Konzert bei 3G+ Trotz Corona-Warnstufe 3: Heiligenstadt will neue Fußgängerzone groß feiern

Thomas Kalusa
Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Trotz der hohen Corona-Zahlen will Heiligenstadt die neue Fußgängerzone feierlich eröffnen und Tausende Menschen einlassen. Zur Eröffnung tritt die Kölner Band Höhner auf. Gäste müssen gemäß der 3G+-Regel geimpft oder genesen sein oder ein negatives PCR-Test-Ergebnis nachweisen.

Fußgängerzone mit hellem Pflasterstein und Geschäften in bunten Altbauten.
Die neue Fußgängerzone in der sanierten Wilhelmstraße soll feierlich eröffnet werden. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Rund 370 Menschen sind im Eichsfeld in den vergangenen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion registriert worden. Die Inzidenz liegt weit jenseits der 300. Trotzdem will die Stadt Heiligenstadt ab Mittwoch mit Tausenden Menschen in der Innenstadt die neue Fußgängerzone einweihen.

Maximal 3.000 Menschen sollen beispielsweise am Mittwochabend auf die Wilhelmstraße kommen und beim Konzert der Kölner Musikband Höhner dabei sein. Und das einen Tag vor Faschingsbeginn. Ohne Maske, ohne Mindestabstand, aber mit strengen Kontrollen am Eingang. Denn bei der Feier auf dem "Wilhelm" gilt ab 18 Uhr 3G+. Zugang haben also nur Geimpfte und Genesene sowie Gäste, die einen aktuellen negativen PCR-Test vorweisen können.

Stadt will Gedränge vermeiden und Nachweise kontrollieren

Bürgermeister Thomas Spielmann sagte MDR THÜRINGEN, er habe ein gutes Gefühl, dass das funktioniert. Vor sechs Wochen musste sich die Stadt entscheiden, ob sie das Wagnis einer großen Einweihungsparty eingehen will, da waren die Inzidenzzahlen noch weit unten. Verträge wurden unterzeichnet. 50.000 Euro kostet die Fete die Stadt. Der Eintritt ist frei. Und nun wird die Eröffnungsfeier auch durchgezogen.

Mann mit schwarzer Brille in Jeans und weißem Hemd wird in einer Fußgängerzone vor einem Altbau von einem Mann und einem Kameramann interviewt.
Bürgermeister Thomas Spielmann beim Interview in der neuen Fußgängerzone. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Vor den Bühnen gibt es extra Logen, um Gedränge direkt vor den Musikern zu verhindern. Ein externer Sicherheitsdienst zählt zudem die Gäste und kontrolliert Impf-, Genesenen- sowie Testnachweise. Spielmann räumte ein, dass ein PCR-Test natürlich nicht mal eben zu machen sei. Der sei vor allem für die Schausteller gedacht. Denn beim PCR-Test wartet man in der Regel rund 24 Stunden auf das Ergebnis - und er ist teuer. Innerhalb der gesetzten Grenzen soll dann aber in Heiligenstadt richtig gefeiert werden. Mit drei Bühnen, Straßenmusik, Karussell und zahlreichen kulinarischen Angeboten.

Wilhelmstraße zwei Jahre lang saniert

Zwei Jahre war an der neuen Wilhelmstraße gebaut worden. Meter für Meter war die Straße auf ganzer Breite aufgerissen worden - drei Meter tief. Anlass waren vor allem gelegentliche Überflutungen der Einkaufsstraße, deren Abflussrohre bei der letzten Sanierung 1988 zu klein bemessen worden waren. Der erneute Umbau mit einer größeren Kanalisation, zahlreichen, fast futuristischen Sitzgelegenheiten, Spielfeldern und einem bunten Pflaster hat um die zehn Millionen Euro gekostet.

Die Bauarbeiter haben ihren Job nach Ansicht der Ladeninhaber entlang der Straße gut gemacht. Mit kleinen Brücken und schnell aufgeschütteten Wegen war auch in der zweijährigen Bauphase fast jedes Geschäft zu erreichen. Manchmal kam es nur zu Schließungen von einer halben Stunde, wenn vor den Schaufenstern gebaut wurde. Fast alle Händler konnten ihren Standort halten. Es sei fast ein Glück, dass der Umbau und Corona zusammenfielen, sagte Bürgermeister Spielmann. Corona-Hilfen hätten dafür gesorgt, dass der Kundenschwund etwas ausgeglichen wurde.

Statue und Holzsitz in einer hell gepflasterten Fußgängerzone.
Auch Kunst gibt es auf der neuen Wilhelmsstraße in Heiligenstadt. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Feier mit Schaustellern und Höhner-Konzert

Das Fest ist unter den genannten Bedingungen frei für Jedermann. Tagsüber ist die Einhaltung von 3G+ nicht erforderlich, aber Masken sind etwa beim Karussellfahren empfohlen. Ein Kartenverkauf findet nicht statt.

Los geht es am Mittwoch um 14 Uhr mit der feierlichen Eröffnung durch Bürgermeister Spielmann und der Einsegnung der Fußgängerzone durch Probst Hartmut Gremler. Ab 16:30 Uhr betritt dann die Band Stromfrei die Bühne am Rathaus. Abends ab 18 Uhr gilt für alle Veranstaltungen die Begrenzung auf 3.000 Besucher. Mittwoch ab 19 Uhr werden dann, mit 3G+, die Höhner für Stimmung in der Eichsfelder Karnevalshochburg sorgen.

Fasching kann man auch am Donnerstag ab 17:11 Uhr miterleben, wenn der Heiligenstädter Karnevalsverein versuchen wird, das Rathaus zu besetzen. Nebenbei gibt es Castellos Puppentheater, Wirtshaus-Comedy und Kinderdisco, bevor am Freitag ab 19 Uhr die United4, die nach eigener Ansage  "Härteste Tanzkapelle of the World", die Einweihung der Wilhelmsstraße beendet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 08. November 2021 | 17:30 Uhr

12 Kommentare

Agnostiker vor 10 Wochen

"Die Veranstaltungsteilnahme ist nicht Pflicht."
Richtig. Dann sollte aber die Intensivmedizinische Versorgung auch nicht für jeden Pflicht sein. 007 übernehmen Sie!

Harka2 vor 10 Wochen

Heiligenstadt ist nun nicht gerade eine Boomtown in Thüringen, dass ist eher der Ar... der Welt. Da liegen auch nicht mal eben 50.000 € in der Portokasse zum verschleudern, die Stadt kämpft ums Überleben. Ja, sie ist schön, top saniert und sie hat so einiges zu bieten, ich wünsche ihr allen Erfolg, nur sieht die Realität in diesem toten Teil Thüringens anders aus. Keine nennenswerte Industrie, Abwanderung, abgehängt vom Fortschritt, keine Perspektive für junge Leute. Heiligenstadt kann man besuchen und man wird sich dort nicht langweilen, bei einem Besuch. Länger bleiben will da niemand. Ich bedauere das, aber so sieht die Realität aus.

Erichs Rache vor 10 Wochen

@martinh

Es muss Ihnen nicht befremdlich vorkommen, dass die Stadtoberen vor 6 Wochen aufgrund der damaligen Infektionszahlen eine Entscheidung gefällt haben.

Diese 50.000 € sind nun wirklich ein "Klacks" für die Stadt, wären aber zugegeben "vermeidbar" gewesen, wenn die Thüringer Tourismus GmbH, die touristische Marketingorganisation des Freistaates Thüringen mal endlich ihre Arbeit machen würde.

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