die Stadt Weimar und die Veranstalter am Donnerstag mit. Das Straßenradrennen werde nicht über die sogenannte "Blutstraße" entlang der KZ-Gedenkstätte Buchenwald führen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Blutstraߟe" neben einer Straße.
Die sogenannte "Blutstraße" wurde von KZ-Häftlingen in Zwangsarbeit erbaut. Bildrechte: dpa

Nach Kritik am Verlauf der "Deutschland-Tour" der internationalen Radprofis entlang der KZ-Gedenkstätte Buchenwald soll die Route bei Weimar angepasst werden. Der Veranstalter habe mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen und angekündigt, dass man an einer neuen Streckenführung arbeite, sagte eine Stadtsprecherin am Donnerstag. Wie diese aussehen soll, blieb zunächst offen. Das Straßenradrennen solle somit aber nicht mehr über die sogenannte "Blutstraße" entlang der KZ-Gedenkstätte Buchenwald führen.

Das bestätigten am Donnerstagnachmittag die Veranstalter der "Deutschland-Tour". Sie hätten sich ursprünglich bewusst dazu entschieden, die Strecke an der Gedenkstätte vorbeizuführen, unter dem Motto "Hingucken statt Weggucken".

Ein Sprecher teilte mit, die Veranstalter bedauerten, dass dieses Anliegen einen unbeabsichtigten Konflikt ausgelöst habe. Das Gespräch mit der Gedenkstätte Buchenwald hätte früher gesucht werden müssen. Die Veranstalter wollen die historischen Hintergründe der Gedenkstätte trotz neuer Wegführung der Tour unterstützen und verbreiten.

Ein Ort der historischen Reflexion

Zuvor hatte es von mehreren Seiten scharfe Kritik an der Planung der Route über das Gelände auf dem Ettersberg gegeben. "Buchenwald ist keine sportliche Herausforderung, sondern ein Ort des Gedenkens an die Opfer und der historischen Reflexion", sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner. Nach Gesprächen mit den Tour-Verantwortlichen war zunächst eine in der Gedenkstätte geplante Bergwertung gestrichen worden.

Stadt Weimar: Pietät soll gewahrt werden

Die Stadt selbst sei "nur peripher" an der Planung beteiligt und biete nur die Kulisse für die Tour, sagte die Stadtsprecherin. Man kümmere sich ausschließlich um Verkehrsumleitungen und Straßensperrungen. Trotzdem sei es auch der Stadt wichtig, dass die Pietät gewahrt werde. Bereits vor mehreren Monaten habe man daher den Veranstalter mit Blick auf die Planung gebeten, frühzeitig Kontakt zur Gedenkstätte aufzunehmen. Dass nun nach ersten Anpassungen die "Blutstraße", die laut Stadt als Teil des Gedenkstätten-Ensembles zu verstehen ist - komplett aus der Routenführung der zweiten Etappe der Tour genommen werde, begrüße und unterstütze man.

Auch Radprofis waren im KZ Buchenwald inhaftiert

Erst am Mittwoch hatte die Gedenkstätte über Twitter mitgeteilt, dass es inzwischen "recht konstruktive Gespräche" gebe. Laut Gedenkstättensprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau könne es durchaus angemessene Formen der Auseinandersetzung mit der Geschichte von Buchenwald auch im Rahmen sportlicher Veranstaltungen geben. Dazu müssten jedoch vorher Gespräche geführt werden, die es bis dahin nicht gegeben habe.

In Buchenwald seien unter anderem belgische und französische Radprofis inhaftiert gewesen und zum Teil ums Leben gekommen. Die Gedenkstätte werde nun selbst recherchierte Beiträge zum Thema auf ihren Kanälen veröffentlichen. Mit dem Tour-Veranstalter sei vereinbart, diese dann auch auf dessen Kanälen weiterzuverbreiten.

