Corona - und dann? Überdenken der Förderkultur: Landesmusikrat sieht Ungleichheiten in Thüringen

Die Förderung der Musikausbildung wird in Thüringen sehr unterschiedlich gehandhabt. Das Problem ist lang bekannt, doch die Corona-Krise verschärft die Situation vor allem für Musiklehrerinnen und Musiklehrer. Woran liegt das und wie kann gegen gesteuert werden?

Ein Notenblatt mit handschriftlichen Eintragungen
Die Corona-Krise hatte vor allem im Kulturbereich starke Auswirkungen: Theater und Konzerte mussten weitgehend abgesagt werden. Bildrechte: imago images/Gerhard Leber

Der Präsident des Landesmusikrates Thüringen, Christoph Meixner, kritisiert die Bezahlung vieler Musiklehrer in Thüringen. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte Meixner, viele Lehrer an Musikschulen seien nicht festangestellt und würden unterbezahlt. Das sei bereits seit Langem ein großes Problem in ganz Deutschland, werde nun in der Corona-Pandemie jedoch verschärft.

Ungleichheiten zwischen Thüringer Kommunen

Angesichts der gegenwärtigen "Stille" in der Musikwelt sieht Meixner die Chance, dass die Gesellschaft Musik als essenziellen Bestandteil des Lebens neu bewertet. Für Thüringen gelte es, auch Ungleichheiten zwischen den Kommunen auszugleichen. So würde in den Städten und Kreisen die Musikbildung unterschiedlich gefördert.

Musikleben kein Selbstläufer

Nach Ansicht von Meixner sehen viele Menschen das Musikleben als selbstverständlich an, ohne letztendlich anzuerkennen oder wahrzunehmen, dass dahinter Existenzen stehen und dass "unglaublich viel Engagement auch notwendig ist", um so ein Musikleben letztendlich aufrechtzuerhalten. Hier müssten gemeinsam langfristige Lösungen zur Finanzierung gefunden werden.

Für Meixner beginnt Musikausbildung in der Schule. Musik sei ein immaterielles Kulturerbe. Es gehe also bei musikalischer Schulbildung auch um eine Art "kultureller Bildung", so dass die Menschen befähigt werden, Kultur in aller Vielfalt künftigen Generationen weitergeben zu können. Das setze jedoch voraus, dass man das Erbe für sich auch definieren könne.

Christoph Meixner vor einem Bücherregal 22 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 08.05.2021 15:15Uhr 22:15 min

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Angesichts der Corona-Krise sagte Meixner, Musiker seien sehr unterschiedlich betroffen. Viele Profimusiker müssten umschulen auf andere Berufe. Das sei in der Krisenzeit nötig, auch wenn das teilweise tragisch sei. Vielen Betroffenen böten Tätigkeiten im musikpädagogischen Bereich Zukunftsperspektiven.

Studie rät zu Prüfung öffentlicher Förderung

Eine aktuelle Studie des Deutschen Musikrates rät, die öfffentliche Förderung des Musiklebens zu prüfen. Die Studie hatte Musiker in ganz Deutschland zu ihrer finanziellen Situation angesichts der Corona-Pandemie befragt. Demnach hat insbesondere der zweite Lockdown im Herbst des vergangenen Jahres "eine emotionale und finanzielle Abwärtsspirale" in Gang gesetzt, die durch staatliche und private Hilfen nicht aufgehalten werden konnte.

Gegenüber den Hilfsprogrammen seien viele Musiker skeptisch. Viele Künstler würden darunter leiden, zunehmend nicht ernst- oder nicht wahrgenommen zu werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Mai 2021 | 06:00 Uhr

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