Finanzen Millionenbetrag vom Eichsfeldkreis bei Greensill-Bank in Gefahr

Nach dem Land Thüringen bangt jetzt auch der Eichsfeldkreis um eine Geldanlage in Millionenhöhe bei der in Schieflage geratenen Greensill Bank. Landrat Werner Henning (CDU) informierte am Mittwoch, dass der Kreis erst im Februar bei der Greensill Bank eine kurzfristige Geldanlage in Höhe von zwei Millionen Euro für drei Monate abgeschlossen habe. Die Rückzahlung solle am 10. Mai 2021 erfolgen.

Werner Henning 62, Landrat des Landkreises Eichsfeld
Werner Henning ist Landrat des Landkreises Eichsfeld. Bildrechte: imago images/Steve Bauerschmidt

Die Bankenaufsicht Bafin hat die Bremer Bank jedoch mit einem Moratorium belegt und damit alle laufenden Bankgeschäfte eingefroren. Grund sind die Probleme des Mutterkonzerns Greensill Capital, die Anfang März bekannt wurden. Hennig verwies darauf, dass Kommunen nicht als Privatkunden, sondern institutionelle Anleger gelten und daher von einer Entschädigungsleistung ausgeschlossen seien. Sollte die Zahlungsunfähigkeit der Greensill Bank festgestellt werden, drohe dem Landkreis Eichsfeld ein Ausfall seiner Geldanlage. Der Kreis erwäge dann, rechtliche Schritte einzuleiten.

Auch Ministerium will rechtliche Schritte prüfen

Beim Land Thüringen geht es laut Finanzministerium um eine gefährdete Geldanlage in Höhe von insgesamt 50 Millionen Euro. Konkret seien es zwei Termingeldanlagen über jeweils 25 Millionen Euro, die mit fester Laufzeit abgeschlossen worden waren.

Angesichts eines drohenden Verlustes von 50 Millionen Euro fordert das Thüringer Finanzministerium von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Aufklärung über die Lage der Bremer Greensill Bank. Die Bafin hatte die Bank wegen einer drohenden Insolvenz in der vergangenen Woche geschlossen. Von den Aussagen der Bafin soll das weitere Vorgehen des Freistaats abhängig gemacht werden.

Wie ein Ministeriumssprecher mitteilte, ist weiter unklar, ob Thüringen ausstehende Gelder zurück erhält. Sollte es tatsächlich zu einer Insolvenz der Bank kommen, müssen institutionelle Anleger mit einem Totalverlust rechnen. Finanzministerin Heike Taubert (SPD) sagte, das Land werde seine Forderungen mit allen möglichen Mitteln geltend machen.

Bundesweit 50 Kommunen betroffen

Erste Kommunen haben bereits Klagen eingereicht, die sich unter anderem an die Bafin richten. Diese soll verspätet vor der Situation von Greensill gewarnt haben. Greensill schuldet seinen Anlegern mehrere Milliarde Euro. Zuletzt war eine Kreditversicherung der Bank geplatzt. Bundesweit sind rund 50 Kommunen Kunden bei der Greensill Bank, darunter auch die Stadt Brotterode-Trusetal im Kreis Schmalkalden-Meiningen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Nordthüringen | 11. März 2021 | 13:30 Uhr

3 Kommentare

ule vor 14 Wochen

Wie aus einem Beitrag von Wolfgang Wlrtz Nentwig und Lars Ohlinger im SR Rundfunk-Fernsehen, "aktuelle Stunde" vom 10.03.2021 zu entnehmen ist :

Auch die ARD unterhält Einlagen, bestehend aus Kapitalansammlung und Kapitalsicherung, erwachsen aus der Gebührenfinanzierung, bei dieser Bank.

Genauer betrachtet, geschehen hier Dinge, die an unser freiheitliches Grundinteresse nagen.
Und das im Jahr der Superwahlen - Ich denke da kommt noch ein gewaltiges Stück Veränderung auf uns Menschen zu. Globalisierung und Grenzenlosigkeit fordern ihren Tribut.

Nelke vor 14 Wochen

Chile, USA, Israel, Großbritannien, Neuseeland und Australien, um nur einige Vorreiter des Neoliberalismus zu nennen, welcher in Wahrheit weder neu noch frei ist. Die Garantie der kommunalen Selbstverwaltung laut Grundgesetz wurde spätestens in den 90er Jahren immer mehr zur Theorie, die sinkende Zahl an Ge-werbesteuerzahlern verstärkte den Drang, mittels solcher Geschäfte den Haus-halt aufzubessern. Die Gemeinden und Kreise benötigen eine grundlegende Finanzierung und Ansparmöglichkeiten statt Doppik. Fördermittel sind wichtig, führen aber auch zu punktueller Verschwendung. Übrigens wird übersehen, daß die Aufblähung der Giralgeldmenge nur durch die technischen Möglichkeiten, die Natur weit über das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes verkraftbare Maß hinaus auszubeuten, überhaupt möglich ist. Die Schulden lasten nicht auf künftigen Generationen, weil gebuchte Forderungen bedient werden müssen, sondern weil heute schon die Rohstoffe für übermorgen gefördert und verbraucht werden.

part vor 14 Wochen

Tja, da ist es wieder, das Spekulationsgeschäft auf Wertschöpfung, das seit dem Mittelalter besteht und stets eine Marge an vermeintlichen Kapital bereithielt. Ob Falschmünzung oder Veränderung der Gewichtsanteile an Edelmetallmünzen, bis zu den Wechseln. Die Geldmenge gegenüber der realen Wertschöpfung ist heute zu mindestens einem Drittel aufgebläht, Abhilfe nicht in Sicht. Blasen über Blasen werden durch neue Staatsanleihen bedient, wo doch schon die Hälfte der staatlichen Infrastruktur privatisiert ist, fast weltweit und sogar auf dem afrikanischen Kontinent. Staaten, die sich diesem neoimperialen Procedere entgegenstellen, werden mit Sanktionen oder Regime Change oder Krieg belegt oder allen drei Optionen.

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