Thüringer Musikradar Musik für Kopf, Herz und Bauchmuskel: Liedermacherduo Kalter Kaffee

Egal ob Thomas Kemmerich die Politik im Freistaat in die Regierungskrise stürzt oder die Thüringer den Rost anwerfen und Bratwürste grillen - das Erfurter Liedermacherduo Kalter Kaffee macht Musik daraus. Mit viel Humor und noch mehr Herz singen Tilo Schäfer und Björn Sauer über die kleinen und großen Dinge des Lebens. Kalter Kaffee machen "Musik für Kopf, Herz und Bauchmuskel".

Björn Sauer (li.) und Tilo Schäfer sind Kalter Kaffee
Björn Sauer (li.) und Tilo Schäfer sind seit 17 Jahren als Liedermacherduo "Kalter Kaffee" in Thüringen und Deutschland unterwegs. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Ihre Hymne auf die Thüringer Bratwurst ist nicht weniger als 17 Minuten lang und genießt inzwischen Kultstatus bei ihren Fans. 2018 haben Kalter Kaffee mit dem "Bratwurstlied" an einen Songcontest im Bratwurstmuseum teilgenommen. 45 Popsongs – von AC/DC über Herbert Grönemeyer und Nina Hagen bis hin zu Helene Fischer – haben sie buchstäblich verwurstet und ein unfassbar lustiges Bratwurst-Medley kreiert, das nebenbei durch etwa 50 Jahre Musikgeschichte führt.

Eigentlich müsste dem Erfurter Liedermacher-Duo allein deswegen ein Denkmal in Thüringen gesetzt werden. Allerdings wollen sich Kalter Kaffee nicht auf die Wurst reduzieren lassen. Verständlich bei 17 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte, die weit mehr als klamaukige Songs über Thüringer Spezialitäten bereithält. Tatsächlich war es die Liebe zu guten Texten, die das Duo 2004 zusammenbrachte.

Anfänge im Erfurter Studentenklub "Unikum"

"Wir sind beide in den 90er-Jahren musikalisch sozialisiert worden. 90er-Jahre-Musik ist ziemlich geil, solange du nicht auf den Text hörst", erinnert sich Tilo Schäfer. "Wir wollten aber gute Texte, und weil wir beide vom Dorf kommen, haben wir das kurzerhand dann selbst gemacht." 2004 lernte Schäfer, der in Römhild im Landkreis Hildburghausen aufwuchs, den Gumpelstädter (Ortsteil von Bad Salzungen) Björn Sauer in der Großstadt Erfurt kennen. Im Studentenwohnheim in der Donaustraße spielte Sauer an den Abenden Klavier und bald gestellte sich Schäfer mit seiner Gitarre hinzu.

Es kam, wie es kommen musste: Noch ehe die beiden eine Band gegründet, geschweige denn eigene Songs hatten, fragte der Studentenklub "Unikum" an, ob sie nicht einen Gig spielen wollten. Sie sagten zu und begannen zu proben. Vier Wochen lang trafen sie sich am Nachmittag, es gab Kaffee, der - wie sollte es anders sein - während der Probe kalt wurde. "Der Bandname hat uns also in gewisser Weise selbst gefunden und es scheint ein ganz guter Name zu sein, schließlich haben wir schon zwei Patentstreitigkeiten deswegen gehabt", sagt Sauer.

Politik und Satire – "Du kannst jeden Witz machen"

Mehr als 17 Jahre sind seit ihrem ersten Gig am 7. Juli 2004 im "Unikum" vergangen. Den Studentenklub gibt es längst nicht mehr, Kalter Kaffee aber haben sich in der Thüringer Musikszene festgespielt. 783 Konzerte standen bis Juli 2021 zu Buche. In manchem Jahr hatten sie sogar mehr als 80 Auftritte. Egal ob in einer Hinterhofkneipe vor 20 Leuten oder - wie im Februar 2020 - im Congress Centrum Suhl vor 2.500 Gästen und Hunderttausenden Livezuschauern im MDR FERNSEHEN beim politischen Aschermittwoch, als sie den Thüringer FDP-Chef Thomas Kemmerich mit dem Song "Faschingspräsident" durch den Kakao zogen.

Kalter Kaffee haben schon fast überall in Thüringen gespielt und die Menschen zum Lachen gebracht. Politik, Satire und Kabarett gehören bei ihnen fest zum Repertoire. Dabei scheuen sie Kontroversen nicht, wie sie erst kürzlich mit dem Lied "Der Impfluenzer mit der Langzeitstrategie" unter Beweis stellten. In dem Lied besingen sie einen Impfgegner, der sich lieber bis zum Sankt Nimmerleinstag zuhause einschließt, als sich impfen zu lassen. Bis heute ist es das auf ihrem Youtube-Kanal am meisten diskutierte Lied. "Du kannst jeden Witz machen, nur nicht mit jedem", meint Sauer.

