1.000 Buchen Nach Vandalismus bei Buchenwald: Neue Erinnerungsbäume gepflanzt

02. September 2022, 16:30 Uhr

In Weimar wächst das Gedenkprojekt "1.000 Buchen". Am Freitag haben Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) zwei neue Erinnerungsbäume gepflanzt. Sie wollen damit ein Zeichen gegen die wiederholte Zerstörung von Gedenkbäumen setzen.

Bäume erinnern an NS-Opfer

Erst im Juli hatten Unbekannte bei drei Anschlägen insgesamt 13 Gedenkbäume beschädigt. Sie waren unter anderem getöteten Kindern von Buchenwald sowie sechs namentlich genannten Häftlingen gewidmet. Die Angriffe lösten eine Welle der Empörung, aber auch der Solidarität und Hilfsbereitschaft aus.

Das inklusive Gedenkprojekt, bei dem in den nächsten Jahren insgesamt 1.000 Bäume gepflanzt werden sollen, wurde im Kulturstadtjahr 1999 vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda ins Leben gerufen. Es soll unter anderem an die Todesmärsche der KZ-Häftlinge Buchenwalds erinnern. Nach Angaben der Initiatoren wurden seit Beginn des Projekts in 72 Pflanzaktionen insgesamt 168 Bäume gepflanzt. Mit der 73. Baumpflanzung von Ramelow und Roth ist das Projekt nun um zwei Buchen reicher.

Politiker rufen zu Wachsamkeit auf

"168 Bäume sind gepflanzt und es werden mehr und mehr werden, bis die 1000 Bäume erreicht sind", sagte Roth. Diejenigen, die Bäume zerstörten, blieben im Zweifel nicht in der Dunkelheit, so Ramelow. "Deswegen wird es auch nicht ausreichen, wenn wir zusagen, wir werden auf jeden geschändeten Baum zwei neue pflanzen. Sondern wir müssen laut darüber reden, was das in unserer Gesellschaft ausmacht, wenn man wegguckt", sagte Ramelow. Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) sagte, er hoffe, dass die Zivilgesellschaft aufmerksam bleibe und zum Hörer greife und melde, wenn es zu solchen oder ähnlichen Taten komme.

Zehntausende im KZ getötet

Die Gedenkstätte Buchenwald erinnert an die etwa 56.000 Menschen, die dort in der NS-Zeit getötet wurden. Insgesamt kamen mehr als 76.000 Männer, Frauen und Kinder in den Lagern Buchenwald und Mittelbau-Dora, das ebenfalls in Thüringen liegt, durch die Nationalsozialisten zu Tode. Mehr als 340.000 Menschen aus ganz Europa wurden in die Lager und ihre Außenlager verschleppt. Am 11. April 1945 wurde das bei Weimar gelegene Lager von US-Truppen befreit.

MDR (cfr/maf) / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 02. September 2022 | 15:30 Uhr

29 Kommentare

Frau K. am 03.09.2022

@Fakt
danke fürs Deutlichmachen meiner Aussage
@aufdemberg
Meine Nachfrage an männlein war als Aufschrei der Empörung gemeint. Danke fürs zurücknehmen :)

Eulenspiegel am 03.09.2022

Also ich halte diese Neupflanzung der Erinnerungsbäume für eine unverzichtbare Mahnung.
1. An die braunen Betonklötze, denen ja sowieso jede Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis ein Dorn im Auge ist. Diese Erinnerung könnt ihr nicht auslöschen.
2. Als Mahnung in die Zukunft denn es wird immer wieder Leute geben die solche Gräueltaten als Heldentaten verkaufen wollen. Dazu müssen die Erinnerungen daran erst ein mal ausgelöscht werden.

martin am 03.09.2022

@fakt: Die mögliche Nutzlosigkeit hängt meiner Meinung nach von der Perspektive ab.

Aus der Perspektive einer Propaganda-Kampagne gegen "die da oben" oder gegen "Ramelow" oder gegen "Roth" oder gegen was auch immer, gilt leider weiterhin die Wahrheit, wenn viel mit Sch**** [@MDR: natürlich meine ICH nur "Schmutz", der Rest liegt in der Interpretation des Betrachters :-) ] wirft, kann die Hoffnung haben, dass was hängen bleibt ....

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