Fretterode-Prozess Angriff auf Journalisten: Opfer schildert vor Gericht große Angst

Mehr als drei Jahre ist es her, dass zwei Journalisten im thüringischen Eichsfeld bei der Recherche attackiert und schwer verletzt wurden. Diese Woche hat vor dem Landgericht Mühlhausen der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen - sie gelten als Rechtsextreme. Am Donnerstag sagte eines der Opfer aus.

Prozessbeteiligte im Gerichtssaal
Mehr als drei Jahre hat es gedauert, bis der Prozess um die Vorfälle in Fretterode eröffnet wurde. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Einer der beiden Journalisten, die vor mehr als drei Jahren im Raum Fretterode angegriffen wurden, hat im Prozess seine große Angst während und auch noch nach dem Überfall geschildert. Zwei Männer hätten ihn und seinen Kollegen völlig unvermittelt überfallen und schließlich schwer verletzt, sagte der 29-Jährige am Donnerstag bei der Fortsetzung des Prozesses. Nach dem Ende der Konfrontation, als er auf die Polizei und den Rettungsdienst wartete, habe er noch minutenlang große Angst gehabt, "dass die beiden zurückkommen und das zu Ende bringen", sagte er.

Die 22 und 27 Jahre alten Angeklagten werden der rechten Szene zugeordnet. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen wirft ihnen Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und schweren Raub vor.

Journalisten hatten in Fretterode recherchiert

Fretterode liegt im Norden Thüringens, im Landkreis Eichsfeld. Ausgangspunkt des Überfalls im April 2018 war eine Recherche der beiden Journalisten in dem Ort in der Nähe des Grundstücks des bekannten Rechtsextremen Thorsten Heise. Heise ist unter anderem stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD. Die beiden Angeklagten hatten die Tat zum Prozessauftakt teilweise eingeräumt, sie aber gleichzeitig als eine Art Notwehrakt dargestellt.

Unter anderem in einem Detail widersprach der Journalist den Darstellungen der Angeklagten in dem Verfahren. Diese hatten zum Prozessauftakt erklärt, die Journalisten hätten einen Baseballschläger bei sich gehabt - und einer der Journalisten habe ihn schließlich auch gegen sie eingesetzt. Den Baseballschläger habe der Journalist aus dem Auto geholt, mit dem die beiden in Fretterode unterwegs waren, so die Darstellung des Angeklagten. Auch am Donnerstag bekräftigten die Angeklagten während einer Befragung durch das Gericht und die Staatsanwaltschaft diese Version des Tatablaufs.

Journalist widerspricht der Aussage des Angeklagten

Der Journalist dagegen sagte, der 27 Jahre alte Angeklagte habe den Baseballschläger bei sich gehabt und aus seinem Auto geholt. Mit diesem Fahrzeug hatten die Angeklagten die Journalisten nach übereinstimmenden Angaben zunächst verfolgt. Mit dem Baseballschläger habe der 27-Jährige dann begonnen, auf ihn einzuschlagen, sagte der Journalist. Das erste Mal habe er ihn damit am Oberschenkel getroffen. "Mit dem zweiten Schlag habe ich den Baseballschläger dann mit dem Händen abgefangen und ihn ihm entrissen." Anschließend habe er ihn genutzt, um den anderen Angreifer davon abzuhalten, seinen Kollegen mit einem Messer zu attackieren.

Opfer erlitten schwere Verletzungen

Der zweite Journalist erlitt nach den Erkenntnissen der Ermittler bei der Auseinandersetzung eine Stichwunde am Oberschenkel. Der andere Journalist wurde nach eigenen Angaben durch einen Schlag mit einem großen Schraubschlüssel so schwer am Kopf verletzt, dass er einen Schädelbruch davontrug.

Den Baseballschläger habe er schließlich nicht mehr hergegeben, sagte der Journalist während seiner Zeugenaussage - auch nicht in den 20 Minuten, in denen die beiden nach dem Überfall auf die Rettungskräfte gewartet hätten. "Ich habe die ganze Zeit den Baseballschläger in der Hand gehabt, aus Angst, dass die beide zurückkommen."

Urteil im Oktober erwartet

Die beiden Angeklagten müssen sich nun wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung und wegen Raubes verantworten. Während des Übergriffs sollen die Angreifer auch eine Kamera samt der dazugehörigen Ausrüstung gestohlen haben. Für den Prozess sind bislang insgesamt elf Verhandlungstage bis Mitte Oktober angesetzt. Dass der Prozessbeginn mehrfach verschoben werden musste, lag nach Angaben des Landgerichts an der Corona-Pandemie.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. September 2021 | 17:00 Uhr

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