Ein zeitloser und ebenfalls viel diskutierter Song ist "Kein Sex mit Nazis", der die Band seit 2006 begleitet und schon viele lustige Anekdoten hervorgebracht hat (Nachzuhören im Audio). Bis heute hat er kaum an Aktualität eingebüßt. "Das ist auch der Grund, warum wir nicht nur tagespolitische Lieder schreiben, denn die kannst du irgendwann nicht mehr spielen, so wie unseren Westerwelle Song", sagt Schäfer.

Songwriting für ein Live-Publikum

Einige dieser zeitlosen Songs haben Kalter Kaffee im April 2021 auf ihrem dritten Album mit dem vielsagenden Titel "10 Jahre gemahlen" veröffentlicht. Drei Alben in 17 Jahren – das klingt nicht nur wenig, das ist es auch.

Wir sind halt beide nicht so die Typen, die sich gut vermarkten können, und sind ziemlich Facebook-faul. Also wenn es da draußen jemanden gibt, der uns groß rausbringen will, wir haben schon viel vorgelegt. Vielleicht kannst du das ja schreiben?

– Björn Sauer, Pianist bei Kalter Kaffee

Allerdings ist und bleibt Kalter Kaffee eine Liveband, deren Songs am besten mit Publikum funktionieren, weil die beiden Vollblutmusiker feine Antennen für ihr Auditorium haben. Wenn sie die Bühne betreten, ist meistens nur der erste Song abgesprochen, alles Weitere ergibt sich dann je nach Stimmungslage, Improvisationslust oder auf Zuruf.

Vor vielen Jahren waren wir mit der Band Positano auf Tour. Deren Credo war es, dass kein Konzert wie das vorherige sein sollte. Das haben wir uns von ihnen abgeschaut.

- Tilo Schäfer, Gitarrist bei Kalter Kaffee

Tatsächlich testen Kalter Kaffee ihre neuen Songs immer wieder am Publikum. Pointen, die nicht zünden, fliegen wieder raus, Refrains, die nicht verfangen, werden umgeschrieben bis sie live funktionieren. Kalter-Kaffee-Songs kommen daher auch ohne viel Schnickschnack aus: "Bei uns gibt es keine langen Intros oder ausgefallene Soli, die das Publikum am Ende langweilen. Wir spielen einfache Lieder, die aber mit dem ganzen Körper voll dargeboten werden", sagt Sauer.

Kalter Kaffee sind bekannt dafür, ihre Songs beim Singen mimisch zu untermalen. "Gesichtsfasching" nennen sie selbst ihre Grimassen bei Live-Konzerten, die das Witzige irrwitzig und das Herzhafte herzergreifend werden lassen. Jeder ihrer Auftritte bekommt dadurch die Anmutung eines Schauspiels.

Die Band Kalter Kaffee zieht bei einem Auftritt Grimassen
"Gesichtsfasching" - Kalter Kaffee sind berühmt dafür ihre Songs mimisch zu begleiten. Bildrechte: Kalter Kaffee

Klamauk mit ernsten Zwischentönen

Doch Kalter Kaffee machen nicht nur Klamauk: Zwischen all den satirischen Songs haben Sauer und Schäfer eine Reihe wirklich großer Songs geschrieben, die mit ernsten oder nachdenklichen Botschaften tief ins Herz gehen. "Glück" und "Pharao" sind solche Songs, die das Dasein überschauen oder an das Gute im Menschen appellieren.

Ein weiterer Song aus dieser Kategorie ist "Der Himmel brannte", der bei einem Liederabend im Flüchtlingsheim entstanden ist. Das Lied ist ein Lobgesang auf Gemeinschaft und Freundschaft und ist wie gemacht für gesellige Abende im Pub, an deren Ende sich alle mitsingend und heulend in den Armen liegen.

Das schönste ist eigentlich, wenn die Menschen weinen, weil ihnen einer unserer ruhigeren Songs ans Herz geht. Das ist das größte Kompliment.

- Tilo Schäfer, Gitarrist von Kalter Kaffee

Es ist genau diese thematische Bandbreite, die Konzerte von Kalter Kaffee zu einem Erlebnis für Jung und Alt machen. "Die Instrumentierung macht, dass es jeden gefallen kann. Wir haben einen bodenständigen Sound und Texte, die die Leute schnell verstehen und begreifen", erklärt Sauer. Nicht selten sitzen im Publikum Omas mit ihren Enkeln und Eltern mit ihren Kindern. Es ist einfache Musik, die aber keinesfalls belanglos ist. Musik für jede Lebenslage oder wie es Tilo Schäfer sagt: "Es ist halt Musik für Herz, Kopf und Bauchmuskel."

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

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