Musikprojekt Jugendorchesterschule Weimar-Apolda verdient Geld durchs Üben

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule "Johann Nepomuk Hummel" Weimar hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht, um seine Mitglieder trotz Corona-Einschränkungen bei der Stange zu halten. Eine Übe-Challange für ein Konzert im Juli. Jede geübte Stunde bringt einen Euro, um die Kosten für den Livestream zu begleichen.

drei Jugendliche spielen in einem Park auf ihren Instrumenten
Mia, Emily und Jonathan proben im Pavillon im Weimarhallenpark. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Seit einem halben Jahr haben Emily, Mia und Jonathan nicht zusammen gespielt. Jetzt dürfen sie sich endlich wieder zum Üben im Park treffen. Die drei gehören zum Jugendorchester, und sie sind wirklich stolz darauf. Lange waren die Musikschulen geschlossen, lange musste jeder für sich alleine zu Hause üben. Von Woche zu Woche war es schwieriger, sich dazu zu motivieren. Der Orchesterrat hat deshalb ein spannendes Projekt entwickelt, um diese Zeit für alle etwas einfacher zu machen.

Konzert für Juli geplant

Ausgangspunkt war, dass auch das beliebte Sommerkonzert des Orchesters im Weimarhallenpark ausfallen sollte. Das wollten die jungen Musikerinnen und Musiker nicht hinnehmen, und so plante man ein Livestreamkonzert im Juli. Dieses Konzert soll online übertragen werden. Ein Fünkchen Hoffnung bleibt, dass vielleicht sogar ein paar Zuschauer dabei sein können.

Es ist einfach super mit Publikum, wie ein Adrenalinrausch, der durch einen durchzieht.

Cellistin Mia Thäsler

Mia Thäsler spielt Cello und sagt: "Ich bin da optimistisch. Es ist einfach super mit Publikum, wie ein Adrenalinrausch, der durch einen durchzieht." Und die Weimarer sind bei diesem Projekt auch nicht allein. Mehrere Ensemles beteiligen sich, mehr als 100 junge Musiker spielen in der "Jugendorchesterschule Weimar-Apolda".

Programm steht bereits

Gespielt werden Stücke aus "Fluch der Karibik", "Pink Panther" oder "Westside-Story", seit Monaten arbeiten die Jugendlichen schon am Programm und den Vorbereitungen. Jeder hat andere Aufgaben übernommen. Jonathan Frenkel beispielsweise hat ein Internet-Portal entwickelt, auf dem die Übe-Challenge stattfindet.

Jeder kann dort die Stunden, die er oder sie geübt hat, eintragen. Die Gesamtzeit wird gezählt, außerdem gibt es eine "Rangliste". Ziel ist es, dass alle gemeinsam bis zum Konzert insgesamt 2.500 Stunden üben. Für jede geübte Stunde gibt es von den Sponsoren des Projekts einen Euro. Emily Henschel erklärt: "Wenn 50 Schüler 50 Stunden üben, kommen wir auf unsere 2.500 Stunden. Den Beteilgten zeigt das, wie wichtig uns das Projekt ist und außerdem motiviert es uns ganz schön. Man will ja nicht am Ende der Liste rumhängen".

Den Beteilgten zeigt das, wie wichtig uns das Projekt ist und außerdem motiviert es uns ganz schön. Man will ja nicht am Ende der Liste rumhängen.

Emily Henschel, spielt Bratsche

Ersatz für reale Orchesterproben gesucht

Motivation ist auch nötig, denn nach Monaten ohne gemeinsames Proben sehnen sich die jungen Künstler danach, sich wieder zu treffen. Zwar unterstützt die Musikschule sie mit allem, was möglich ist, persönliches Miteinander kann aber durch nichts ersetzt werden.

