Corona-Pandemie Lockdown-Folgen bei Kindern: Wie die Weimarer Kinderklinik hilft

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Offene Kneipen und Shoppen in den Innenstädten. Nahezu jeder freut sich über die Lockerungen nach den Lockdowns. Da scheint es fast in Vergessenheit zu geraten, was die vergangenen Monate angerichtet haben, nicht nur bei Erwachsenen. Unter den Einschränkungen haben vor allem Kinder und Jugendliche gelitten. In der Weimarer Kinderklinik wird ihnen geholfen.

Ein Mädchen sitzt vor einem Laptop
Für viele Kinder und Jugendliche waren die Corona-Lockdowns zu Hause belastend. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Cavan Images

Während Gastronomen und Kulturschaffende laut und trommelnd auf ihre Situation im Lockdown aufmerksam gemacht haben, sind sie immer leiser geworden: Seit fast zwei Monaten sind Lina und Laura nun schon hier, kennen den Alltag in der "Station 3" der Weimarer Kinderklinik. Die Klinik ist spezialisiert auf Psychosomatik und Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen.

Ihre Mitarbeiter haben mehr zu tun denn je, stellt auch Psychologin Yvonne Hofmann fest: "Es ist eine deutliche Veränderung gewesen. Viele aggressive oder auch depressive Kinder sind gekommen, gerade in der letzten Zeit." Auffällig ist dabei auch die Altersstruktur der Kinder. "Inzwischen sind auch viele Jüngere dabei", sagt Hofmann. Die Klinik hat ihr Angebot für die Null- bis Fünfjährigen ausgebaut. "Auch dort gibt es viel Bedarf an Hilfe."

Auch Laura und Lina haben Hilfe in Weimar gesucht und gefunden. "Es ging nicht mehr. Ich wollte es loshaben." Mit "es" meint Laura ihre Krankheit. Laura hatte fast aufgehört zu essen. Ist immer weniger, immer unsichtbarer geworden. Lina ging es nicht anders. Beide Mädchen kannten sich vorher nicht. Beide haben gleich auf den Lockdown reagiert, haben ihre Erfüllung im Sport gefunden. "Anfangs habe ich es aus Spaß gemacht. Es hat mich abgelenkt und fit gemacht. Doch dann wurde es zum Drang."

Es ging nicht mehr. Ich wollte es loshaben.

Laura

Aus dem Drang wurde eine regelrechte Sucht. Bis tief in die Nacht hinein hat Laura trainiert. Natürlich haben auch die Eltern die Veränderung ihrer Mädchen mitbekommen. "Ich hab sie angelogen, hab ihnen gesagt, es geht mir gut", erzählt Lina. Doch da war es schon zu spät.

Strudel aus Traurigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung

Auch Lina war im Strudel aus Traurigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung gefangen. Auch sie hat viel geweint, hat sich, wie Laura, sehr viel Druck in Schul-Dingen gemacht. Verzweifelt saß Lauras Mutter stundenlang an ihrem Bett, bis das Mädchen eingeschlafen war. Doch die Mama musste selbst auf Arbeit. Dort kannte der Chef schließlich auch kein Pardon.

Die Eltern quälten die eigenen Sorgen. "Für eine Mutter ganz furchtbar", sagt Gina, deren Sohn ebenfalls in der Kinderklinik behandelt wird. "Ich kam nicht mehr an ihn ran. Er hat nicht mit mir geredet, nur noch gezockt. Aus Angst, sich mit Corona anzustecken, hat er niemandem mehr die Tür aufgemacht." Mehrfach war der Junge in Quarantäne. "Das hat etwas mit ihm gemacht", sagt Gina. Er habe große Ängste.

Ein Raum mit Sportgeräten
Sport gibt es auch in der Weimarer Kinderklinik, aber nur in Maßen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Experten-Team versucht, Ängste abzubauen

Ein ganzes Team aus Experten versucht, diese Ängste nun abzubauen. Der Junge, wie auch Laura und Lina, sind in der Weimarer Kinderklinik sehr beschäftigt. Ergotherapie, Physiotherapie, Musiktherapie, Basteln im Kreativraum und natürlich viele, viele Gespräche in der Psychotherapie.

Schülerin und Mutter vor einem Laptop 8 min
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Exakt Mi 13.01.2021 20:15Uhr 07:56 min

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Video

Die Kinder und Jugendlichen arbeiten auf, was sie erlebt und durchlebt haben. Ihr Tag hat wieder eine Struktur und nachts wird geschlafen. Sport ist für die Mädchen erst einmal nur in geringem Maße erlaubt. Ihr Weg ist noch lang. "Mindestens noch zwei Monate Klinik", schätzt Lina. Doch diese Zeit gibt sie sich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. Juni 2021 | 18:22 Uhr

4 Kommentare

Moewe1 vor 11 Wochen

Es gilt zu verhindern, dass nach der Bundestagswahl so weiter gemacht wird, ohne die Maßnahmen zu hinterfragen. Herr Spahn macht die Kinder und Jugendlichen auch in der vierten Welle zu Verlierern

MDR-Team vor 11 Wochen

Wir wissen, dass das Thema sehr viele Familien betrifft und bewegt. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir uns zum Schutz der Privatsphäre der im Artikel befragten Kinder nicht zum Alter äußern wollen.
Wir freuen uns über den Austausch.

Sozialberuflerin vor 11 Wochen

Hallo MDR
Weiß man, wie alt Laura, Lina und der Junge sind?

Anhand der wörtlichen Rede, die im Artikel wiedergegeben wird, würde ich die Mädchen auf mind. 10 Jahre schätzen

Mein Sohn ist 8 Jahre, genesen (beinah Symptomlos aber mit sehr hohen Antikörperwerte) und eben genauso ein Opfer der Pandemie, wie alle anderen Kinder.

Er hat es "gut" verkraftet, wenn auch eine gewisse Lethargie zu bekämpfen ist bei ihm.

Es ist macht mich wütend, wenn ich lese "Der Chef kannte kein Pardon"
Nun weiß man natürlich nicht, was die Mutter beruflich macht.
Aber viele Kinder hätten es "einfacher" gehabt, wenn Betriebe auf Eltern wesentlich familienfreundlicher reagiert hätten.

Es gab eben solche und solche...


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