Humanitäre Hilfe Spenden aus Thüringen in der Ukraine angekommen - MDR-Reporterin: Hilfsbereitschaft ist riesig

Ein Konvoi aus Thüringen hat Hilfsgüter und medizinische Geräte in die Ukraine gebracht. MDR-Reporterin Conny Mauroner begleitete den Transport bis zur polnisch-ukrainischen Grenze. Sie berichtet von vollen Grenzübergängen und überwältigender Hilfsbereitschaft.

Menschan laufen mit Koffern und Taschen über die Straße.
Hunderte Menschen aus der Ukraine kommen täglich im polnischen Zamość - einer Partnerstadt von Weimar - an. MDR-Reporterin Conny Mauroner begleitete einen Hilfskonvoi nach Polen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Mittwoch, 16. März
0:45 Uhr | Eindrücke von der Grenze: "Hilfsbereitschaft ist riesig"

Auf der Heimreise zieht unsere Reporterin Conny Mauroner eine erste Bilanz der Hilfsaktion. Viele Eindrücke und Geschichten bleiben: "Zum Beispiel die zwei Hamburger, die an der Grenze auf die 3- und 10-jährigen Kinder des Cousins gewartet haben", schreibt sie. Die Eltern seien beide bei der ukrainischen Armee. Sie wollten ihre Kinder in Sicherheit wissen.

Oder aber die Geschichte von der jungen Frau, die ihr kleines Kind zu Bekannten nach Zamość gebracht hat, um selbst wieder zurück nach Kiew zu fahren. Dort wolle sie alten Menschen helfen, erzählte sie Conny Mauroner. Ebenfalls im Kopf bleiben ihr die Männer, die auf polnischer Seite auf eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Ukraine gewartet haben.

Unsere MDR-Reporterin berichtet aber auch von einer riesigen Hilfsbereitschaft an der ukrainischen Grenze. "Transporter und Busse aus aller Welt waren da: Schweden, Spanien, Finnland, Portugal und viele aus Deutschland." Und auch in Thüringen ist die Spendenbereitschaft weiter hoch. In Weimar seien über 76.000 Euro gespendet worden, so OB Peter Kleine.

So viel, dass wir bereits einen nächsten Hilfstransport vorbereiten können.

Peter Kleine, Oberbürgermeister von Weimar

18 Uhr | Spenden in Ukraine angekommen

Fast zehn Stunden waren Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine und Prof. Reiner Oberbeck in der Ukraine, berichtet Reporterin Conny Mauroner. Persönlich haben sie die Thüringer Hilfsgüter an einen Ort geschafft, an dem sie gebraucht werden.

Unterwegs, so berichten sie, sind sie an zahlreichen Checkpoints und Stellungen vorbei gefahren. Sie haben aufgetürmte Reifenstapel, Panzersperren und Männer mit Maschinengewehren gesehen - Kriegsschäden glücklicherweise nicht.

Von Hand haben sie mit rund 40 Helfern etwa anderthalb Stunden lang den Lastwagen ausgeräumt. "Die Dankbarkeit war riesig", sagt OB Kleine. Im Krankenhaus gab es eine Führung. Dorthin wurden medizinische Geräte aus dem SRH Waldklinikum Gera geliefert. "An die richtige Stelle. Hier können sie sie gut gebrauchen", so der begleitende Arzt Oberbeck. Gegen 18 Uhr traten wir die Rückfahrt an.

Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine und Prof. Reiner Oberbeck vom SRH-Waldklinikum in Gera stehen vor einem Laster.
Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine (l.) und Prof. Reiner Oberbeck (r.) vom SRH-Waldklinikum in Gera haben die Spenden in die Ukraine gebracht. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

15 Uhr | 1.000 Flüchtlinge pro Tag

Am Nachmittag hat sich MDR THÜRINGEN-Reporterin Conny Mauroner die Erstaufnahmeeinrichtung in Zamość zeigen lassen. Täglich kommen hier etwa 1.000 ukrainische Flüchtlinge an, die sich zunächst registrieren lassen müssen. Viele werden direkt in andere Städte weiter geschickt oder bleiben für ein, zwei Nächte.

Eine Erstaufnahmeeinrichtung an einem Grenzübergang in Polen von innen.
Täglich kommen rund 1.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Zamość an. Sie müssen sich hier zunächst registrieren. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Untergebracht sind sie in der Turnhalle einer Schule. Dort schlafen fremde Menschen dicht gedrängt. Zwischendrin stehen Kinderbetten, Haustiere liegen auf dem Boden, beschreibt Conny Mauroner die Situation. Viele Flüchtlinge haben ihre Katzen und Hunde mitgenommen. Die angekommenen Menschen sehen müde und abgekämpft aus.

