"Tatort" Weimar Der feine Geist - Ist Lessing jetzt so tot wie Goethe?

Irgendwie war alles anders. Vom schrägen Krimi hat sich der Weimar-"Tatort" plötzlich zum Drama entwickelt - ist das nun das Ende oder wohnt hier irgendwo ein neuer Anfang?

Fakt ist: Lessing ist tot, daran lässt Autor Murmel Clausen keinen Zweifel. Und er wird auch nicht wieder auf wundersame Weise auferstehen können, weil alles nur ein Albtraum war oder eine Geheimdienstaktion, angeordnet von allerhöchster Stelle. Aber vielleicht lebt sein Geist ja fort, der von Goethe tut es schließlich auch.

Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) in der Parkhöhle.
Tatort Weimar "Der feine Geist": Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) in der Parkhöhle. Bildrechte: MDR/MadeFor Film/Steffen Junghans

Und der Anfang ist auch schon gemacht. Seit dem Ausstieg aus dem Kanaldeckel an der Parkhöhle fand Lessing schließlich den größten Teils des Geist-Films nur noch in der Fantasie der geschockten Kira statt, sichtbar für sie als Liebende und für uns als Zuschauende. Das soll es filmisch schon gegeben haben.

Murmel Clausen gibt aber zu, dass da beim Schreiben des lessingschen Ablebens auch ein paar Tränen geflossen sind. Schließlich hat er die Figur selbst mitentwickelt und musste sie nun sterben lassen. Die Idee hatte Christian Ulmen selbst, der als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Unternehmer vielbeschäftigt ist, sich aber trotzdem nicht komplett vom Weimar-"Tatort" verabschieden wollte.

Die Fortführung seiner Figur als Geist war ein kreativer Vorschlag von Christian Ulmen. Diesen haben wir gerne aufgenommen, da wir darin eine spannende Entwicklung sehen. Im kommenden Jahr wird kein Tatort Weimar produziert, da wegen coronabedingter Drehverschiebungen in 2021 kein gemeinsamer Drehtermin für das Ensemble ermöglicht werden kann. Wir warten jetzt die Wirkung des Films ab und entscheiden dann, wie wir das Format weiterentwickeln.

Stellungnahme des MDR

Das bedeutet: Dem surrealen Geist kam einfach die sehr reale Corona-Pandemie in die Quere. Und das hat natürlich für weitere Spekulationen gesorgt, die man derzeit auch nur mit einem "das ist nur Spekulation" vom Tisch wischen kann. Wohl wissend, dass sie der nächste Spekulant wieder hoch holt.

Im Foto (v.l.n.r.):  Kameramann Moritz Anton, Arndt Schwering- Sohnrey (Rolle Lupo), Plakat Christian Ulmen (Rolle Lessing), Nora Tschirner
Drehstart für die Folge "Der feine Geist" Anfang 2020 Bildrechte: MDR/MadeFor/Junghans

Aber die Branche steht derzeit einfach Kopf. 2021 - so wie auch schon der Herbst 2020 - ist wie ein Zug, der schon bei der Einfahrt in den Bahnhof voll ist, in den aber trotzdem noch alle einsteigen wollen. Heißt: Eigentlich waren die Drehkalender schon voll und nun müssen zusätzlich noch alle Produktionen reingequetscht werden, die 2020 nicht abgesagt, sondern nur verschoben wurden.

Team hat andere Verpflichtungen

Und hier entstand das nächste Problem für die "Tatort"-Macher. Das Weimarer Drehteam besteht aus mehreren Dutzend Leuten, die auch zu einem großen Teil immer wieder zusammenkamen. Es hätten also Termine gefunden werden müssen, an denen alle Unverzichtbaren Zeit haben, vor und hinter der Kamera und das hat für 2021 aus den beschriebenen Gründen einfach nicht mehr gepasst.

Bei vielen muss jetzt auch wieder die Butter auf den Tisch und da kann man keinem einen Vorwurf machen, wenn er sagt, ich habe eine Produktion von zwölf Serienfolgen. Das ist für mich in der wirtschaftlichen Situation besser als ein Weimar-Tatort.

Murmel Clausen, Drehbuchautor Weimar-"Tatort"

Denn wir sind genau in der Branche unterwegs, die unter der Corona-Krise am meisten leidet. Schauspiel, Maske, Kostüm, Catering, Regie, Schnitt usw. - das sind alles oft selbstständige Gewerke, die ohne geöffnete Bühnen oder stattfindende Drehs schlicht keine Aufträge haben. Wer da in einer Soap gelandet ist, kann sich glücklich schätzen.

