Festveranstaltung Weimarer Dreieck feiert 30-jähriges Jubiläum

Mit einer Jubiläumsveranstaltung ist die Gründung des "Weimarer Dreiecks" vor 30 Jahren gefeiert worden. Nach der Wende trafen sich die Außenminister Frankreichs, Polens und Deutschlands zum regelmäßigen Austausch.

Bodo Ramelow (2.v.l., Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, Michael Roth (3.v.r., SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, Andrzej Przylebski (r), Polnischer Botschafter in Deutschland, und Peter Kleine (l., parteilos), Oberbürgermeister von Weimar, stehen nach der Verleihung des Weimarer Dreieck-Preises während der Jubiläumsveranstaltung "30 Jahre Weimarer Dreieck" mit den Preisträgern beisammen.
Bodo Ramelow (2.v.l.), Ministerpräsident von Thüringen, Michael Roth (3.v.r.), Staatsminister im Auswärtigen Amt, Andrzej Przylebski (r), Polnischer Botschafter in Deutschland, und Peter Kleine (l.), Oberbürgermeister von Weimar, stehen nach der Verleihung des Weimarer Dreieck-Preises mit den Preisträgern beisammen. Bildrechte: dpa

In Weimar wurde am Sonntag mit einer Jubiläumsveranstaltung die Gründung des "Weimarer Dreiecks" gefeiert. Seit 30 Jahren treffen sich die Außenminister Frankreichs, Polens und Deutschlands zu einem regelmäßigen Austausch. Dass das Gesprächsformat auch in Zukunft weiter leben soll, wurde am Sonntag deutlich.

Das Ziel, die willkürliche Teilung Europas zu überwinden, sei erreicht worden, sagte etwa der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth. Heute gebe es bei all dem Streit auch ein enges Miteinander in zentralen Fragen.

"Das Weimarer Dreieck funktioniert auf den unteren Ebenen prächtig", sagte auch der Polnische Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski. Es habe einen hohen symbolischen Stellenwert, auch weil es unterschiedliche regionale Perspektiven zusammenbringe. Auch aus Sicht der französischen Botschafterin Anne-Marie Descotes bleibt das Dreieck "eine wesentliche Plattform" um aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Städtepartnerschaften gehen aus Bündnis hervor

Das Dreieck war 1991 bei einem Treffen der damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas (Paris) und Krzysztof Skubiszewski (Warschau) in Weimar gegründet worden. Ziel war es, die Politik der drei Länder besser abzustimmen und die europäische Integration zu stärken. Aus dem Bündnis gingen seit den 90er-Jahren über 360 verbindliche deutsch-polnische Städtepartnerschaften hervor sowie 650 deutsch-französische Verbindungen.

Sie können helfen, abseits der Politik miteinander im Gespräch zu bleiben, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. Bei der Jubiläumsveranstaltung geht es aber auch um die Frage, wie sich das Bündnis weiterentwickeln kann.

Dass es zu diesem Treffen kam, sei ein "großer Tag für Europa" und eine historische Chance gewesen, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bei dem Festakt. Es sei eine schöne Perspektive, dass es inzwischen keine tödliche Grenze mehr zwischen den Staaten gibt.

Vereine tragen Idee in Zivilgesellschaft

Deutschland habe in der Zeit nach dem Mauerfall ein großes Interesse daran gehabt, freundliche Beziehungen zu ehemaligen Ostblock-Staaten aufzubauen, sagte die Historikerin Susanne Rau von der Universität Erfurt. Auch Frankreich sei daran interessiert gewesen, seine Präsenz in der Region auszubauen.

Außerdem habe es schon zuvor direkte Beziehungen zwischen den Ländern gegeben. Polen habe neben Ungarn schon früh Interesse an einer Westbindung signalisiert. Mit dem EU-Beitritt Polens 2004 sei dann ein zentrales Ziel des Gesprächsformats erreicht worden.

Mittlerweile hätten sich auch mehrere Vereine und Initiativen gegründet, die die Idee des Weimarer Dreiecks und der Demokratieförderung weiter in die Zivilgesellschaft trügen, erläuterte die Historikerin. Ramelow erwähnte unter anderem die Thüringer Regionalpartnerschaften mit Malopolska in Polen und Hauts-de-France in Frankreich.

Mit dem Weimarer-Dreieck-Preis wurden dieses Jahr zwei interkulturelle Projekte eines niedersächsischen Gymnasiums gewürdigt, in denen der deutsch-französisch-polnische Dialog im Fokus steht.

Format hat an Bedeutung verloren

Auf der hohen politischen Ebene hat das Format hingegen etwas an Bedeutung eingebüßt. Über mehrere Jahre kam es zu keinen direkten Treffen der Außenminister der drei Länder. Erst im vergangenen Herbst trafen sie wieder zusammen, um das Format neu zu beleben.

"Diejenigen, die dieses Format schon abgeschrieben haben, denen können wir sagen, dass wir sie eines Besseren belehren", sagte Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) damals nach dem Treffen in Paris.

Die drei Länder beschlossen unter anderem, die Zivilgesellschaft in Belarus unterstützen zu wollen. Auch die Besorgnis über weitere internationale Konflikte und Krisen wurde zum Ausdruck gebracht.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. August 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Atheist vor 14 Wochen

Tut mir leid ich kann mit Russland mehr anfangen als eine Eu der Vorgaben zum Kühlschrank zum Staubsauger…
Die Frage ist, haben wir nur den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe , gegen eine zentralistische sozialistische EU getauscht

Erichs Rache vor 14 Wochen

@ule

"
Ich dachte bislang, dass der Souverän in seiner Gänze dafür zuständig ist"

Hören Sie BITTE AUF zu TRÄUMEN!!!


Das Format des "Weimarer Dreiecks" finde ich bis heute Klasse.
Das es "auf den unteren Ebenen prächtig" funktioniert, kann ich bestätigen und freut mich bis heute.

ule vor 14 Wochen

@ " Demokratieförderung . . ? "

Wer bitte sehr fördert in diesem Land die Demokratie ? Und wer legt die Inhalte der Demokratie fest.?

Ich dachte bislang, dass der Souverän in seiner Gänze dafür zuständig ist und sich daraus dann z.B. eine Parteienvielfalt entwickelt. Keine Partei für sich allein oder irgend ein Politiker kann sich Anmaßen, den Fortschritt der Demokratie zu fördern, da lediglich sie bzw. er selbst Teil dieser Demokratie sind. Andernfals würde man ja über dieser Demokratie stehen.

Was man heute als Demokratiebildung und Förderung bezeichnet, ist nichts weiter, wie ein, bereits seit der Franzäsischen Revolution andauernder Parteienkampf, der zunehmend mit Steuergelder finanziert wird.

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