11 Uhr | Grenzübergang wird voller

Laut Conny Mauroner wird es immer voller am Grenzübergang. Jede Minute halten die Kleinbusse und lassen ukrainische Frauen sowie Kinder und ein paar wenige Männer raus. Manche haben ihre Haustiere mitgebracht. Ab und an gibt es freudige Wiedersehens-Szenen.

Flüchtlinge an einem Grenzübergang in Polen.
Immer wieder halten Kleinbusse, die weitere Flüchtlinge nach Polen bringen. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

10 Uhr | Hilfslaster stauen sich an Grenze

Der Hilfslaster, der von MDR THÜRINGEN begleitet wird, steht an der Grenze zur Ukraine und wartet darauf, dass er weiterfahren kann. Es sind so viele Lkw, die in die Ukraine einreisen wollen. Fast ununterbrochen kommen Conny Mauroner auch voll besetzte Kleinbusse entgegen. Sie bringen die Ukrainer zunächst nach Zamość. Von dort werden sie in alle Landesteile verteilt.

An der Grenze zur Ukraine selbst sei die Hilfsbereitschaft groß. Viele Organisationen aus aller Welt haben ihre Zelte aufgeschlagen und bieten warmes Essen, Kleidung und Spielsachen an. Auch Mitfahrgelegenheiten gibt es. Dennoch ist es ein trauriges Bild, wenn Frauen mit Kindern die Grenze überqueren, schreibt Conny Mauroner. Die Rollkoffer werden von Grenzbeamten aus Polen gezogen. Das schöne Wetter passt nicht recht zur Stimmung. 

Flüchtlinge kurz nach der Grenzüberquerung in Polen.
Grenzbeamte aus Polen ziehen die Rollkoffer der neu angekommenen Flüchtlinge. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Dienstag, 15. März
7 Uhr | Von Polen in die Ukraine

Am Dienstag sollen die Hilfsgüter, die aus Weimar und Gera nach Zamość gebracht wurden, in die Ukraine geschafft werden. Ziel ist eine Stadt etwa 30 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, berichtet MDR THÜRINGEN-Reporterin Conny Mauroner. Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine und der ärztliche Direktor des SRK Klinikums Gera, Professor Reiner Oberbeck, werden den Transport begleiten.

"Klar ist es ein mulmiges Gefühl", sagte Kleine, "aber die Helfer vor Ort haben versichert, dass keine Gefahr besteht. Die Route ist sicher, sagen sie."

Wir haben so viel gespendet, das möchten wir dann auch selbst übergeben.

Peter Kleine, Oberbürgermeister von Weimar

Zudem möchte Professor Oberbeck seinen Kollegen die medizinischen Geräte erklären, die mit an Bord sind. Der Rest des Weimarer-Teams bleibt auf polnischer Seite und versucht, möglichst nah an die Grenze zu kommen - nicht überall ist das möglich. "Wir wollen uns selbst ein Bild davon machen, wie viele Menschen dort in langen Schlangen stehen und nach Polen flüchten wollen", schreibt Conny Mauroner. 90 Prozent der Flüchtenden haben nach Angaben des Stadtpräsidenten von Zamość, Andrzej Wnuk, gesagt, zunächst in Polen bleiben zu wollen.

Sie hoffen, dass bald alles vorbei ist und sie wieder zurück in die Ukraine können.

Andrzej Wnuk, Stadtpräsident von Zamość

16 Uhr | Spenden zur Weiterreise verladen

Die Hilfsgüter aus Thüringen werden verladen. Medizinische Geräte wie Beatmungsgeräte und Inkubatoren müssen besonders vorsichtig behandelt werden. "Wir haben sie mit Decken und Folien geschützt", berichtet Reporterin Conny Mauroner. Sobald der Anhänger voll ist, geht es damit zum Zoll. Die Beamten werden ihn verplomben und als humanitären Transport kennzeichnen.   

Pakete und Paletten stehen in einem Lastwagen.
Die Spenden aus Thüringen sind verladen - am Dienstag kann die Weiterreise in die Ukraine starten. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

14:54 Uhr | Am Dienstag an die Grenze

Die 12 Kameraden der Weimarer Berufsfeuerwehr bereiten ihre Rückkehr nach Deutschland vor. Sie werden die kommende Nacht noch in einem Hotel, etwa 150 Kilometer von Zamość entfernt, verbringen, bevor es am Dienstag für sie nach Hause geht. Die kleine Delegation aus Weimar mit Oberbürgermeister Peter Kleine und dem ärztlichen Direktor Professor Reiner Oberbeck bleibt noch ein wenig. Sie will am Dienstagmorgen an die Grenze fahren.

