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Corona - und dann?Thüringer Museumsverband befürchtet nach Corona drastische Einschnitte

von Rainer Erices, MDR THÜRINGEN

Stand: 28. August 2021, 06:00 Uhr

Der Thüringer Museumsverband befürchtet deutliche Einschnitte für Museen im Freistaat in den kommenden Jahren. Das könnte für viele Museen die wohl gefährlichste Folge der Corona-Pandemie werden, sagt Präsident Thomas T. Müller im Interview mit MDR THÜRINGEN.

Bislang hätten die Museen in Thüringen die schwierige Corona-Zeit gut überstanden, sagt Müller. Die Besucherzahlen in den Museen seien zwar nach einem Rekordjahr mit rund 4,2 Millionen Besuchern deutlich zurückgegangen - auf rund 1,9 Millionen Menschen im Jahr 2020. Durch den Lockdown bis Ende Mai in diesem Jahr sei eine grundlegende Besserung zunächst nicht in Sicht.

Doch bislang habe kein einziges Museum in Thüringen dauerhaft schließen müssen. Müller sagt, lediglich in einigen Häusern seien Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt worden.

Die Finanzausfälle hätten viele Einrichtungen dank staatlicher Hilfen bislang kompensieren können. Außerdem, so sagt Müller, befänden sich viele Museen in kommunaler Trägerschaft. Hier seien nötige Gelder über bereits beschlossene Haushaltspläne zumindest vorläufig gesichert.

Das könnte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern. Müller befürchtet, dass die Kommunen wegen auslaufender Hilfen und fehlender Steuereinnahmen zum Sparen gezwungen sein werden. Dann könnte es sein, dass sie zunächst bei den sogenannten freiwilligen Leistungen den Rotstift ansetzen - also bei der Kultur.

Appell: Kultur erhalten und schützen

Betroffen von Streichungen wären dann möglicherweise Museen, Bibliotheken und auch Musikschulen. Ähnlich wie auf Landesebene, so Müller, müssten auch Kommunalpolitiker bestrebt sein, kulturelles Leben zu schützen und damit Prioritäten gegenüber anderen Ausgaben zu setzen.

Sonst "machen wir uns hier was kaputt, was wir über Jahrzehnte aufgebaut haben, nur weil wir jetzt im Moment die finanziellen Möglichkeiten nicht sehen", sagte der Verbandspräsident. Es gehe dabei sowohl um den Erhalt wie auch um eine "auskömmliche finanzielle Ausstattung" der Museen für Personal und Inhalte.

Burg Posterstein im Altenburger Land Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kritisch schätzt Müller auch die Lage von Museen ein, die durch Stiftungen, gemeinnützige GmbHs oder Vereine getragen werden. Teilweise seien diese "massiv" auf Einnahmen angewiesen. Wenn Besucher ausblieben, gehe das zu Lasten des nötigen Eigenfinanzierungsanteils. Als Beispiele nennt der Verbandspräsident das Bachhaus in Eisenach oder die vereinsgetragene Burg Posterstein.

Corona-Krise als Chance für Museen

Allerdings hätten die Museen die Schließungen während der Corona-Zeit auch gut nutzen können. In den meisten Häusern sei die Personaldecke gering. Jetzt hätten die Mitarbeiter mehr Zeit gehabt, Bestände zu überprüfen und zu digitalisieren. Viele Museen hätten neue Formen der Präsentation gefunden, insbesondere um die eigenen Häuser bekannter zu machen und dabei neue Interessenten zu gewinnen. Einige Museen würden beispielsweise regelmäßig Podcasts zu ihrer Arbeit ins Internet stellen.

Die Digitalisierung sei insofern eine große Chance der Pandemie. Dass ganze Sammlungen jedoch im Internet präsentiert würden, um damit einen realen Museumsbesuch überflüssig zu machen, glaubt Thomas T. Müller nicht. "Die Aura des Originals" sei "durch nichts, durch absolut nichts" zu ersetzen. Digitalisierung schaffe neue Präsentationsmöglichkeiten, sie diene auch als archivisches Hilfsmittel, um Kopien von Stücken anzufertigen - doch ersetzen werde sie den Museumsbesuch nicht.

Im Museumsverband Thüringen e. V. sind 237 Mitgliedsmuseen organisiert, das sind rund 95 Prozent der Thüringer Museen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. August 2021 | 07:00 Uhr

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