Vorwurf der Kindeswohlgefährdung Mit Baby im Stadtrat Weimar: Grünen-Landeschefin Bohm angezeigt

Die Co-Chefin der Thüringer Grünen, Ann-Sophie Bohm, ist nach eigenen Angaben anonym angezeigt worden, weil sie ihr Baby mit in den Stadtrat in Weimar genommen hat. Ihr wird Kindeswohlgefährdung vorgeworfen.

Ann-Sophie Bohm
Ann-Sophie Bohm ist seit Januar 2020 Landessprecherin der Grünen in Thüringen. Bildrechte: dpa

Die Thüringer Landessprecherin der Grünen, Ann-Sophie Bohm, und ihr Ehemann wehren sich gegen eine anonyme Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung. Es geht um ihr sechs Monate altes Baby. Die jungen Eltern, die beide Stadträte in Weimar sind, hatten den Säugling zur Stadtratssitzung am 16. Juni mitgenommen. Das missfiel offenbar einem oder einer Unbekannten, der oder die per Livestream das Geschehen verfolgte.

Gespräch mit dem Jugendamt fand bereits statt

In der Anzeige wird den Eltern vorgeworfen, das Baby sei bis 22 Uhr im Stadtrat gewesen, das sei einem so kleinen Kind nicht zuzumuten. Bohm widersprach. Sie sagte MDR THÜRINGEN, der öffentliche Teil sei um 21:30 Uhr zu Ende gewesen und damit auch die Live-Übertragung, außerdem habe ihr Mann mit dem Kind die Sitzung schon gegen 20:30 Uhr verlassen. Nach Aussagen der Grünen-Politikerin gab es bereits ein Gespräch mit dem Jugendamt. Laut Bohm konnten die Vorwürfe weitgehend entkräftet werden.

Man versucht offenbar, Menschen mit kleinen Kindern aus der Politik zu drängen. Die Politik braucht aber genau diese Menschen.

Ann-Sophie Bohm, Landessprecherin der Thüringer Grünen

Ann-Sophie Bohm, die seit Januar 2020 Landessprecherin von Bündnis90/Die Grünen in Thüringen ist, sagte, sie wünsche sich einen familienfreundlicheren Politikbetrieb. Sitzungen könnten zum Beispiel früher angesetzt werden. "Man versucht offenbar, Menschen mit kleinen Kindern aus der Politik zu drängen. Die Politik braucht aber genau diese Menschen", so Bohm.

Reaktionen aus der Landespolitik bei Twitter

Staatskanzleiminister Benjamin Hoff (Linke), selbst mehrfacher Vater, nannte die Anzeige "unterirdisch" und "feige". Die Vereinbarkeit von Politik und Kinderbetreuung sei schwer genug, schrieb er bei Twitter. Der AfD-Landtagsabgeordnete Ringo Mühlmann twitterte, er sehe das Problem auch nicht. Die Anzeige scheine ihm ziemlich übertrieben und daneben.

Der Fall weist Parallelen auf zu einem Vorfall im Thüringer Landtag im August 2018 auf. Damals war die Grünen-Abgeordnete Madeleine Henfling mit ihrem sechs Wochen alten Baby im Plenarsaal erschienen. Der damalige Landtagspräsident Christian Carius warf Mutter und Säugling aus dem Saal. Zwei Jahre später entschied der Landesverfassungsgerichtshof: Abgeordnete im Thüringer Landtag dürfen seitdem ihre kleinen Kinder zu Sitzungen mitbringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

273 Kommentare

Sozialberuflerin vor 8 Wochen

Ich kenne diese Krippen und Kitas nicht nur, ich arbeite sogar dort!!!

Goggeln sie doch mal Krippen in
z. B. Erfurt und schauen sie, wie viele davon ab 8 Wochen (2 Monaten) aufnehmen
Sie werden staunen!!!

Verweigerung der Betreuung im Krankheitsfall 😂....
Woher nehmen Sie denn bitte das?

Ihre Ahnung basiert leider auf Wunschdenken


astrodon vor 8 Wochen

@Fakt: Offenbar ja nicht, erst das Kind mitbringen und dann noch vor Sitzungsende wieder gehen ... Stadträte sind sie doch nicht zum Spass geworden, sondern sie haben einen Auftrag durch den Wähler bekommen - der dann im übertragenen Sinne als ihr Arbeitgeber angesehen werden könnte. Stadtratsarbeit wird ausserdem nicht nur in solchen Sitzungen geleistet.

rene bertram vor 8 Wochen

Das spielt genau genommen überhaupt keine Rolle ob das Baby geschlafen , gebrabbelt oder noch ein Bäuerchen gemacht hat, das ist nicht relevant, es geht nur darum dass Kind mitgenommen wurde und in welcher Form da eine Kindeswohlgefährdung vorlag, das erschliesst sich nicht. Denn was ist eine Kindeswohlgefährdung, darüber ist sich doch manche/r überhaupt nicht im klaren.

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