Bildung Kampf ums Internat: Thüringenkolleg Weimar sucht Alternativen für Wohnheim

Das Thüringenkolleg in Weimar bangt um künftige Jahrgänge. Nicht die Ausbildung macht den Kollegiaten Sorgen, vielmehr ist es ihre Unterbringung. Nach Willen des Landes soll das benachbarte Wohnheim geschlossen werden. Nach Alternativen wird gesucht.

Der Haupteingnag des Thüringenkollegs in Weimar.
Das im Jahr 1991 gegründete Thüringenkolleg in Weimar ist das einzige Kolleg seiner Art im Freistaat. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Das Schulamt Mittelthüringen hat Bedarf. Denn auch dort wird es eng. Schon lange teilen sich Thüringenkolleg und Schulamt ein Gebäude in der Schwanseestraße in Weimar. 2019 knapste das Schulamt dem Kolleg einige Räume ab. Nun sollen Schulpsychologen ins Wohnheim einziehen. Zehn Einzel- und sieben Doppelzimmer sowie Etagenküchen für 24 Schüler sollen wegfallen.

Lehrer Heiko Gräbert, am Kolleg für Mathe und Geografie zuständig, hält das für weit mehr als problematisch. "Nicht für unsere Schüler, die derzeit dort wohnen, vielmehr für unsere Neuzugänge. Es ist uns untersagt, neue Mietverträge abzuschließen. Für Bewerber ein Ausschlusskriterium."

Zum Aufklappen: Was ist das Thüringenkolleg ?

Das Thüringenkolleg in Weimar ist eine staatliche Schule des Landes Thüringen. Erwachsene ab 18 Jahren können dort in einer zweijährigen Vollzeitausbildung das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erwerben. Bewerber müssen eine abgeschlossene Berufsausbildung, eine zweijährige Berufstätigkeit, einen Realschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss vorweisen. Zudem muss eine Eignungsprüfung in den Fächern Deutsch und Mathematik absolviert werden.   

Derzeit sind knapp 100 Schüler am Kolleg. Im Schnitt sind die Kollegiaten 24 Jahre alt. Das im Jahr 1991 gegründete Thüringenkolleg ist das einzige Kolleg seiner Art im Freistaat.

Mietverträge werden nicht gekündigt

Das Wohnheim direkt am Schulgebäude ist ein Standortvorteil. "Unschlagbar", findet auch Miguel Weise, selbst Kollegiat. "Viele von uns kommen von weiter her - einige aus Thüringen und einer sogar aus Baden-Württemberg. Für ihn war der Wohnheimplatz das ausschlaggebende Argument für diese Schule." Das Wohnheim ist aber viel mehr als nur ein Schlafplatz. "Hier wird gekocht, gemeinsam gelernt und auch mal gefeiert", weiß Miguel zu berichten.

Vor allem für Kollegiaten mit Migrationshintergrund ist das Internat ein idealer Platz. "Hier können sie sich leicht integrieren."

Diejenigen, die bereits im Wohnheim untergekommen sind, müssen nicht bangen. "Es werden keine Mietverträge gekündigt", verspricht auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke). "Bevor die Alternative nicht geklärt ist, wird niemand aus dem Wohnheim ausziehen und auch das Schulamt die Räume nicht nutzen können", so Holter zu MDR THÜRINGEN.

Auch sein Parteikollege und Landtagsabgeordneter Steffen Dittes steht mit breitem Rücken hinter dem Thüringenkolleg. "Wenn man will, dass dieser zweite Bildungsweg hier in Thüringen seinen Platz hat, dann muss man diese Schule erhalten, aber auch all das, was zum Erfolg dieser Schule beiträgt und das sind eben auch die Internatsplätze." Nur Lösungen haben beide noch nicht. Die Zeit rennt.

Zwei Männer stehen vor einem Hauseingang.
Kollegiat Miguel Weise mit Lehrer Heiko Gräbert am Eingang des Kollegs. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Bewerbungen fürs Thüringenkolleg bleiben aus

Bereits jetzt spüren Heiko Gräbert und seine Kollegen die Auswirkungen. "Es bleiben Bewerbungen aus. Interessenten für den kommenden Jahrgang springen ab, weil wir ihnen keine Unterkunft versprechen können." Auch Steffen Dittes ist das bewusst. Er bedauert die Art und Weise der Kommunikation. "Wenn man sagt, man braucht Räume fürs Schulamt, muss man zeitgleich sagen, es gibt adäquaten Ersatz." Nur leider findet der sich nicht so schnell. Man sei in Gesprächen und Verhandlungen, heißt es aus dem Ministerium.

Doch Wohnraum in Weimar ist knapp. Davon kann auch Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos) ein Lied singen. Auf der Suche nach Unterkünften für ukrainische Flüchtlinge stößt auch er an seine Grenzen. Auch mit dem OB haben Gräbert und seine Kollegen Kontakt aufgenommen. Sie haben Immobilien vorgeschlagen, doch bislang ohne Erfolg.

Dabei rennt die Zeit. "Jetzt trudeln die Bewerbungen fürs nächste Schuljahr ein. Jetzt wollen die künftigen Schüler Bescheid wissen", sagt Lehrer Heiko Gräbert. Die Fühler sind von allen Seiten ausgestreckt. Ministerium, Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitik verhandeln. Noch aber sitzen künftige Kollegiaten auf der Straße und die anderen auf halb gepackten Koffern.

Der innenhof des Thüringenkollegs in Weimar.
Die Internatsräume des Thüringenkollegs Weimar.

Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Februar 2023 | 18:00 Uhr

4 Kommentare

Goldloeckchen vor 33 Wochen

„ Nun sollen Schulpsychologen ins Wohnheim einziehen. “

Ein fester Bestandteil einer heutigen Schule. Aber was will man machen wenn man den Kindern die Zukunft raubt.

👍😉☝️😂

Goldloeckchen vor 33 Wochen

„ Nach Willen des Landes soll das benachbarte Wohnheim geschlossen werden. Nach Alternativen wird gesucht.“

Immer schön gegeneinander arbeiten

👍😉☝️😂

Thueringer Original vor 33 Wochen

Kann man nicht anderweitig Büroräume fürs Schulamt organisieren? Oder Büros zusammen legen, bei denen viel Telearbeit und HomeOffice genutzt wird?

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