Nahverkehr Kein Ansturm und alles entspannt: 9-Euro-Ticket in Thüringen gültig

Der Run war enorm: Rund sieben Millionen der vergünstigten 9-Euro-Tickets wurden bis zum Dienstagabend deutschlandweit verkauft. In Thüringen ist das teils befürchtete Chaos im öffentlichen Nahverkehr mit dem Start am Mittwoch aber ausgeblieben. Gleichzeitig zeigt sich der Fahrgastverband Pro Bahn skeptisch, dass viele Menschen nun auch dauerhaft auf Bus und Bahn umsteigen.

Zum Start des 9-Euro-Tickets am Mittwoch hat es in Thüringen zunächst keinen Ansturm auf Busse und Bahnen gegeben. Und das, obwohl bis zum Dienstagabend bundesweit rund sieben Millionen der verbilligten Tickets verkauft worden sind.

Thüringenweit noch kein Unterschied zu spüren

An Thüringens größtem Verkehrsknotenpunkt, dem Erfurter Hauptbahnhof, lief der Betrieb am Mittwochmorgen normal. Züge und Straßenbahnen waren nicht voller als sonst.

Wie ein Sprecher der Stadtwerke Erfurt mitteilte, sei die Erfurter Verkehrsbetriebe AG (EVAG) vorbereitet gewesen und habe größere Züge eingesetzt. Bislang habe die EVAG rund 27.300 der Pauschaltickets verkauft, die jeweils einen Monat gelten.

16.500-mal ging das 9-Euro-Ticket bis zum Dienstag in Jena über die Theke. Eine Sprecherin der Stadtwerke sagte: "Der Start war sehr moderat. Heute Morgen gab es keinen signifikanten Unterschied zu anderen Tagen."

Auch in den ohnehin schon viel frequentierten Zügen auf der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Erfurt und Gera hielt sich die Auslastung in Grenzen. Am Jenaer Westbahnhof waren die Züge in Richtung Gera und in Richtung Erfurt zwar jeweils gut gefüllt - jedoch nicht stärker als an anderen Wochentagen auch.

Was, wenn das Chaos doch kommt?

Sollten die Züge in den kommenden Tagen wirklich überlastet sein, will das Thüringer Verkehrsministerium im Notfall die Zugkapazitäten erhöhen. "Während der Gültigkeitsdauer des 9-Euro-Tickets wird die Situation beobachtet und je nach Bedarf und Verfügbarkeit die Kapazitäten mit zusätzlichen Waggons erhöht", hieß es vom Ministerium in Erfurt.

Dabei liege der Fokus der Kapazitätserweiterung vor allem auf den Werktagen. An den bevorstehenden Pfingsttagen könne es allerdings zu stark erhöhtem Fahrgastaufkommen und dann auch zu Kapazitätsengpässen kommen.

Verkehrsverbund Mittelthüringen: Einfach hochschrauben geht nicht

Von Seiten des Verkehrsverbundes Mittelthüringen (VMT) hieß es jedoch, die Kapazitäten kurzfristig nach oben zu schrauben, sei nicht möglich. Geschäftsführers Christoph Heuing sagte, dazu fehle es sowohl an Fahrzeugen, als auch an Personal. "Das eigentliche Problem ist, dass der Nahverkehr in den letzten Jahren nicht in die Lage versetzt worden ist, wirklich für die Menschen da zu sein.

Generell bereitet Verkehrsunternehmen und auch dem Fahrgastverband Pro Bahn die zusätzliche Auslastung von einigen ohnehin schon vollen Zügen Sorgen. Das sei gerade auf der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Eisenach, Erfurt, Jena, Gera und Altenburg ein Problem, sagte der Vorsitzende von Pro Bahn Olaf Behr. Auch der Franken-Thüringen-Express sei schon ohne Billigticket stark frequentiert.

Da Thüringen aber wenige große Städte habe, gehe er nicht davon aus, dass es flächendeckend zu überfüllten Bussen und Bahnen kommt.

Dauerhafter Umstieg auf Nahverkehr? Fahrgastverband skeptisch

Unabhängig vom Start am Mittwoch wird aus Sicht das Fahrgastverbands Pro Bahn das 9-Euro-Ticket die Menschen in Thüringen nicht langfristig zu Nutzern von Bus und Bahn machen. "Ich glaube nicht, dass die Leute jetzt massenhaft auf die Verkehrsmittel umsteigen", sagte Vorsitzender Behr.

Der Ansatz für das Billigticket sei gut - die Umsetzung aber schlecht vorbereitet. Und dauerhaft würden ohnehin nur besser ausgebaute Angebote zu niedrigeren Preisen mehr Leute in öffentliche Verkehrsmittel locken.

dpa, MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. Juni 2022 | 18:15 Uhr

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