"Dort werden wir viele traurige Trennungen von Familienvätern und ihren Kindern sehen, bereiten uns die Helfer vor, die schon mehrfach dort waren", schreibt Conny Mauroner. "Die Schlange der Flüchtlinge sei lang." Vor den Helfern in Zamość könne man nur den Hut ziehen. "Bis zur Erschöpfung packen sie an. Die Stadt ist voll. 5.000 Flüchtlinge sind aktuell in der 60.000-Einwohner-Stadt untergebracht. Jeden Tag kommen Tausende neu an, die mit Bussen im Land verteilt werden."

13:03 Uhr | Spenden werden zwischengelagert

An einer Sammelstelle in Zamość werden die Spenden zwischengelagert und am morgigen Dienstag weiter in die Ukraine gebracht. Die 13 Tonnen Hilfsgüter aus Thüringen - warten nun auf ihre Weiterreise, die für Dienstag geplant ist. Es handelt sich um Lebensmittel, Hygieneartikel, Decken, Schlafsäcke, Beatmungstechnik, Infusionen, Antibiotika, Schmerzmittel und Notfallmedikamente.

Menschen stehen vor einer Lagerhalle.
Die Spenden werden in Zamość zwischengelagert und am Dienstag weiter in die Ukraine gebracht. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die 16-köpfige Weimarer Gruppe hat sich nun eine Pause verdient. Der Stadtpräsident von Zamość lädt die Gruppe zum Mittagessen ein.

10.58 Uhr | Hilfstransport erreicht Zamość

Am Vormittag erreicht der Konvoi aus Weimar die Partnerstadt Zamość. MDR-Reporterin Conny Mauroner berichtet: "Wir sind etwas früh und warten in der Sonne auf unsere Einweisung." Sie schreibt, es sei bedrückend, unterwegs die Militärkonvois und Hubschrauber in der Luft zu sehen. "Unvorstellbar, was wenige Kilometer weiter passiert."

Am Wochenende hatten laut offiziellen ukrainischen Angaben russische Raketen den Militärübungsplatz Jaworiw getroffen - etwa 80 Kilometer vom polnischen Zamość entfernt. Dabei sollen 35 Menschen getötet worden sein.

Zwei Menschen stehen vor einem Feuerwehrauto.
In Zamość angekommen warten die Helfer aus Weimar auf weitere Anweisungen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

8:04 Uhr | Noch 150 Kilometer bis Zamość

Letzte Lagebesprechung: "Rund 150 km vor Zamość treffen wir auf den Tross aus Weimar", berichtet Reporterin Conny Mauroner. Zwei Lkw der Feuerwehr und vier Kleintransporter samt 12 Mann Besatzung. Nächster Stopp: Partnerstadt Zamość.

Menschen stehen an einer Tankstelle.
An einer Tankstelle rund 150 Kilometer vor Zamość bespricht das Team aus Weimar letzte Details. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Montag, 14. März,
6:20 Uhr | Hilfskonvoi unterwegs durch Polen

Am Montagmorgen hat das Auto mit MDR THÜRINGEN-Reporterin Conny Mauroner den Tross mit den zwei Lkw und vier Transportern voller Hilfsgüter eingeholt. "Wir sind bei Krakau, die Sonne geht auf", schreibt sie. Auch andere Hilfstransporte sind auf der Strecke unterwegs, selbst aus Spanien. Viele Anzeigetafeln an den Autobahnen leuchten blau-gelb und bekunden die Solidarität mit der Ukraine.

Zwei Menschensitzen im Auto und fahren auf der Autobahn.
Am Sonntagabend startete der Hilfstransport aus Weimar - Montagmorgen hatten die Transporter Krakau erreicht. Von dort sind es noch knapp vier Stunden bis Zamość. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

22 Uhr | MDR-Reporterin macht sich auf den Weg

"Am späten Sonntagabend machen auch wir uns auf den Weg", sagt MDR THÜRINGEN-Reporterin Conny Mauroner. "Mit dem Auto sind wir deutlich schneller, vor uns liegen 1.020 Kilometer. Montagmittag wollen wir unser Ziel erreicht haben."

Zwei Feuerwehrleute mit einem Schild: Ukrainebrücke Weimar-Zamosc
Am Sonntag ist der Hilfstransport aus Weimar nach Zamość gestartet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonntag, 13. März | Transporter mit Hilfsgütern starten in Richtung Polen

Mehrere Transporter und Lastwagen sind am Sonntagmorgen mit 13 Tonnen Hilfsgütern an Bord von Weimar aus in Richtung Zamość in Polen gestartet. In Weimars Partnerstadt, etwa 45 Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine, kommen weiterhin viele Menschen an, die vor dem Krieg im Osten Europas flüchten.

An Bord der Fahrzeuge sind unter anderem Lebensmittel und Medikamente. Zu den vielen Spendern gehört auch das Klinikum Gera, das Medikamente und Medizintechnik im Wert von 25.000 Euro bereitgestellt hat.

MDR (mm/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. März 2022 | 19:00 Uhr

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