Hoteleröffnung Schillerhof in Weimar: Vom "Schandfleck" zur Innenstadt-Perle

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In 25 Jahren von Weimars "Schandfleck" zum nagelneuen Hotel: In den Osterferien öffnet schrittweise der Schillerhof in der ehemaligen Schillerstraße 13/15. Aber bis dahin war es ein langer Weg.

Blick vom Theaterplatz Weimar durch die Schützengasse auf das neu errichtete Hotel Schillerhof
Der Blick vom Theaterplatz Weimar durch die Schützengasse auf das neu errichtete Hotel Schillerhof. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Es war der wohl größte Schandfleck in Weimars Innenstadt. Ein Vierteljahrhundert passierte nichts in der Schillerstraße 13/15. Der große Gebäudekomplex zwischen Schillerstraße und Schützengasse stand leer, verfiel zunehmend und wurde zum Ärgernis.

Diese scheinbar unendliche Geschichte hat nun ein Ende. Im Laufe der Osterferien soll das Hotel nach und nach öffnen. Ein "Soft-Opening" sei geplant, sagte Hotel-Managerin Teresa Baier. Heißt: Das Hotel wird nicht ausgebucht sein, bevor sich die Abläufe für alle Beschäftigten eingespielt haben. Im Mai soll es dann richtig losgehen.

Das neu errichtete Hotel Schillerhof in der Innenstadt von Weimar
Das neu errichtete Hotel Schillerhof liegt mitten in der Innenstadt von Weimar. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Früher "Thüringische Buchhandlung"

Fast 25 Jahre hat es gedauert, bis aus dem Komplex eine Perle geworden ist. Mehrere Oberbürgermeister haben sich mit dem Objekt herumgeschlagen. Viele Weimarer kennen die einstige Thüringische Buchhandlung noch aus ihren Kindertagen. Dort wurden Kalender bestellt und Schulbücher gekauft. Am anderen Ende des Gebäudes gab es die für viele "beste Eiscreme der Stadt". Doch das war Ende der 1990er-Jahre. Nach und nach verabschiedeten sich die Mieter vom Objekt und zogen aus.

Das Haus stand daraufhin leer und der private Eigentümer kümmerte sich nicht mehr darum. 1998 hatte der Besitzer verkündet, zumindest die Fassade sanieren zu lassen. Doch nichts geschah. Der damalige Oberbürgermeister Volkhardt Germer war einer der Ersten, der von einem "Schandfleck" sprach. Das war im Jahr 2000. Auch die Weimarer ärgerte der Zustand des Hauses.

Kaufhauspläne liefen ins Leere

Aber sie hegten Hoffnung - spätestens im Jahr 2004. Damals hatte die Stadtverwaltung sogar eine Baugenehmigung für ein Textilkaufhaus mit Wohnungen im Dachgeschoss erteilt. Ein namhaftes Unternehmen interessierte sich für den Standort. Doch auch daraus wurde nichts. Die Idee zerschlug sich.

Erneut griff die Stadtspitze ein, nun unter Oberbürgermeister Stefan Wolf. Auch er verhandelte intensiv, doch wieder tat sich nichts. Auflagen der Stadt, das Gebäude zu sanieren, wurden nicht erfüllt. Das Rathaus ließ ein Schild vor dem Haus anbringen, auf dem die Stadt Weimar erklärte, nicht für diese Immobilie verantwortlich zu sein. Man distanzierte sich, der Stadtverwaltung war dieser "Schandfleck" peinlich.

Stiftung Denkmalschutz hatte sich für Gebäude eingesetzt

Eine denkmalschutzrechtliche Verfügung ließ der Eigentümer verstreichen - und das, obwohl das Gebäude inzwischen zu den "Gefährdeten Denkmalen" der Stadt Weimar zählte. Das Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hatte zum Denkmaltag eigens auf das Haus aufmerksam gemacht - wieder einmal ohne Erfolg.

2008 dann ein neuer Schritt: Der Eigentümer wechselte. Die Hamburger B&L Real Estate GmbH nahm sich der Immobilie an und sichere das Gebäude erst einmal. Saniert hat sie das Unternehmen jedoch nicht. Aber immerhin kam Bewegung in die Sache. Auch wenn jahrelang gerungen wurde, kamen immer wieder Pläne auf den Tisch.

Teile einer denkmalgeschützten Fassade in der Schillerstraße in Weimar sind von Stahlträgern gesichert
Der Zustand der Immobilie Schillerstraße 13/15 in Weimar im Jahr 2019. Bildrechte: dpa

Hotelpläne seit 2018 spruchreif

Zuletzt war es die Idee von einem Hotel, die sich standhaft hielt. Die Denkmalpflege gab 2018 grünes Licht. Trotzdem herrschte jahrelang Uneinigkeit und wieder dauerte es, bis Pläne konkret wurden und der Investor zu großen Schritten bereit war.

2019 dann endlich der Baubeginn. Die Baustelle war spektakulär: Ein hohler Vogel, vor dem nur die denkmalgeschützte Fassade stand. Sanierung samt Neubau waren aufwendig und Aufsehen erregend. Inzwischen sind die Bauzäune gefallen und viele bleiben staunend vor der Schillerstraße 13/15 stehen.

Entstanden ist ein Hotel - mit 102 Zimmern und im Erdgeschoss 300 Quadratmetern Ladenfläche, die bereits vermietet sind. Das Haus entschädigt für 25 Jahre Schandfleck - zumindest ein bisschen, denn ganz vergessen werden die Weimarer die Geschichte dieses Gebäudes wohl nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. April 2022 | 10:30 Uhr

4 Kommentare

Harka2 vor 43 Wochen

Wenn man ehrlich zu sich ist, dann weiss man, dass vom alten Gebäudekomplex nur ein paar Quadratmeter Fassade übernommen wurde. Letztlich war es der Denkmalschutz, der über Jahrzehnte verhinderte, dass da endlich was passierte. Gegenüber steht ein kompletter Neubau, der sich dennoch harmonisch ins Stadtbild einfügt. Warum hat man so lange vergeblich versucht, die alte Ruine zu erhalten? Das neue Gebäude fügt sich gleichfalls harmonisch in Stadtbild ein und nimmt die Formensprache der abgerissenen Gebäude auf. Das hätte man schon Jahre früher haben können.

Aber Weimar tut sich schwer mit neuem. Letztlich wurde auch das Bauhhaus dereinst nach nur zwei Jahren aus der Stadt vertrieben - und heute schmückt man sich mit ihm.

Der Bezug zu Schiller ist reines PR. Goethe selbst hat dereinst dafür gesorgt, dass Schiller nur kurz in Weimar verweilte. Freunde waren die nie wirklich, Goethe respektierte nur das größere Talent des von ihm nach Jena ausgelagerten Schillers.

Burgfalke vor 43 Wochen

Das "Schandflek" in der Innenstadt ist endlich weg. Bleibt nur zu hoffen, daß dieses Hotel und das Umfeld eine gute Zukunft hat. Hoffentlich kommen die Gäste nicht mit ihren eigenen Fahrzeugen oder gibt es doch eine eigene Parkgarage!?

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 43 Wochen

Grauenhaft.
Wunderschön.

…nur zwei extrem gegensätzliche Meinung, die ich gestern Abend während der WAGNER — Gala im dnt über diesen Bau hören mußte , von zwei alten „Tratsch-
Weibern“, die ihr Bonbon-Papier - laut knisternd - in den leisen Stellen der Revue
laut zu Gehör bringen mußte ….

🤨 😖 🤔

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