Tunnelstreich Neues Verkehrsschild schützt in Weimar Radfahrer - aber nur an der richtigen Stelle

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

In den meisten Tunneln wird es für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger eng. Da bildet Weimar keine Ausnahme. Damit die Radfahrer dennoch sicher durch einen Tunnel in der Stadt kommen, weist ein neues Schild die Autofahrer an der Bahn-Unterführung Ettersburger Straße auf ein Überholverbot hin. Dumm nur, wenn das Schild nicht vor, sondern nach dem Tunnel steht, wo eigentlich wieder genügend Platz für alle ist.

Ein Straßenschild steht an einer Straße in Weimar
Autos dürfen Radfahrer und Mopeds nicht überholen. Dieses Schild sollte in Weimar IN einem Tunnel gelten, wurde aber NACH dem Tunnel aufgestellt. Bildrechte: MDR/Johannes Krey

Wer als Radfahrer aus der Weimarer Innenstadt kommt und die Ettersburger Straße entlangfährt, muss sich mühen. Denn es geht fast die ganze Zeit bergauf. Entsprechend langsam kommen Radfahrer voran. Dazu kommt, dass dort insgesamt sehr viel Verkehr entlang rollt. Es gibt zwar einen Radweg, der ist allerdings sehr schmal - und vor allem endet er ganz plötzlich vor dem Tunnel unter den Gleisen des Hauptbahnhofs. Die Folge: genervte Autofahrer, die hinter einem Rad herfahren und dann doch, trotz durchgezogener Mittellinie, vorbeischnipsen.

Neues Schild soll Radfahrer schützen

Die Stadt Weimar beschloss daher ein zusätzliches Schild, um die gefährliche Situation zu befrieden. Das Verkehrsschild "Überholverbot von Radfahrenden" gibt es überhaupt erst seit April 2020. Dezernentin Claudia Kolb: "Es ist ein Konfliktfeld, ohne Frage. Uns ist auch bewusst, dass wir an den Tunnel in der Ettersburger Straße ranmüssen."

Verbot besteht eigentlich schon

Dabei ist es ohnehin schon verboten, in dem Tunnel Radfahrer zu überholen. Denn innerorts müssen zu Radfahrern mindestens 1,5 Meter Abstand eingehalten werden. Und bei einer Fahrbahnbreite von weniger als sechs Metern ist ein Überholvorgang im Tunnel nicht gefahrlos möglich. Darüber hinaus besagt das auch die an dieser Stelle durchgezogene Mittellinie.

Doppelt hält besser

Aber für manchen ist so ein nagelneues Verkehrszeichen vielleicht eine gute Gedankenstütze. Und so wurde Anfang Februar das Schild aufgestellt. Allerdings nicht vor dem Tunnel, wie geplant, sondern dahinter. Wie das passieren konnte, weiß die zuständige Dezernentin auch nicht genau: "Das war ein bisschen wie bei der stillen Post. Die Anordnung geht von der Stadtspitze über die Straßenverkehrsbehörde zum Kommunalservice. Dort dann vom Betriebshofleiter zur Abteilung Verkehrszeichen und Verkehrstechnik und so muss sich irgendwo ein Missverständnis eingeschlichen haben."

Schneechaos und andere Widrigkeiten

Blick auf einen Tunnel in Weimar, durch den mehrere Autos fahren
Bahn-Unterführung Ettersburger Straße mit Blick nach Norden: Das Schild steht in Weimar mittlerweile an der richtigen Stelle. Bildrechte: MDR/ Grit Hasselmann

Zumindest konnten sich die Autofahrer schonmal an den Anblick gewöhnen und nachschlagen, was das Schild eigentlich bedeutet. Denn über Änderungen in der StVO muss niemand informiert werden, dafür sind die Verkehrsteilnehmer selbst zuständig. Der Kommunalservice hatte jedenfalls wegen des Schneechaos in der Stadt alle Hände voll zu tun und keine Zeit für einen Schilder-Umzug. Aber bekanntlich wird am Ende immer alles gut und jetzt steht das Schild an seinem vorbestimmten Platz.

