Nahverkehr Personalmangel: Erfurter Straßenbahnen fahren am Abend seltener

Seit Montag gilt bei den Erfurter Verkehrsbetrieben ein ausgedünnter Fahrplan. Busse im Saale-Holzland-Kreis fahren schon länger seltener. Der Grund hier wie dort: es fehlt Personal. In den meisten Thüringer Regionen waren bisher keine Fahrplanänderungen notwendig.

Straßenbahn-Haltestelle in Erfurt
Haltestelle am Domplatz: Nach 20 Uhr fahren die Straßenbahnen alle 30 statt 20 Minuten. Bildrechte: MDR/Romy Miska

Ein erhöhter Krankenstand zwingt die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Thüringen vereinzelt zu Fahrplananpassungen. Laut einer Umfrage von MDR THÜRINGEN macht sich der Personalmangel vor allem in Erfurt bemerkbar. "Die aktuelle Erkältungswelle und die Quarantäne-Verordnungen machen uns zu schaffen", sagte Hannes Schaumacher von den Stadtwerken Erfurt.

Von über 300 Mitarbeitern sind über 30 krank gemeldet, teilte Myriam Berg vom Vorstand der Erfurter Verkehrsbetriebe AG (Evag) mit. Das sei deutlich über dem üblichen Krankstand. Nun mussten die Fahrpläne der Evag erneut angepasst werden.

In den Abendstunden ab 20 Uhr fahren die Straßenbahnen sowie die Busse der Linie 9 seit dieser Woche nur noch alle 30 statt alle 20 Minuten. "In den Abendstunden haben wir nur noch wenige Fahrgäste. Deshalb haben wir uns hier für eine Reduzierung entschieden, weil da die Betroffenheit nicht so groß ist", so Berg. Erste Anpassungen im Fahrplan gab es bereits im Dezember für die Buslinie 9 zwischen dem Erfurter Nordbahnhof und Daberstedt.

Straßenbahn-Haltestelle in Erfurt
Ab 20 Uhr gilt in Erfurt ein Sonderfahrplan Bildrechte: MDR/Romy Miska

Sonderfahrplan auch im Saale-Holzland-Kreis

Im Saale-Holzland-Kreis gilt schon seit Anfang Dezember ein abgespeckter Fahrplan aufgrund von Personalausfällen. "Aktuell ist die Lage stabil", sagte Erich Engel, Abteilungsleiter Betrieb bei der JES Verkehrsgesellschaft. JES steht für die wichtigsten bedienten Orte der Verkehrsgesellschaft: Jena, Eisenberg, Stadtroda. "Wir warten jetzt ab, wie sich die Situation bis zu den Winterferien entwickelt und schauen dann, wie wir weiter verfahren."

Mann zeigt in einem Restaurant seinen digitalen Impfausweis 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 07.01.2022 19:00Uhr 01:59 min

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Gotha, Nordhausen, Jena: Normalbetrieb

Die Verkehrsbetriebe in Gotha, Nordhausen und Jena arbeiten nach wie vor im Normalbetrieb. Zwar gebe es auch in Nordhausen einen erhöhten Krankenstand, dieser hätte aber bisher keine Auswirkung auf den Betrieb gehabt, sagte Franziska Bernsdorf von den Verkehrsbetrieben Nordhausen. Die Planung müsse aber täglich überarbeitet werden.

Beim Jenaer Nahverkehr sei man bereits seit Pandemiebeginn auf eventuelle Ausfälle vorbereitet, so Anja Tautenhahn von den Stadtwerken Jena. "Momentan sind bei aber uns keine Anpassungen nötig." Auch in Gotha und Umland fahren die Busse weiter nach Plan, wie Max Glaser vom Busunternehmen Wollschläger & Partner mitteilte.

"Keine Panik, wir haben alles noch im Griff"

Tilman Wagenknecht vom Verband Mitteldeutscher Omnibusunternehmer (MDO) schaut regelmäßig auf die Situation der Verkehrsbetriebe. "Wir sind in gespannter Unruhe, was noch kommen wird", sagte Wagenknecht. Allerdings sei die Lage im Dezember deutlich angespannter gewesen, als es aktuell der Fall sei, so der MDO-Geschäftsführer. "Und da hatten wir trotzdem keine Totalausfälle". Auch wenn die weitere Entwicklung nicht wirklich vorhersehbar ist, hat Wagenknecht eine klare Botschaft: "Keine Panik, wir haben alles noch im Griff."

Hohe Impfquote bei Evag

Zuversichtlich ist auch die Evag mit Blick auf den weiteren Verlauf. "Wir haben unter den Mitarbeitern eine Impfquote von circa 80 Prozent", teilte Ivo Dierbach von den Stadtwerken Erfurt mit. Falls sich die Situation dennoch erneut verschärfen sollte, gebe es immer noch weiteren Spielraum für Fahrplananpassung.

Straßenbahn 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 10.01.2022 19:00Uhr 01:40 min

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 10. Januar 2022 | 16:10 Uhr

6 Kommentare

Funkwerker vor 18 Wochen

@Steffen69: Können Sie bitte mal ein paar Vorschläge unterbreiten, wie die EVAG gegen den hohen Krankenstand und den Personalmangel (neben den ersichtlichen diversen Neueinstellungen an Fahrern, bspw. mit Migrationshintergrund) hätte längerfristig gegensteuern sollen. Danke!

Steffen69 vor 18 Wochen

Fahrpläne anpassen... Wenn ich das schon lese !!!

Corona haben wir nicht erst seit gestern. Da hatte die EVAG schon viel länger gegensteuern müssen. Aber das kostet ja Geld.

Quantix vor 18 Wochen

Im Rieth kreuz die Straßenbahn genau an zwei Stellen größere Straßen: Einmal an der Kreuzung Riethstraße/Mainzer Straße und dann den Kreisel an der Mittelhäuser Straße. An beiden Stellen fährt nur eine Linie, entsprechend kommt es alle 5 Minuten zu einer kurzen Unterbrechung für die Straba. Ich kann ihren Frust nicht ganz nachvollziehen: Wären mehr Leute mit der Straßenbahn unterwegs, wäre wieder etwas Platz auf den Straßen.

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