Kinder- und Freizeittreff Aus nach 35 Jahren: Weil Leiter Gerhard Wedekind in Rente geht, schließt der "Club Dingelstädt" vorerst

Er gehörte zum Kinder- und Freizeittreff wie der markante Name: Gerhard Wedekind, Leiter des "Club D" in Dingelstädt, geht nach 35 Jahren in Rente. Es gibt Verhandlungen mit einem neuen Träger, doch dem fehlt Personal.

Jugendclub Dingelstädt
Über drei Jahrzehnte war Gerhard Wedekind im Dingelstädter "Club D" verantwortlich. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Mit einer Faschingsfeier im Kinosaal ist am Montag im Dingelstädter "Club D" eine Ära zu Ende gegangen. Nach fast 35 Jahren hat der langjährige Leiter Gerhard Wedekind ein letztes Mal die Tür am "Club D", so die Abkürzung für "Club Dingelstädt", abgeschlossen. Der 64-Jährige geht Ende März in den Ruhestand, bis dahin macht er Urlaub.

Neubau ab 1979

Begonnen hat die Geschichte von "Club D" Ende der 1970er-Jahre. Damals war eine Gruppe Jugendlicher viel unterwegs, lief von Dorf zu Dorf zum Tanz oder Konzert. Irgendwann organisierten die jungen Eichsfelder selbst Veranstaltungen in verschiedenen Häusern in ihrer Heimatstadt Dingelstädt und nannten sich "Club D".

Nach einigen Eingaben beim damaligen DDR-Ministerrat wurde 1986 das eigene Clubgebäude gebaut. Gemeinsam mit Firmen packten die Jugendlichen mit an und feierten im Mai 1987 die Einweihung der neuen Räume. Als erster Film lief "Star Trek", das erste Spiel war ein Billardtisch. Draußen entstand eine Kegelbahn, später kamen weitere Angebote wie Spielplatz, Grillecke und eine Skaterbahn dazu. Ende der 1980er-Jahre zählte der Club jährlich bis zu 25.000 Besucher, zuletzt waren es zwischen 10.000 und 15.000.

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Die Skaterbahn des "Club D" prägt die Außenanlage des Jugendclubs. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Vielfältiges Club-Programm

Auf dem Club-Programm standen Lesungen und Vorträge, aber auch Kino für Familien und Senioren. "Wer eine echte Kinoatmosphäre erleben wollte, ist nach Göttingen oder Mühlhausen gefahren", sagt Gerhard Wedekind. Mit 29 Jahren hat er hauptamtlich im Club angefangen zu arbeiten. Insgesamt 12.744 Stunden, verkündete Dingelstädts Bürgermeister Andreas Fernkorn (CDU), als er in der vergangenen Woche im Stadtrat seinen aktuell dienstältesten Mitarbeiter feierlich verabschiedete.

Kinder liebten ihren "Gerhard"

Die Kinder aus den benachbarten Grund- und Regelschulen liebten ihren "Gerhard".  Das "Du" gehörte dazu und auch der Vorname, sagt Gerhard Wedekind. An sechs Tagen pro Woche war der Club geöffnet. Die Kinder kamen drei bis vier Mal pro Woche zum Spielen, Hausaufgaben machen, Feiern und Spaß haben.

"Weil wir alles dürfen, kommen wir gern her", schwärmten die elfjährigen Stammgäste. Gerhard Wedekind baute mit ihnen, bastelte oder schmiss die Musikbox an. Er redete mit seinen Gästen und machte den Kindern Mut, zeigte ihnen, wie man sturzfrei über die Skaterbahn fährt. Er begeisterte sie fürs Kegeln oder die Modelleisenbahn im Keller.

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Bei den Kindern ist der "Club D" vor allem wegen seiner zahlreichen Freizeitangebote beliebt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Kino zieht um

Für das Kino aus dem "Club D" gibt es bereits neue Pläne. Das zieht in das Dachgeschoss des Bürgerhauses und gehört künftig zur dortigen Bibliothek. Gerhard Wedekind will auch dort gern mal vorbeischauen, als Gast und Filmekenner.

Der Dingelstädter Bürgermeister Andreas Fernkorn hofft nun, dass nach der Schließung des "Club D" die "Villa Lampe" in Heiligenstadt in die Bresche springt. Der anerkannte Träger der Kinder- und Jugendhilfe kümmert sich seit 30 Jahren im Eichsfeld um solche Freizeitangebote. Derzeit fehlt aber auch der "Villa" das Personal.

MDR (tta,jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 28. Februar 2022 | 05:45 Uhr

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