60. Jubiläum Steine der Hoffnung zur Frauenwallfahrt auf dem Kerbschen Berg

300 Frauen aus dem Bistum Erfurt sind zur 60. Frauenwallfahrt auf dem Kerbschen Berg in Dingelstädt gekommen. Wer nicht ins Eichsfeld kommen konnte, war beim Livestream dabei. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ermutigte die Wallfahrerinnen zu Solidarität.

Einzug der Geistlichen.
Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ermutigte die Wallfahrerinnen zu Solidarität. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Am Sonntag sind 300 Frauen zum Kerbschen Berg in gepilgert. Die Katholikinnen nahmen in Dingelstädt an der 60. Frauenwallfahrt teil. Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr ermutigte die Wallfahrerinnen zu Solidarität. "Die Kontaktbeschränkungen lähmen; wir sehnen uns nach dem alten Leben", sagte Bischof Ulrich Neymeyr. "Alle direkt oder indirekt von Covid-19 Betroffenen brauchen unseren Trost und die Hoffnung kann tatsächlich das Leben der Menschen verrücken", predigte der Bischof. Er rief die Frauen zur Solidarität auf. Mit einem Gruß aus dem Fenster, einem Telefonat oder einem Brief sei das möglich. Es seien "verrückte Zeiten und "vieles ver-rückt".

Bischof Ulrich Neymeyr spricht.
Bischof Neymeyr am Sonntag bei seiner Predigt auf dem Kerbschen Berg in Dingelstädt. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Steine als Symbole für Schweres im Leben

Die Wallfahrtsteilnehmerin hatten zum Gottesdienst einen Stein mitgebracht, als Symbol für das, was im Leben gerade alles schwer ist. Im Gottesdienst trugen sie die Steine gemeinsam zum Altar, um sie später wieder mit einem Aufkleber der Hoffnung abzuholen und mit nach Hause zu nehmen. Ein Gebetsheft und mitgebrachte Klappstühle erinnerten an die Wallfahrten vor der Pandemie. Was aber fehlte, waren Picknickkörbe, die Begegnungen nach dem Gottesdienst, die Busse am Klostergelände. Bis zu 1.800 Frauen kamen früher zu "ihrer" Wallfahrt auf den Kerbschen Berg.

60. Frauenwallfahrt auf dem Kerbschen Berg.
Die Wallfahrtsteilnehmerin hatten zum Gottesdienst einen Stein mitgebracht, als Symbol für das, was im Leben gerade alles schwer ist. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Strenges Hygienekonzept umgesetzt

Dieses Mal wurde der Gottesdienst in den Klosterhof gelegt, um das Hygienekonzept einhalten zu können: Ein- und Ausgang getrennt; viel Abstand und Masken beim Beten. Kein Gesang, dafür Livemusik. Trotzdem: Die Frauen sind bei ihrer Wallfahrt im Vorteil gegenüber den Männern, sagte Bischof Ulrich Neymeyr. Es sei etwas Besonderes, dass "wir uns hier versammeln können."

eine Trage mit Steinen wird von Frauen zum Altar gebracht
Zum Schluss trugen die Frauen die Steine auf einer Trage zum Altar. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Stärkung und Hoffnung sind wichtig

Auch Bistums-Frauenseelsorgerin Annegret Rhode war froh, weil sich im Moment gerade ganz viel "verrückt" hat: "Es ist schön, dass wir gemeinsam den Gottesdienst mit Abstand feiern und uns im Gebet versammeln konnten". Das Wallfahrtsmotto "Hoffnung verrückt Leben" sei aus dem Leben gegriffen. Sie sei froh über jede Gelegenheit zu gemeinsamen Gebeten und verantwortungsvolles Zusammenkommen, die sich im Moment biete. Das Schwere ablegen und mit neuer Stärkung sowie Hoffnung nach Hause zu gehen, sei im Moment wichtig.

Hände, die einen Stein und ein Buch halten mit dem Leitwort:   HOFFNUNG  VERRÜCKT  LEBEN
Die 60. Frauenwallfahrt ins Eichsfeld steht unter dem Motto "Hoffnung verrückt Leben". Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Bei Premiere Männer nicht erwünscht

Bei der ersten Wallfahrt vor 60 Jahren waren Männer, für die es eine eigene Wallfahrt gab, ausdrücklich nicht erwünscht. Am 16. Juli 1961 mussten sie sich daheim um das Mittagessen und die Kinder kümmern, während 10.000 bis 12.000 katholische "Frauen, Jungfrauen und Mädchen" an "ihrer" Wallfahrt teilnahmen.

Die Frauen haben damals die Idee einer Frauenwallfahrt "mit den Füßen begrüßt". Denn es gab durchaus Bedenken, als der damalige Pfarrer von Gernrode und Frauenseelsorger für das Eichsfeld, Heinrich Siebert, das Vorhaben einer Frauenwallfahrt vorantrieb. Aber die Möglichkeit, aus den Alltagszwängen in der DDR heraus zu treten und Gemeinschaft und Bestärkung im Glauben zu erfahren, ist von den Frauen gerne angenommen worden.

Aus Wiederholung wurde Tradition

Die große Beteiligung an der ersten Wallfahrt führte zur Wiederholung im darauffolgenden Jahr, die Wiederholung zur Tradition. Und wenn aus politischen Gründen die offizielle Einladung zu Zeiten der DDR nur an Frauen im Eichsfeld gerichtet war, kamen die Teilnehmerinnen auch aus den angrenzenden Regionen, ja aus ganz Thüringen. Faktisch war die Wallfahrt für die Eichsfelder Frauen immer schon so etwas wie eine Bistumswallfahrt.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Mai 2021 | 15:00 Uhr

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