Zwischenbilanz Tausende Thüringer nutzen 9-Euro-Ticket - Weniger Nachfrage für Juli

Volle Busse und Züge und Verspätungen - so verlief in Thüringen der Start des 9-Euro-Tickets im Juni. Für Juli wurden in Thüringen bislang weniger Tickets verkauft.

Reisende auf Bahnsteig in Weimar
Der erste 9-Euro-Ticket-Monat ist rum. Die Bilanz: Die Nachfrage ist groß - die Kapazitäten aber oft begrenzt. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Nach den ersten von drei Monaten mit dem 9-Euro-Ticket haben Thüringer Nahverkehrsbetreiber eine positive Bilanz gezogen. Die Auslastung in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen das Ticket gilt, sei deutlich angestiegen. Vor allem Menschen, die sonst nicht mit Bus und Bahn fahren, seien offensichtlich umgestiegen.

9-Euro-Ticket in Thüringen: Nachfrage im Juni hoch

Das in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen aktive Bahnunternehmen Abellio Mitteldeutschland verkaufte im Juni 55.000 9-Euro-Tickets - das sind deutlich mehr verkaufte Monatstickets als vor Beginn der Corona-Pandemie. Bei den Erfurter Verkehrsbetrieben wurden bisher rund 71.800 9-Euro-Tickets verkauft.

Ticket gerne für Ausflüge genutzt

Ausgelastet waren nach Angaben von Abellio besonders die Linien, die in beliebte Ausflugs-Regionen wie das Saaletal, das Saale-Unstrut-Gebiet oder den Harz führen. Das führte gleich am ersten 9-Euro-Ticket-Wochenende an Pfingsten dazu, dass viele Züge sehr voll waren. Aber auch an den anderen Wochenenden und unter der Woche ist die Zahl der Fahrgäste laut Abellio seit Start des vergünstigten Tickets gestiegen. Auf den Strecken der Südthüringenbahn wurde zudem ein Zuwachs im Schüler- und Pendlerverkehr registriert.

Auch auf überregionalen Strecken ist laut Verkehrsministerium die Zahl der Fahrgäste deutlich gestiegen. So seien beispielsweise auf den Strecken zwischen Nürnberg - Jena - Leipzig, Erfurt - Würzburg oder Erfurt - Kassel mehr Zugreisende gezählt worden.

Fahrgäste mit Fahrrädern vereinzelt zurückgewiesen

Probleme gab es wegen der hohen Nachfrage den Angaben nach vor allem an den Wochenenden. Fahrgäste konnten zum Teil nicht mitgenommen werden, da die Züge überfüllt waren. Vor allem Reisende mit Fahrrad mussten vereinzelt zurückgewiesen werden, da der Platz für Fahrräder begrenzt ist.

In einem Fall an Pfingsten musste ein Zug durch die Bundespolizei geräumt werden, da er überfüllt war, und keine Fahrgäste freiwillig aussteigen wollten. Zudem hat das 9-Euro-Ticket aufgrund des größeren Fahrgastaufkommens zu längeren Zeiten beim Ein- und Aussteigen und dadurch zu mehr Verspätungen geführt.

Bislang weniger Nachfrage für 9-Euro-Ticket im Juli

Der große Ansturm auf ein weiteres 9-Euro-Ticket im Juli ist bei Abellio bislang ausgeblieben. Laut Unternehmen wurden bislang 5.600 Tickets verkauft. Das ist weniger als vor einem Monat. Offenbar fehle die Anfangs-Euphorie vom Juni, sagte Sprecher Stefan Dietrich. Zudem wüssten nun alle, wie es geht, und dass sie sich das Ticket auch bequem vor dem ersten Fahrtantritt kaufen können.

Trotz der bevorstehenden Sommerferien sieht Abellio derzeit keinen Spielraum mehr, um die Kapazitäten noch mehr zu erweitern. Bereits jetzt seien alle verfügbaren Züge im Einsatz. Außerdem sei das Personal begrenzt, so Dietrich. Auch bei der Südthüringenbahn sind trotz der hohen Nachfrage die Kapazitäten völlig erschöpft. Alle Fahrzeuge, die nicht unbedingt in die Werkstatt müssten, seien auf den Schienen unterwegs. Mehr gehe nicht, teilte Sprecherin Hella Tänzer mit.

Tänzer appelliert zudem an Reisende mit Fahrrad, in diesem Sommer auf das Rad wenn möglich zu verzichten, da ein Fahrrad drei Stehplätze blockiere. Fahrgäste mit Rollstuhl oder Kinderwagen hätten Vorrang, so Tänzer. Auch das Verkehrsministerium sieht derzeit keine weiteren Möglichkeiten, um zumindest auf den besonders stark nachgefragten Strecken mehr Züge einzusetzen.

Entlastungszüge unterwegs

Auf einer Strecke wurde laut Verkehrsministerium bereits auf die erhöhte Nachfrage wegen des 9-Euro-Tickets reagiert. So sind seit einer Woche auf der Strecke Leipzig-Nürnberg Entlastungszüge unterwegs. Der Franken-Thüringen-Express bedient die Bahnhöfe Jena-Paradies, Jena-Göschwitz, Rudolstadt und Saalfeld. Der zusätzliche Zug wird morgens in Richtung Nürnberg fahren und nachmittags zurück nach Leipzig. Das Angebot gibt es jeweils freitags, samstags und sonntags.

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MDR (jhi/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Juli 2022 | 08:00 Uhr

11 Kommentare

Anni22 vor 13 Wochen

@ OOO Ja das ist wahr, Berlin ist wohl einfach zu öde ;-)! Das schafft aber auch neue touristische Anreize, Urlaubsort ohne Bahn- und Busanschluß gesucht ;-)!

OOOO vor 13 Wochen

Horst, richtig, so sollte es sein, allein der Tankrabatt zeigt, es ist eine Luftnummer unserer abgehobenen Politikerkaste. ( manche von denen wissen nicht mal den ungefähren Spritpreis)
Alles irgend wie gut gemeint, aber ungerecht, so wie die Rentner von den 300€ ausgeschlossen sind, alles Klientel Politik.
Dazu kommt dann nach den 3 Monaten für 9€, eine kräftige Preiserhöhung für den ÖVNP, somit hat sich dann auch der Umstieg einiger Auto Fahrer erledigt.
Insgesamt, mein Urteil für die AMPE, Luftnummer!

Horst vor 13 Wochen

"Es sollte eine Möglichkeit schaffen, um wegen der hohen Spritpreise auf Arbeit zu kommen."

Da haben Sie etwas falsch verstanden. Es sollten alle Bürger entlastet werden, nicht nur pendelnde Autofahrer. So steht auf der Seite des Bundestages

"Mit dem Neun-Euro-Ticket sollen alle Bürger den ÖPNV bundesweit in den Monaten Juni, Juli und August dieses Jahres für neun Euro pro Kalendermonat nutzen können. Mit dem Ticket sollen die Leute einerseits wegen der stark steigenden Kosten für Strom, Lebensmittel, Heizung und Mobilität finanziell direkt entlastet werden. "

Das zweite Anliegen lautet: "Zudem soll ein Anreiz zum Umstieg auf den ÖPNV und zur Einsparung von Kraftstoffen gesetzt werden."

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