Überraschender Antrag Urteil nach Überfall auf Journalisten verzögert sich um Wochen

Der Prozess um den Überfall auf zwei Journalisten vor vier Jahren in Fretterode im Eichsfeld verzögert sich wahrscheinlich bis in den Juli. Grund ist ein überraschender Beweisantrag.

Die beiden Angeklagten kommen in den Gerichtssaal des Landgerichts.
Die beiden Angeklagten im Prozess um einen Überfall in Fretterode. Der Prozess verzögert sich weiter. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Im Prozess um den Überfall auf zwei Journalisten vor vier Jahren in Fretterode hat die Nebenklage überraschend einen Beweisantrag gestellt. Damit verzögert sich der Prozess am Landgericht Mühlhausen um mehrere Wochen.

Eigentlich sollte am Montag die Beweisaufnahme abgeschlossen werden und die Staatsanwaltschaft plädieren. Nun soll der Prozess am 25. Mai weitergehen und bis mindestens Juli dauern. Eigentlich waren in dieser Woche Plädoyers und dann Mitte Mai das Urteil erwartet worden. Der Prozess läuft bereits seit September vergangenen Jahres.

Nebenkläger wollen politischen Hintergrund beleuchten

Mit dem 200 Seiten umfassenden, neuen Beweisantrag wollen die beiden Nebenkläger die politischen Beweggründe und Ziele der beiden Angeklagten bei der Tat im April 2018 deutlicher herausarbeiten. "Die menschenverachtenden und rassistischen Motive müssen aufgeklärt werden und bei der Strafzumessung berücksichtigt werden", sagte Nebenkläger-Anwalt Sven Adam. In den bisherigen 26 Verhandlungstagen hätten diese Punkte kaum eine Rolle gespielt; bisher nur bei der Einlassung der Angeklagten.

Nebenkläger-Anwalt Adam zählte eine Vielzahl neonazistischer Aktivitäten beider Angeklagten auf; diese verdeutlichten die gewaltbereite Einstellung und rechtsextreme Gesinnung. Auch der Ruf "Das sind Zecken" während des angeklagten Überfalls sei ein deutlicher Hinweis. Die Gewaltbereitschaft richte sich aber nicht nur gegen Andersdenkende, sondern vor allem gegen Linke und Journalisten, so Adam.

Mehrere Fotos zeigten die Gewaltbereitschaft des 28 Jahre alten Angeklagten, der auch Mitglied der "Arischen Bruderschaft" sei. Auch der 22 Jahre alte Mitangeklagte stelle sich in sozialen Netzwerken mit seiner rechtsextremen Gesinnung zur Schau.

Angriff mit Baseballschläger und Messer

In dem Prozess müssen sich zwei junge Männer wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes verantworten. Sie sollen im April 2018 zwei Journalisten mit einem Baseballschläger und einem Messer attackiert haben, als diese vor dem Haus des Rechtsextremisten Thorsten Heise fotografierten. Heise ist stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD.

Angeklagte räumen Tat teilweise ein

Den beiden Angeklagten wird zur Last gelegt, 2018 die Journalisten angegriffen zu haben, ohne zuvor von ihnen attackiert worden zu sein. Die beiden Journalisten waren bei dem Überfall schwer verletzt worden.

Die Angeklagten hatten die Tat zum Prozessauftakt zwar teilweise eingeräumt, sie aber als Notwehr dargestellt. Sie werden der rechtsextremen Szene zugeordnet.

Mehr zum Fretterode-Prozess

MDR tze / (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 09. Mai 2022 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

Fakt vor 8 Wochen

@Thomas S.:

Wieso "belagert"? Solangs die Journalisten sich auf öffentlichem Grund befinden, hat niemand das Recht, sie zu vetreiben - auch nicht der Hausbesitzer oder dessen Schergen. Und auch das Fotografieren, auch des Hauses, ist im Sinne der Panoramafreiheit legal und legitim, solange keine Hilfsmittel wie beispielsweise Leitern um über Hecken Bilder zu machen.
Sie können sich Ihre Relativierungen folglich sparen.

Funkwerker vor 8 Wochen

"Belagert" - lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf!
Wenn alle Menschen so denken würden, dann würde es Google-Earth nicht geben, dafür viele schrottreife Fahrzeuge und verletzte Fahrer.
Für mich ein allzu plumper Versuch, um von Ihren Gesinnungsgenossen abzuleneken und die Straftaten zu verharmlosen.

Thomas S. vor 8 Wochen

Rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Beweggründe sind verabscheuungswürdig. Aber wenn jemand mein Haus belagert, dann vertrieb ich ihn eigentlich- Glatze hin oder her- weil er mir nachstellt und nicht weil ich ihn verachte weil er dick, schwarz oder krumbeinig ist. Da tappt die Nebenklage in diesem Fall möglicherweise in einen ideologischen Fehler.

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