9-Euro-Ticket "Aber dieses Mal war es sehr extrem": Bahn-Reisende berichten von ihren Fahrten

Durch das 9-Euro-Ticket kann es gerade an Feiertagen und an Wochenenden in den Zügen eng werden. Wir haben Reisende auf der Strecke Weimar - Naumburg gefragt, was sie am Samstag so erlebt haben.

Reisende auf Bahnsteig in Naumburg
Auch am Nachmittag war auf den Bahnsteigen zwischen Weimar und Naumburg noch viel los. Bildrechte: MDR/Christian Franke

An diesem Wochenende gibt es viele Gründe, um mit dem Zug zu fahren. Es ist Pfingstwochenende, in Naumburg und Bad Kösen ist Weinmeile und in Leipzig das Wave-Gotik-Treffen - um nur einige Beispiele zu nennen. Vor allem aber ist da ja auch noch das 9-Euro-Ticket, das das Reisen auf den Schienen für viele Menschen günstiger und damit attraktiver macht. Zumindest in der Theorie: Denn wenn alle plötzlich Bahn fahren wollen, kann es eng werden.

Reisende auf Bahnsteig in Weimar
Nicht nur auf dem Weimarer Bahnhof war am Samstag einiges los. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Das mussten auch einige Fahrgäste am Samstagvormittag feststellen, stellenweise ging nichts mehr. Mancherorts mussten Zugreisende auf die nächste Bahn warten, weil einfach kein Platz mehr in der gewählten Verbindung war. Von der Fahrradmitnahme ganz zu schweigen - da brauchte es eine gehörige Portion Glück. Wie die Reisenden den Samstag erlebt haben, wollten wir am Nachmittag auf der Strecke Weimar - Naumburg wissen. Und nach einigen Gesprächen steht fest: Jeder hat seine eigene kleine Geschichte zu erzählen.

Reisende auf Bahnsteig in Naumburg
Der Naumburger Bahnhof am Nachmittag. Die Züge sind voll, aber die Situation bleibt beherrschbar. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Eindrücke vom Bahnsteig

Wir treffen zum Beispiel Anita, Bärbel und Roswitha. Sie sind nach einem Ausflug auf die Weinmeile gut gelaunt und wir kommen ins Plaudern. "Soll ich Ihnen was sagen?", beginnt Roswitha. "Ich bin in Göschwitz, in Jena, eingestiegen, Massen von Menschen. Dann kommen meine Freunde, die steigen eine Station später ein. Die rufen uns an und sagen: "Wir wissen gar nicht, ob wir reinkommen. Sie sind reingekommen. Wir sind angekommen. Aber der Zug: Katastrophe", erzählt sie vom Vormittag. "Aber gut - war halt so. Wir haben es ertragen, alles in Ordnung", schließt sie an und lacht.

Bärbel pflichtet ihr bei. "Der Zug war schon immer etwas gefüllt, weil die Weinmeile ist halt sehr beliebt (...) aber dieses Mal war es sehr extrem", ergänzt sie. Viele seien auch gar nicht mehr mitgekommen, weil gesagt wurde, dass nur noch der Ausstieg möglich sei. Ob sie ihren Fahrschein trotzdem noch mal nutzt? "Also ich weiß nicht mit dem 9-Euro-Ticket. Es ist schon sehr speziell", sagt sie. Für die Straßenbahn in Jena "schön und gut". "Aber Zug fahren? Nein, danke".

Ähnliches hat auch Klaus erlebt. Gegen 10 Uhr morgens habe er mit seiner Reisegruppe in Erfurt einen Zug nach Leipzig nehmen wollen, sei aber gar nicht erst hineingekommen. Nun wollen sie von Naumburg aus wieder zurück und blicken - trotz der Erlebnisse am Morgen - optimistisch auf den gleich einfahrenden Zug: "Bei diesem Bahnhof hier ist das überhaupt kein Problem. Wir werden mitfahren können und haben keine Bedenken", sagt er ruhig. "Weil der Bahnhof entspannt leer ist, ganz im Gegensatz zu heute Morgen in Erfurt und Weimar."

Und tatsächlich: Am späten Nachmittag schien sich die Situation im Vergleich zum Vormittag etwas zu entspannen. Und dennoch: Die Züge waren nach wie vor gut gefüllt. Nicht jeder konnte sich über einen Sitzplatz freuen, einige saßen einfach auf dem Boden. Aber am Bahnsteig stehenbleiben musste - zumindest augenscheinlich - niemand mehr.

Mehr zum 9-Euro-Ticket

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Juni 2022 | 19:00 Uhr

28 Kommentare

Harka2 vor 16 Wochen

Die Bahnunternehmen sind rein gewinnorientiert, was ihnen nicht zu verdenken ist. Nur, Gewinn macht man mit fahrenden Zügen, ergo leistet sich heute kein Bahnunternehmen mehr Verstärungswagen oder gar Zusatzzüge. Es gibt nicht mal Ersatzzüge. Geht ein Triebwagen kaputt oder wird ein Lokführer krank, dann fällt der ganze Zug meistens komplett aus. Wir leben halt nicht mehr in den Zeiten von DB oder DR, wir haben DB Regio, DB Fern, Abelio, EIB, ...

Bria21 vor 16 Wochen

Im Zug besteht auch weiterhin Maskenpflicht allerdings nicht auf den überfüllten Bahnsteigen und im Moment denkt doch Niemand an Corona sondern genießt den Sommer voller Leichtigkeit und Leichtsinn so wie schon im letzten Jahr.

Wer glaubt im Zug in Ruhe arbeiten zu können wird wohl enttäuscht werden weil er entweder keinen Sitzplatz erwischt oder der Sitznachbar alles mitlesen kann.
Alles hat eben Vor- und Nachteile. Wer Geld sparen will oder muss wird das Ticket nutzen, wer Wert auf Bequemlichkeit, Pünktlichkeit, Privatsphäre oder gute Hygiene legt wohl eher nicht aber das wurde von der Regierung auch nicht versprochen.

lulu2020 vor 16 Wochen

Frei nach dem Motto der Deutschen Bahn"Genießen Sie ihr Leben in vollen Zügen"🤪

Bis vor kurzem bestand in Bus und Bahn noch mit am längsten Maskenpflicht, das interessiert jetzt Niemanden mehr und die Quittung bekommt man im Herbst. Bin gespannt wem man dann die Schuld gibt.

Mehr aus Thüringen