Nahverkehr 9-Euro-Ticket: Bahnunternehmen wollen mehr Züge in Thüringen einsetzen

Seit Montag ist das 9-Euro-Ticket erhältlich. In Thüringen aktive Bahnunternehmen bereiten sich deshalb auf mehr Fahrgäste vor. Abellio will auf besonders beliebten Strecken mehr Züge einsetzen. Die Erfurter Bahn plant, zusätzliche Wagen an die Züge zu hängen.

Ein Regionalzug RB 20 Abellio wartet 2018 auf dem Erfurter Hauptbahnhof an einem Bahnsteig
Abellio-Regionalzug auf dem Erfurter Hauptbahnhof auf der Fahrt nach Naumburg. Bildrechte: dpa

Das Bahnunternehmen Abellio erhöht ab Juni das Angebot an Regionalzügen auch in Thüringen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen auf besonders beliebten Strecken vier zusätzliche Züge eingesetzt werden. Damit reagiert das Unternehmen auf die Einführung des 9-Euro-Tickets.

Den Angaben nach werden die zusätzlichen Züge montags bis freitags zwischen Magdeburg und Goslar sowie täglich auf der Strecke zwischen Halle und Saalfeld eingesetzt. Laut Abellio bieten sie mehr Platz für Fahrräder als die regulär eingesetzten Züge. Der Ein- und Ausstieg ist jedoch nicht barrierefrei.

DB Regio will alle verfügbaren Züge einsetzen

Trotz der verstärkten Kapazitäten weist Abellio darauf hin, dass die Mitnahme von Fahrrädern nur begrenzt möglich sei. Gerade auf den touristisch reizvollen Strecken, etwa in den Harz oder ins Saaletal, sei mit einer steigenden Zahl von Ausflüglerinnen und Ausflüglern zu rechnen.

Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Regio Südost kündigte an, alle verfügbaren Züge und Wagen einzusetzen. Außerdem soll das Servicepersonal auf besonders stark frequentierten Bahnhöfen für die Wochenenden und an Feiertagen aufgestockt werden, um die Reisende beim Aus- und Umsteigen zu unterstützen.

Kritik von VMT und Thüringer Landesregierung

Landesregierung und Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) rechnen jedoch mit Problemen und sehen die Billigfahrkarte skeptisch. Das machten beide am Dienstag auf einer Pressekonferenz deutlich.

Es wird mit Sicherheit auch Frust und Enttäuschung geben, sagte VMT-Geschäftsführer Christoph Heuing. Etwa im Regional-Express zwischen Jena, Weimar und Erfurt. Schon jetzt sei dieser oft voll. Laut Heuing können nicht mehr Waggons und Züge eingesetzt werden, da es dafür keine Reserven gibt. Das gelte ebenso für diverse Bus-Linien. Vor allem fehle es an Personal.

Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) sorgt sich zudem um ausbleibende Gelder. Die 33 Millionen Euro der Bundesregierung an Thüringen für wegfallende Fahrkarten-Einnahmen durch das 9-Euro-Ticket werden ihr zufolge nicht als Ausgleich reichen.

Erfurter Bahn bittet um gegenseitige Rücksichtnahme

Die Erfurter Bahn wird im Rahmen des 9-Euro-Tickets keine zusätzlichen Züge einsetzen. Wie eine Sprecherin MDR THÜRINGEN sagte, seien für diesen Zeitraum keine weiteren Züge vom Auftraggeber bestellt worden. Die Erfurter Bahn plane jedoch, auf stark frequentierten Strecken zusätzliche Wagen an die Züge zu hängen. Laut Sprecherin wird ab dem ersten Juni beobachtet, welche Strecken verstärkt werden müssten.

Beim Fahrradtransport bittet das Unternehmen um gegenseitige Rücksichtnahme. Aufgrund der zusätzlichen Fahrgäste könne die Mitnahme von Fahrrädern nicht garantiert werden, sagte die Sprecherin. Zu beachten sei, dass Kinderwagen und Rollstuhlfahrer Vorrang vor Fahrrädern haben.

9-Euro-Ticket seit Montag erhältlich

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste für 9 Euro im Juni, Juli oder August für einen Monat in allen Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen oder Zügen des Nah- und Regionalverkehrs durch ganz Deutschland fahren - egal ob von der Deutschen Bahn oder anderen Anbietern. Die Monatskarte ist eine Reaktion der Politik auf die stark gestiegenen Energiepreise

Seit Montag können Fahrgäste das 9-Euro-Ticket an allen Fahrscheinautomaten und Verkaufsstellen erwerben oder es im Internet kaufen.

MDR (jhi,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Mai 2022 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

gambit vor 5 Wochen

In diesem Fall fahren gleich vier Unternehmen: Weser-Ems-Eisenbahn, Salzland Rail Service, InterTourex und GfF Crailsheim. Es gibt in Deutschland mittlerweile eine ganze Reihe solcher kleinerer Eisenbahnunternehmen, die i. d. R. alte Loks und Wagen der DB gekauft haben und damit des Öfteren Lücken füllen. Durch Lieferverzögerungen von neuen Zügen (z. B. in Baden-Württemberg) oder Insolvenzen von Verkehrsunternehmen (Städtebahn Sachsen, Abellio in BaWü und NRW) werden deren Dienstleistungen immer mal wieder für den Linienverkehr beansprucht. Ein weiteres Einsatzgebiet sind private Sonderzüge.

Die Ausfälle im Normalbetrieb sind zweifelsfrei ärgerlich. Teilweise könnten die Besteller der Zugfahrten noch Einfluss nehmen, indem die Strafgebühr für einen ausgefallenen Zug erhöht wird. Dann wäre eine Reserve günstiger als ein Zugausfall. Es liegt aber auf der Hand, dass es damit insgesamt teurer wird – und für die Reserve muss auch erst einmal Personal vorhanden sein.

Harka2 vor 5 Wochen

Auf einigen Nebenstrecken stehen noch ein paar vergessene offene Wagen. Ok, das sind Güterzug- oder Bauzugwagen, aber es sind Wagen. Da kann man doch ein paar Parkbänke drauf stellen.

Harka2 vor 5 Wochen

@gambit
Welche Unternehmen wären das denn dann, die Dutzende Reservezüge, Lokführer und Zugpersonal in Reserve hätten? Abelio nicht, DB Regio auch nicht, EIB noch weniger. Wenn bei den aktuellen Unternehmen mal ein Triebwagen kaputt ist oder der Lokführer erkrankt, dann fällt der Zug aus, eben weil niemand mehr Reservekapazitäten unterhält. Nicht mal DB-Fernverkehr hat irgendwo noch Ersatz-ICE versteckt.

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