Verkehrsschild gültig seit April 2020

Die im April 2020 veröffentlichte StVO-Novelle mit ihren zahlreichen Änderungen wurde damals heftig diskutiert, weil sie auch den neuen Bußgeldkatalog enthielt, der inzwischen teilweise zurückgenommen wurde. Dass darin auch viele neue Regeln formuliert wurden, die allerdings bestehen blieben und durchaus gelten, ist da wohl etwas untergegangen.

Überholverbot von Radfahrenden

Ein Straßenschild zeigt an, dass Autos Radfahrer und Mopeds nicht überholen dürfen
Das Straßenschild zeigt an, dass Autofahrer Menschen auf Rädern nicht überholen dürfen. Bildrechte: MDR/ Johannes Krey

Eine davon ist die, um die es hier geht. Wenn es zu eng und unübersichtlich wird an einer Stelle auf der Straße, kann die Stadt oder Gemeinde dieses neue Verkehrszeichen aufstellen: Hier herrscht dann Überholverbot von Fahrrädern und anderen einspurigen Fahrzeugen. Dass in dem Tunnel etwas passieren muss, ist der Stadtverwaltung klar. Dieses Jahr, sobald der Haushalt bestätigt ist, wird eine neue Tageslichtbeleuchtung angebracht. Die Kosten werden derzeit auf etwa 175.000 Euro geschätzt. Gleichzeitig beginnt die Planung zur Sanierung der Ettersburger Straße, die auch den Tunnel umfassen soll.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 03. März 2021 | 15:40 Uhr

12 Kommentare

Deutscher_Patriot vor 6 Wochen

Es wäre ja ganz gut, wenn die Bleifüße und Raserfraktion wenigstens für unschuldige Frauen und Kinder ein einziges Mal Rücksicht zeigen würden.
Statt von hinten unschuldige Frauen und Kinder abzudrängen, wäre es doch zur Abwechselung mal angebracht, 5 Minuten früher aufzustehen statt zu drängeln und zu rasen.

emlo vor 6 Wochen

Wäre es nicht g‘scheiter, wenn die Kraftfahrer die wenigen Meter auf das Überholen verzichten. Die paar Sekunden, die dabei verloren gehen, fallen überhaupt nicht auf. Übrigens fallen Umwege für Radfahrer viel schwerer ins Gewicht als für Kraftfahrer. Also, wenn schon Umleitung, dann für Kraftfahrer. Aber wenige Meter/Sekunden auf das Überholen zu verzichten, ist wohl die beste Lösung!

Jedimeister Joda vor 6 Wochen

Hallo aus einer anderen Galaxie! Danke dafür- hier gibts keine Pedalritter. Allerdings ist euere Erfahrung mit dem Verkehrszeichen nichts Neues. Da gibt es doch etliche Beweise für Unfähigkeit. Die Wissenschaft kennt das Problem mit der Informationsweitergabe. Da könnte man sagen es ist ein naturgegebenes Problem. Der der es angeschraubt hat hat nur einen Befehl ausgeführt. Hätte er noch drüber nachgedacht, dann nachgefragt und auf die Unsinnigkeit hingewiesen. Was wäre passiert? Oben ist kein Fehler aufgetreten. Weiter unten hätte man einen unfähigen Mitarbeiter gefunden. Die Kontrollfunktion wurde ausgeblendet. Im Zweifel sind eh andere schuld. Was ist draus zu lernen. Wenn was richtig gemacht werden soll, mach es selber. Was zu denken gibt ist, hier ein Schild da eine selbstangeordnete Katastrophe. Peinlich in Weimar wo Goethe und Schiller im Land der Dichter und D.... Naja wer frei von Schuld werfe den ersten Stein. Gut Nacht euer Joda von der Padavanschule

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