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Die 2G-Regel für die Gedenkstätte Buchenwald hatte eine Flut von Beschimpfungen und Hassmails ausgelöst - gegen die sich nun Weimarer Kultureinrichtungen wenden. Bildrechte: dpa

Gedenkstätte BuchenwaldCorona-Regeln in KZ-Gedenkstätte: Erklärung kritisiert NS-Vergleiche

von MDR THÜRINGEN

Stand: 25. Januar 2022, 16:05 Uhr

Die 2G-Regel für den Zutritt zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald hatte eine Flut von Beschimpfungen auch mit NS-Vergleichen und Holocaust-Relativierungen ausgelöst. Dagegen wenden sich nun Kultureinrichtungen in Weimar.

Nach Hassmails und -anrufen gegen die Gedenkstätte Buchenwald haben sich Hochschulen, Forschungs- und Kultureinrichtungen in der Stadt gegen Geschichtsrelativierung durch Gegner der Corona-Politik gewandt. Die Gleichsetzung von Corona-Maßnahmen mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust verharmlose diesen und verhöhne dessen Opfer, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten aktualisierten Variante der Weimarer Erklärung für ein demokratisches Miteinander.

"Angriff auf Demokratie und ihre Grundwerte"

Dies sei auch "der gezielte Versuch, Zwiespalt zu säen und die liberale Demokratie zu bekämpfen". Bei den Demonstrationen gegen die Corona-Politik gehe es längst nicht mehr nur um Kritik an einzelnen Infektionsschutzmaßnahmen, sondern auch darum, die demokratische Gesellschaftsordnung an sich und ihre Grundwerte zu delegitimieren, heißt es weiter.

Unterzeichner der "Weimarer Erklärung" vor dem Deutschen Nationaltheater Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Die große Mehrheit der Bevölkerung trage die Belastungen der Pandemie aber solidarisch. "Denn sie weiß: Nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme und gesellschaftlichem Miteinander kann es gelingen, sie zu überwinden."

Verbalattacken gegen Corona-Regeln der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

2G-Regeln für Zutritt zur Gedenkstätte Buchenwald lösten eine Flut von Beschimpfungen mit NS-Vergleichen aus. Bildrechte: dpa

Die Gedenkstätte Buchenwald hatte zuletzt eine Flut von Hassmails und Telefonanrufen mit wüsten Beschimpfungen gegen das Personal erhalten, wobei laut Erklärung die Corona-Schutzmaßnahmen mit dem NS-Völkermord an den Juden gleichgesetzt wurden. Anlass war die Beschränkung des Zugangs zu den Ausstellungen auf gegen Covid-19 Geimpfte und Genesene (2G-Regelung), zu dem die Gedenkstätte nach den Corona-Landesregeln verpflichtet ist.

Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören Spitzenvertreter der Klassik Stiftung Weimar, des Deutschen Nationaltheaters, der Bauhaus-Universität Weimar und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Unterstützt wird sie auch von Ministerpräsident Bodo Ramelow und Bildungsminister Helmut Holter (beide Linke). Es sei nicht hinnehmbar, "dass Demokratiefeinde die Gedenkstätte in Buchenwald attackieren und die Corona-Pandemie für ihre dunklen Ziele missbrauchen", sagte Ramelow. Die Gedenkstätte müsse gegen solche Angriffe geschützt werden, meinte Holter. Beide verwiesen darauf, dass diese ein wichtiger Ort demokratischer Bildungsarbeit sei.

In das Konzentrationslager Buchenwald hatten die Nazis rund 280.000 Menschen verschleppt, 56.000 Häftlinge wurden ermordet oder starben an Krankheiten, medizinischen Experimenten, Zwangsarbeit oder Hunger.

Quelle: dpa,epd,MDR(csr)

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Januar 2022 | 15:00 Uhr

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