Fakt ist aber auch, dass Murmel Clausen den Auftrag hat, das nächste Drehbuch zu schreiben und sich auch schon Gedanken macht, wie es weitergehen könnte. Ein Lessing, der immer mal auftaucht und zu den Kollegen spricht, ist etwas, das der "Tatort" so noch nicht auf die Spitze getrieben hat. Auch wenn der halbtote Boerne bereits durch eine Folge geisterte. Kunst muss sich weiterentwickeln dürfen und an einem solchen Punkt ist der "Tatort" Weimar gerade, wobei der Punkt eher zum Fragezeichen geworden ist.

Machen wir einen Tonalitätswechsel? Gehen wir ein bisschen weg vom Skurrilen? Das wissen wir nicht. Die Marke Weimar kann sich ja vielleicht auch neu erfinden. Ich bin da gerade in alle Richtungen offen und ich glaube, der MDR genauso. Wir müssen gucken, was die nächsten Monate so bringen.

Murmel Clausen, Drehbuchautor

Story-Zukunft ungewiss

Das bedeutet auch, Arndt Schwering-Sohnrey, der sich als Ludwig Maria Pohl = Lupo im Neujahrs-Tatort große Hoffnungen auf den Chefposten machte, hat nicht signalisiert, dass er aussteigen will. Im Gegenteil. Auch Kripo-Chef Kurt Stich, gespielt von Thorsten Merten, lebt noch. Kira trauert, schreibt Nora Tschirner auf ihrem Instagram-Kanal. Und sie dankt allen Beteiligten für die tolle Zusammenarbeit bei den elf Folgen, die es nun geworden seien, obwohl eigentlich nur ein Film geplant war.

Das bedeutet in der Summe: Murmel Clausen muss also eine Geschichte stricken, die große Maschen hat und möglichst keine allzu fest gesäumten Ränder. Ein bisschen Zeit ist aber auch noch, das Jahr 2021 ist noch lang und das Jahr 2022 sogar noch länger.

Wenn es im Januar 2022 gedreht werden soll, muss es spätestens im September drehfertig sein. Vier Monate ist in etwa die Frist des MDR, dass das Buch fertig sein muss.

Murmel Clausen, Drehbuchautor

Zeitdruck gibt es also derzeit nicht und auch wenn der Weimar-"Tatort" schon immer polarisiert hat, die Fan-Basis ist stabil und die Zuschauerzahlen waren es auch. Und wie heißt es noch mal in den "Stufen" von Hermann Hesse genau? "… jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …" - und vielleicht verzaubert der Weimar-"Tatort" ja 2022 gleich auf der übernächsten Stufe.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 02. Januar 2021 | 15:45 Uhr

25 Kommentare

SZ Rentner vor 37 Wochen

@ Janes
Warum ich diese Aktion für Gebührenverschwendung halte habe ich dargelegt und ich bleibe dabei 1 Sender dafür hätte gereicht . Wenn sie das nicht verstehen wollen ihre Sache . Ich muss für den ÖRR bezahlen erwarte dafür auch etwas zumindest das man sich an den Rundfunkstaatsvertrag hält und mit den Zwangsgebühren verantwortungsvoll umgeht können die auch wieder nicht verstehen . Als ich die ersten Ausschnitte gesehen habe war mir klar das es um den Fall Metzler geht genauso war auch klar das ich es mir nicht ansehen werde . Achso KMB wäre auch ein Grund gewesen. Genauso wenig wie ich mir vorschreiben lasse was ich für Kunst halte. Wenn um etwas so ein Aufstand gemacht wird bin ich sowieso vorsichtig.

Janes vor 37 Wochen

@Sz Rentner: Was sie für billig halten, halten andere für Recht.
Das schlimme ist, dass sie von Gebührenverschwendung reden, und dann doch die Öff.Rechtlichen zu nutzen scheinen. Und ganz offenbar haben sie den Sinn des von Schirach Film "Feinde" nicht verstanden. UNd nur weil sie weder Kunst, noch Inhalt verstehen, sie, soll für alle eingespart werden?! Ich fande die Filme gut. Und die Darstellung von Klaus Maria Brandauer genial. Von Schirach hat die Logik einer Verteidigung messerscharf skizziert, sodass diese sich mühelos eignen würde, angehenden Juristen die Prozessuale Verteidigung verständlich zu machen.

Allerding hätte sich der Auto dann besser näher am Fall Metzler orientiert. Aber wozu mit ihnen über Inhalte sprechen....

SZ Rentner vor 37 Wochen

@ Janes
Jemanden der anderer Meinung ist wie sie Hass zu unterstellen ist doch sowas von billig . Über den heren Sinn leiste ich mir eine eigene Meinung ich hab wenigstens Eine und wenn ihnen die nicht gefällt ist das ihr Problem für mich ist das Gebührenverschwendung . Warum habe ich in meiner Antwort an Tom Tom dargestellt. Sie müssen meine Meinung nicht teilen das ist ihre Sache.


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