KZ-Gedenkstätte Buchenwald: Gedenksteine für ermordete Kinder und Jugendliche eingeweiht

Wenige Tage nach der Schändung von Erinnerungsbäumen an der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar haben etwa 60 Menschen am Sonntag ein Zeichen gegen solche Taten gesetzt: Sie nahmen an einem Gedenkmarsch vom Weimarer Hauptbahnhof zur Gedenkstätte teil. Ziel war ein neu geschaffener Gedenkort für Opfer des Holocaust.

Mit einem Gedenkmarsch sind am Sonntag 111 Gedenksteine für jüdische Kinder und Jugendliche eingeweiht worden, die im Oktober 1944 aus dem NS-Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar zur Ermordung ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden waren. Die Gedenksteine wurden entlang der früheren Buchenwaldbahn verlegt.

Über diese Gleisstrecke wurden nach Angaben der KZ-Gedenkstätte Buchenwald etwa 100.000 Häftlinge ins KZ Buchenwald und dessen Außenlager gebracht. Außerdem starteten am Bahnhof Buchenwald Vernichtungstransporte mit Kindern und kranken Häftlingen nach Auschwitz.

Bodo Ramelow unter der Teilnehmern

Auftakt für das Gedenken war ein Marsch vom Hauptbahnhof Weimar über Schöndorf und das Waldgebiet Prinzenschneise zum Ettersberg, an dem etwa 60 Menschen teilnahmen. Unter ihnen war Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke). Die Teilnehmer machten unter anderem Halt an der Stelle, an der vor einigen Tagen mehrere Erinnerungsbäume für KZ-Opfer von bislang unbekannten Tätern abgesägt worden waren.

Menschen lauschen am Hauptbahnhof Weimar einem Konzert von Musikern.
Auftakt für den Marsch war ein Konzert von Musikern des Yiddish Summer-Festivals am Weimarer Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Die Tat hatte bundesweit für große Empörung gesorgt. Der Angriff auf die Erinnerungsbäume offenbare für ihn die gleiche geistige Haltung wie die der Täter in der NS-Zeit, sagte Ramelow. "Nicht nur jener, die Taten gegen Menschen begingen, sondern auch die, die die Räder in Gang hielten." Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Geschichte entsorgt werde.

Steine erinnern an 111 Minderjährige

Die Gedenksteine an der Bahnlinie erinnern an 111 Minderjährige, die im Oktober 1944 mit einem Transport von insgesamt 1.188 kranken und körperlich schwachen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Buchenwald nach Auschwitz deportiert wurden. Die Steine waren in freiwilliger Arbeit gestaltet worden. Insgesamt hatte die SS damals mehr als 2.000 Juden zur Vernichtung nach Auschwitz geschickt. Die Gedenkstätte plant, für jedes deportierte Kind und für jeden deportierten Jugendlichen einen solchen Stein zu platzieren.

Gedenkmarsch für ermordete Minderjährige zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar
Der Gedenkmarsch führte von Weimar über Schöndorf zum Ettersberg. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Die Steine mit den Namen von NS-Opfern seien ein lebendiger, wachsender Gedenkort, sagte Ramelow. Ihn freuten die Initiativen, das Projekt fortzusetzen.

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MDR (dr)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 31. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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