Eichsfeld Coworking-Space: Neue Art der Bürogemeinschaft in Heiligenstadt

Porträt Regionalkorrespondent Armin Kung
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wo früher Tageszeitungen gepresst wurden, können sich ab nächstem Jahr arbeitende Menschen einen Schreibtisch mieten. Ein Verein lässt derzeit eine alte Druckerei-Halle in Heilbad Heiligenstadt sanieren und zum Coworking-Space ausbauen. Was versprechen sich die Initiatoren von der typisch urbanen Arbeitsform im ländlichen Raum?

Ehemalige Fabrikhalle in Heiligenstadt
Der Coworking-Space entsteht in der Windischen Gasse 11a direkt hinter der Fußgängerzone. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Schon im 19. Jahrhundert hielten Industriearbeiter in der alten Cordier-Druckerei in Heiligenstadt die Zeitungspressen am Laufen. Ab Januar 2022 ziehen hier Kopfarbeiter mit ihren Laptops ein. Bis zu 15 Arbeitsplätze sollen entstehen. Mit Breitband-Internet, einem Seminarraum, einer Telefonkabine und einem Getränkebereich. Kaffee-Flatrate inklusive.

Ehemalige Fabrikhalle in Heiligenstadt wird für Bürogemeinschaft saniert
Der zukünftige Coworking-Space in Heiligenstadt wird derzeit saniert. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Arbeit in der Heimat statt in Berlin

Der Verein "Coworking Eichsfeld" ist Gründer und Betreiber der neuen Räume. Eines der Mitglieder ist der Informatiker Claudio Garcia. Er selbst ist bei einem IT-Unternehmen in Berlin angestellt. Auch für ländliche Regionen mache ein Space Sinn, sagt Garcia. Normalerweise ziehen junge Menschen für die Arbeit weg.

Coworking ist dagegen ein neues Angebot für arbeitende Menschen auf dem Land: "Seit Corona habe ich viel in Heiligenstadt im Homeoffice gearbeitet. Ein Coworking-Space bedeutet für mich, dass ich in meiner Heimat vollwertig arbeiten kann, ohne nach Berlin wegziehen zu müssen." Coworking sei eine typische urbane Arbeitsweise.

Mann steht auf einer Baustelle für eine neue Bürogemeinschaft in Heiligenstadt
Claudio Garcia ist Mitglied im Coworking Verein, ist selbst Informatiker und arbeitet (noch) im Home Office für eine Berliner Firma. Im Januar soll der Space öffnen. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Start-Up-Unternehmer, Freiberufler, Informatiker oder Texter gehören zum Beispiel zum klassischen Klientel. Die Atmosphäre ist betont informell und locker. Doch auch für Handwerker, klassische Angestellte oder Landwirte könne ein Space Sinn ergeben, so Garcia. "Es ist einfach ein Ort für einen Tapetenwechsel, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, sich inspirieren zu lassen und Netzwerke aufzubauen."

Saal einer alten Druckerei in Heiligenstadt auf einem Foto aus dem Jahr 1905
Der künftige Coworking-Space war seit dem 19. Jahrhundert eine bekannte Druckerei in Heiligenstadt. (Foto aus dem Jahr 1905) Bildrechte: Claudio Garcia

Coworking-Space 24/7 geöffnet

Wer sich in der Windischen Gasse in Heiligenstadt einmieten will, soll aus verschieden Tarifen auswählen können. Ein Tagesticket soll ungefähr 15 Euro kosten. Wer einen festen Schreibtisch mit eigenen Ablagen haben möchte, bezahlt 200 Euro im Monat. Hauptsache flexibel ist auch das Motto für die Öffnungszeiten. Coworking Eichsfeld soll 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche offenstehen. Der Zugang soll per Code jederzeit möglich sein.

Bisher sind neun Gründungsmitglieder beim Coworking-Verein dabei, die regelmäßig in der alten Druckerei arbeiten wollen. Claudio Garcia hofft auf weiteren Zulauf: "Wir rechnen derzeit mit zehn bis 15 Leuten, die in der ersten Zeit hier arbeiten wollen."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 25. Oktober 2021 | 17:30 Uhr

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