Musikunterricht unter freiem Himmel

screenshot eines gemeinsamen Übens am Computer
So sah das gemeinsame Üben in den letzten Monaten aus: Jeder saß an seinem Rechner. Bildrechte: MDR/Emily Henschel
screenshot eines gemeinsamen Übens am Computer
So sah das gemeinsame Üben in den letzten Monaten aus: Jeder saß an seinem Rechner. Bildrechte: MDR/Emily Henschel
Junge Frau
Mia Thäsler freut sich sehr, dass sie jetzt endlich wieder real zusammen spielen können. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Junge Frau mit Brille
Emily Henschel hofft, dass das Konzert im Juli stattfinden kann. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Drei Jugendliche
Mia, Emily und Jonathan arbeiten sehr aktiv an den Vorbereitungen mit. (v.l.n.r.) Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Notenblatt
"Fluch der Karibik" wollten sie im Park zusammen spielen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Junge packt Geige in Geigenkasten
Ihre Instrumente hatten sie mit in den Park gebracht, dazu Notenständer und natürlich die Noten. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Eine Geige wird gespielt
Am Anfang harmonierte es nicht so richtig... Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein Mann
... aber als Orchesterleiter Erik Sieglerschmidt vorbeikam, lief es dann. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Jugendliche spielt Instrument
Emily spielt ihre Bratsche seit der ersten Klasse. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Jugendlicher spielt Instrument
Jonathan wird in wenigen Wochen sein Abitur ablegen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
drei Jugendliche spielen in einem Park auf ihren Instrumenten
Sie sind übrigens ziemlich stolz darauf, im Jugendorchester mitzuspielen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Dirigent
Im Hintergrund blieben immer mehr Menschen stehen, um zuzuhören. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
drei Jugendliche spielen in einem Park auf ihren Instrumenten
Kurz vor dem Konzert wird es noch eine intensive Proben-Woche geben, wenn möglich. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Instrument
Das Cello ist für Mia der perfekte Ausgleich. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Jugendliche spielt Instrument
Die Bratsche ist gut für Leute, die nicht so gern im Vordergrund stehen, sagt Emily. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Orchesterleiter Erik Sieglerschmidt hat seine Schülerinnen und Schüler zumindest in Zoom-Meetings gesehen, hat Möglichkeiten gefunden, wie jeder an seinem Computer mit allen anderen gemeinsam sein Instrument spielen kann. Aktuell ist in Weimar zumindest wieder Einzelunterricht in Präsenz möglich. Ob aber die gemeinsame Probewoche vor dem Konzert oder auch das Konzert selbst stattfinden können, ist noch nicht sicher. "Das müssen wir jetzt aushalten. Aber wir planen und wir proben so, als ob wir das Konzert spielen können", sagt er.

Wir planen und wir proben so, als ob wir das Konzert spielen können

Orchesterleiter Erik Sieglerschmidt

Ein Mann
Orchesterleiter Erik Sieglerschmidt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Musik ist Ausgleich und Hilfe

Unabhängig von dem Konzert im Juli hilft die Musik den Jugendlichen aber auch in der Pandemie. Zumal ja auch die Schule derzeit für sie alles andere als entspannt ist. Mia Thäsler erzählt: "Das Musizieren, das Cello-Spielen ist ein Ausgleich. Schule ist momentan stressig und anstrengend und manchmal sehr nervig. Da ist es schön, wenn man etwas hat, das einem vertraut ist, mit dem man sich wohlfühlt".

Der Spitzenreiter auf der Rangliste hat übrigens allein schon mehr als 6.500 Minuten geübt. Mia, Emily und Jonathan wollen bis Juli auf jeden Fall noch ein paar Plätze nach oben rutschen. Das gemeinsame Spielen am Nachmittag hat ihnen richtig Spaß gemacht und ihren Ehrgeiz angestachelt.

Instrument 2 min
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 21.05.2021 17:42Uhr 02:08 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Marlene | 23. Mai 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Frau K. vor 17 Wochen

Tolle Sache!! Ich freu mich, wenn Kultur wieder möglich wird.

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