Angriff auf Journalisten Fretterode-Prozess: Staatsanwaltschaft legt Revision gegen Urteile ein

Einen Tag nach den Urteilen im Prozess um einen gewaltsamen Angriff auf Journalisten in Fretterode im Eichsfeld hat die Staatsanwaltschaft am Freitag Anträge auf Revision eingereicht. Das Urteil soll vom Bundesgerichtshof in höherer Instanz geprüft werden.

Prozessbeteiligte im Gerichtssaal
Der Fretterode-Prozess war am Donnerstag mit einer Bewährungsstrafe für den älteren und Sozialstunden für den jüngeren Angeklagten zu Ende gegangen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Das Urteil zum Überfall auf zwei Journalisten in Fretterode im Eichsfeld soll vom Bundesgerichtshof überprüft werden. Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben von Staatsanwalt Benedikt Ballhausen am Freitag Revision gegen das Urteil des Mühlhäuser Landgerichts vom Donnerstag eingelegt.

Staatsanwaltschaft: Zweifel am Urteilstenor und Strafmaß

Die Staatsanwaltschaft habe Zweifel am Urteilstenor und demzufolge am Strafmaß. Auch seien die politischen Motive der 23 und 28 Jahre alten Angeklagten aus der rechtsextremen Szene nicht berücksichtigt worden. Die Staatsanwaltschaft sei der Überzeugung, dass die Kamera der beiden Geschädigten von den Angeklagten weggenommen wurde und sie deshalb auch wegen gemeinschaftlich schweren Raubes zu verurteilen sind.

Fretterode-Prozess: Urteil unter Forderung der Staatsanwaltschaft

Der Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und vier Monate Haft für den 28-Jährigen und ein Jahr und neun Monate Haft auf Bewährung für den 23-Jährigen gefordert. Den Mühlhäuser Richtern fehlten die Beweise für einen Raub oder Diebstahl. Sie hatten die Angeklagten wegen Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der 28-Jährige erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung. Der jüngere der beiden rechtsextremen Angeklagten muss 200 Arbeitsstunden leisten. Er ist nach Jugendstrafrecht verurteilt worden.

Strafmaß löst Empörung aus - Nebenklage kündigt Revisionsanträge an

Das Strafmaß von einem Jahr Haft auf Bewährung und 200 Sozialstunden hatte insbesondere bei der Nebenklage, aber auch bei Journalistenverband und Landespolitikern Empörung ausgelöst. Die Anwälte der beiden Angegriffenen hatten ebenfalls Revisionsanträge angekündigt. Dafür haben sie eine Woche Zeit.

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MDR (ls)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. September 2022 | 11:00 Uhr

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