Gegen den Trend Gastronomie: Gründen in Zeiten von Corona

Redakteurin Teresa Herlitzius in drei verschiedenen Aktionen.
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

2020 haben in Thüringen über ein Viertel weniger Gastronomen ein neues Gewerbe angemeldet als im Vorjahr. Damit sind Gründungen in der Branche in Zeiten von Corona gegen den Trend. Dass ein Neustart im Gaststättengewerbe auch während der Pandemie gelingen kann, zeigt ein Beispiel aus Weimar.

Henry Köhler am Eingang des Deutschen Bienenmuseums in Weimar
Gastronom Henry Köhler steht vorm Eingang des Deutschen Bienenmuseums in Weimar. Durch die Tür geht es auch in sein Café und Restaurant "Bienenstock". Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Henry Köhler aus Weimar wollte sich schon immer etwas Eigenes aufbauen. Zum Jahreswechsel dann ergab sich für ihn alles, "als ob es so sein sollte": Köhler hat sein Café und Restaurant "Bienenstock" im Deutschen Bienenmuseum eröffnet und damit den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Für ihn war es eine bewusste Bauchentscheidung, zu der viel Planung und Organisation gehört.

Sich selbstständig machen, braucht Mut - vor allem in Zeiten von Corona. Das zeigt auch die Statistik: Im vergangen Jahr ist die Zahl der Gründungen in der Gastronomie deutlich zurückgegangen. Laut Thüringer Landesamt für Statistik gab es 2020 in Thüringen 822 Anmeldungen in der Gastronomie. Das sind 300 oder über ein Viertel weniger Anmeldungen als noch 2019. Damit zeigt sich: Wer wie Henry Köhler während der Corona-Pandemie ein Café oder Restaurant eröffnet, handelt gegen den Trend.

Trotz Corona "Arbeit und Stress"

Köhler wirkt sehr entspannt, als er mit einem Kaffee im Außenbereich des Deutschen Bienenmuseums direkt an der plätschernden Ilm sitzt. Doch er und sein Team haben trotz Corona und Neustart "Arbeit und Stress" erzählt er. Er habe gut zu tun. "Vielleicht machen wir doch irgendetwas richtig", lacht Köhler und freut sich, dass sein Café so gut angenommen wird. Er selbst hat keine eigenen Vergleichswerte von vor Corona. Doch Köhler kennt die Umsätze seiner Vorgängerin, die bis zum Jahresende im Bienenmuseum das Café Immenhof betrieben hat. Im Vergleich dazu bemerkt er keinen großen Verlust.

Henry Köhler an der Ilm
Henry Köhler, Inhaber vom "Bienenstock" in Weimar: "Vielleicht machen wir doch irgendetwas richtig." Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Dass genug Arbeit da ist, zeigt sich auch beim Personal. Sein Team besteht aus einem festen Mitarbeiter und inzwischen sieben Minijobern, die im Wechsel eingesetzt werden, weil sie sich beispielsweise neben dem Abitur etwas dazuverdienen. Das Auswahlverfahren für einen weiteren festen Mitarbeiter läuft. Im Sommer wird er das Personal brauchen, sagt Köhler. Der Andrang ist schon jetzt da. Bei immer besserem Wetter wird er weiter steigen. Sein Anspruch ist es, die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten - gerade im Bereich der To-go-Gastronomie. "Sobald Kinder im Spiel sind, muss es fix gehen", weiß der erfahrene Gastronom.

Erfolgsrezept: Frühstückslieferung, Instagram und Nachhaltigkeit

Seinen Erfolg verdankt er vor allem seinen Frühstücks-Lieferungen, die inzwischen auch einige Nachahmer in Weimar finden: "Hätten wir die nicht, wäre es schlecht". Nur von Kaffee und Kuchen auf die Hand oder den Picknickkörben zum Mitnehmen bei schönem Wetter und am Wochenende könnte der "Bienenstock" nicht überleben. Als Gründer während der Pandemie hat Köhler keinen Anspruch auf Corona-Fördergelder, sagt er.

Die Weimarer haben uns durch den Lockdown getragen.

Henry Köhler, Inhaber vom "Bienenstock" in Weimar

Teil seines Erfolgs ist auch Instagram. Für sein Café ist das soziale Netzwerk eine große Werbeplattform, ohne die der "Bienenstock" nicht so laufen würde, wie es jetzt der Fall ist. Mit Nachhaltigkeit trifft der Gründer sicher zusätzlich einen Nerv der Zeit. Die Kiste und das Geschirr, mit denen das Frühstück geliefert wird, werden am Nachmittag wieder abgeholt. Der To go-Eisbecher besteht aus schnellnachwachsendem Bambus. Statt eines Plastiklöffels gibt es die Holzvariante dazu.

Köhler hat viel Mut, Kreativität und Fachwissen. Er hat nicht bewusst trotz oder wegen Corona sein Café eröffnet, sondern weil es das war, was er machen wollte, was sich für ihn richtig angefühlt hat. Vielleicht ist das das größte Geheimnis seines Erfolgs.

Bienenstock-Logo am Fenster
Das Logo des Cafés und Restaurants "Bienenstock" in Weimar an einem Fenster. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 20. Mai 2021 | 13:00 Uhr

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