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Silvia Wagner und Marion Koch – Mitglieder der Bürgerinitiative "proEttersberg" begutachten regelmäßig die Veränderungen im Wald. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Umweltaktivisten

Bürgerinitiative kämpft um den Wald auf dem Ettersberg

von Conny Mauroner

Stand: 07. Februar 2021, 15:45 Uhr

Wenn die Mitglieder der Bürgerinitiative "proEttersberg" die Motorsägen hören, läuten alle Alarmglocken. Sie wollen einen weiteren Holzeinschlag in dem Wald verhindern. Thüringenforst hingegen hat andere Pläne. Beide Seiten suchen das Gespräch, kommen aber nicht überein.

Der Wald - ein Ort der Erholung und Entspannung. Nicht für Jeden. Wenn Marion Koch und Silvia Wagner durch den Wald auf dem Ettersberg bei Weimar gehen, brodelt es in ihnen. Abgesägte Bäume, Mulch auf den Wegen, immer wieder so genannte Rückegassen und jetzt noch freigeschnittene Biotope. In ihren Augen wütet der Forst. "Ohne Augenmaß werden dort Bäume entnommen. Schwere Technik kommt zum Einsatz", sagen sie. Die Vorwürfe der Bürgerinitiative "proEttersberg" sind nicht neu.

Kampf um den Wald läuft seit Jahren

Schon 2017 schlagen die Mitglieder Alarm und starten eine Petition im Landtag. Sie fordern ein Ende der Bewirtschaftung im Naturschutzgebiet und ein sensibles Eingreifen auch im Rest des rund 1.400 Hektar großen Waldes. Thüringen Forst tritt in den Dialog. Es gibt zahlreiche Begehungen und Gespräche. Allerdings stellt auch der Leiter des Forstamtes Bad Berka Jan Klüßendorf fest: "Es prallen Welten aufeinander. Die Spaziergänger diskutieren auf der emotionalen Ebene und wir auf der sachlichen." Für ihn ist es nicht die Frage, ob bewirtschaftet wird, sondern vielmehr wie. Dennoch, man kommt sich näher.

Bürgerinitiative "proEttersberg" kämpft seit Jahren um den Wald

Marion Koch von der Bürgerinitiative erläutert eine der Lehrtafeln. Damit sollen auch die Wanderer sensibilisiert werden. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Der Wald am Ettersberg ist teilweise Naturschutzgebiet. Die Bürgerinitiative fordert dort ein Ende der Waldarbeiten. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Dieser markierte Baum wird fallen. Und er ist nur einer von vielen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Marion Koch und Silvia Wagner von der Bürgerinitiative begutachten den Holzeinschlag. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Diese Lurche leben in den Biotopen, die der Thüringen Forst mit Unterstützung der Natura 2000 Station pflegt. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Die Prinzenschneise auf dem Ettersberg. Hier sind die Wege vom Thüringenforst hergerichtet. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Bewirtschaftungskonzept liegt vor

2019 stellt Thüringenforst ein neues Bewirtschaftungskonzept vor. Der Wald soll sanfter behandelt werden. Bodenschonende Technologien sollen eingesetzt werden, heißt es. Auch Rückepferde sind nach wie vor eine Option. Thüringenforst verpflichtet sich, den Wald "nachhaltig und ganzheitlich" zu bewirtschaften. Der Forst möchte den Wald verjüngen, vor allem den Eichen mehr Raum zum Wachsen geben. "Dazu gehört es eben auch einmal, einen alten Baum zu entnehmen", so der Förster.

Für den Kammmolch sollen auch Bäume fallen

Auch die Pflege von Waldgewässern ist ein Thema. Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes Mittelthüringen e.V. und der Natura 2000-Station Mittelthüringen/Hohe Schrecke wollen einige Kleingewässer als dauerhaften Lebensraum für Amphibien wie etwa den Kammmolch entwickeln oder erhalten. Dafür mussten ebenfalls einzelne Bäume weichen, mit den Fällungen wurde Thüringenforst beauftragt. Vor allem Bäume in Gewässer-Nähe, die viel Schatten und Laub warfen wurden gefällt, vorrangig Weiden, Eschen und Pappeln.

Diese Schautafel zeigt die hier vertretenen Baumarten. Werden es bald weniger sein? Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

"Die stetige Ablagerung von Laub und anderem organischen Material führt über die Zeit zu einer Verringerung der offenen Wasserfläche und zur Bildung von Faulschlamm. Die notwendigen Entschlammungen sollen später folgen", heißt es von Antje Ehrle, Projektmitarbeiterin des Landschaftspflegeverbandes. Große Bäume können den Kleingewässern zusätzlich Wasser entziehen. "So ein Unsinn", sagt Silvia Wagner von der Bürgerinitiative. Durch weniger Bäume würde das Wasser in den Biotopen erst recht verdunsten.

Auch die Stadt Weimar will Bäume fällen lassen

Die Argumente werden hin- und hergeworfen. Ein Dialog findet aktuell nicht statt. Corona verhindert ein weiteres Treffen. Ärger hat die Bürgerinitiative aktuell auch mit der Stadt. Das Weimarer Grünflächenamt hat Fällungen am Waldrand zum Ortsteil Schöndorf in Auftrag gegeben. Rund 500 Bäume müssen entnommen werden. "Sie stellen eine Gefahr dar", sagt Dezernentin Claudia Kolb. "Die Trockenheit der letzten Jahre hat den Bäumen zugesetzt. Sie sind nicht mehr standhaft und drohen zu fallen. Zu groß ist die Gefahr, das etwas passiert. Kindergarten und Waldwege sind ganz in der Nähe."

Die Stadt argumentiert mit der Sicherheit. Aber auch das zweifelt die Bürgerinitiave an. In ihren Augen werden Bäume gefällt, die weit weg von Wegen und Straßen stehen. "Von denen geht gar keine Gefahr aus", sagt BI-Mitglied Marion Koch.

Bis zum Letzten werde ich für meine Bäume kämpfen. Ich werde die Laus im Pelz von Thüringenforst sein. Eine, die immer wieder piesackt.

Marion Koch

Marion Koch meint es ernst. Der Wald ist für sie eine Lebensgrundlage. Sie kann nicht verstehen, wie in Zeiten des Klimawandels damit umgegangen wird. Der Forst wiederum argumentiert auch wirtschaftlich.

Holz sei ein Rohstoff und der wiederum werde verkauft. "Wege instand zu halten, Bänke zu setzen, all das kostet Geld", sagt Forstamtsleiter Klüßendorf. "Irgendwie muss man das auch das bezahlen." Koch wiederum verweist auf Fördergelder, die Bund und Land für solche Fälle zur Verfügung stellen. Man merkt: es gibt Gesprächsbedarf auf sachlicher und emotionaler Ebene.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 07. Februar 2021 | 18:00 Uhr

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