Kritik auch von SPD und Linke

Auch der Sprecher der SPD-Fraktion für Aufarbeitung, Thomas Hartung, hatte sich dafür ausgesprochen, die Route zu ändern. Hartung sagte, die "Blutstraße" zur Gedenkstätte Buchenwald sei kein beliebiger öffentlicher Straßenabschnitt. An einem Ort, an dem Opfer der NS-Diktatur leiden mussten, führe man kein Sportevent durch. Sowohl bei den Veranstaltern als auch bei Teilen des Regierungskabinetts vermisse er die nötige Sensibilität dafür, wie man mit Opfern der NS-Diktatur umgeht.

Linkenpolitikerin Katharina König-Preuss hatte ebenfalls eine Änderung der Route gefordert. Die Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion im Landtag sagte, eine alternative Strecke wäre das richtige Signal an Gedenkstätte, Zentralrat der Juden und Opferverbände, dass man Fehler in der bisherigen Planung eingestehe und berichtige. Innenminister Georg Maier (SPD) hatte sich bereits am Mittwoch für einen geänderten Streckenverlauf des Radrennens ausgesprochen.

Deutschland-Tour führt von Ostsee bis nach Franken

Der Veranstalter hatte den Streckenverlauf zuvor verteidigt: Die Strecke sei seit Langem geplant und behördlich besprochen und führe über öffentliche Straßen. Die "Deutschland-Tour" der Radprofis soll vom 26. bis 29. August von der Ostsee unter anderem über Thüringen nach Franken führen.

"Blutstraße" in NS-Zeit von KZ-Häftlingen erbaut

In das Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar hatten die Nazis zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen aus verschiedenen Ländern verschleppt. Etwa 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben an Folter, Hunger oder den Folgen von Zwangsarbeit. Die sogenannte "Blutstraße" ist eine von Häftlingen bis 1939 in Zwangsarbeit ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. August 2021 | 16:00 Uhr

14 Kommentare

Elsburg vor 7 Wochen

Kz-Gedenkstätte soll von möglichst vielen In~ +ausländischen Menschen besucht werden! Erinnerung an damalige,dort od.in anderen Kz Leidende sowie Ermordete! Ja,Mahnung incl. AUFFORDERUNG an jeden Besucher im Hin-Blick auf unser aller Zukunft stets verbessernd zu gestalten - damit niemals ähnliches nochmal geschieht +Jeder jeden Mensch friedvoll +achtsam mit Tolleranz begegnet +dessen Daseinsberechtigung auf unserem Planeten +seinem Aufenthaltsort friedlich im Umgang ~rechtstaatlich iVm Menschen(grund)rechten~ 'handhaben' durch Jedermann= Bürger, auch in Exekutive-Legislative-Judikative!

Je mehr Veranstaltungen dort entlang führen,um so mehr können's dort erfahren,was einst geschah: DAS IST WICHTIGSTE Aufgabe der Gedenkstätte(n): WACHhalten in aller Köpfe+Herzen! = geg.alle Verbrechen +Verbrecher=> Sinne schärfen!!

Tourablehnungen sind kurzsichtig +Bärendienst gegen 'Bildung mittels Erinnerungskultur' -faktisch Holocaustleugungen, Umgehungskultur etablierend - Pfui! Teufelswerk+geist!

Tschingis1 vor 7 Wochen

@Harka2
Hierzu möchte ich nur mit dem Text aus der Mitteilung: "Buchenwald ist keine sportliche Herausforderung, sondern ein Ort des Gedenkens an die Opfer und der historischen Reflexion", sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner." erwidern.

Graf von Henneberg vor 7 Wochen

Verehrter Kelte, (197x - da hätten wir uns ja da oben fast getroffen). Ja, die Ihrige Meinung ist vollkommen zutreffend. z.B. eine Bergetappe von Reichenhausen auf den Ellenbogen oder bis Frankenheim- da kocht das Wasser im A.....!

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