Salzabbau Thüringen hat Australiern noch keine Kali-Probebohrungen genehmigt

Ein Erkundungsunternehmen aus Perth plant im Südharz das Kali-Vorkommen zu untersuchen. Noch wurden keine Probebohrungen beim Land Thüringen beantragt. Die Treuhand hatte dort einst die Bischofferodaer Grube abgewickelt.

Ein Förderband für Steinsalz im Bergwerk Heringen
Ob im Südharz wieder Salz aus der Erde geholt wird, steht derzeit noch nicht fest. Probebohrungen wurden angekündigt, aber noch nicht beantragt. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Andreas Metzmacher

Das Land Thüringen hat aktuell noch keine Probe-Bohrung der australischen Davenport Resources Ltd (Perth) im Südharz genehmigt. Ein Sprecher des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz sagte MDR THÜRINGEN, ein Antrag dazu sei noch nicht eingegangen. Das Unternehmen will im Südharz Kali-Kernproben an zwei bis drei Stellen aus 600 bis 850 Meter Tiefe gewinnen. Die australische Projektentwicklungsfirma hatte vor wenigen Wochen angekündigt, der Genehmigungsprozess habe bereits begonnen.

Zeitung: Gut sechs Millionen Euro für Probebohrung gesammelt

Für die Probebohrung hat Davenport laut "Handelsblatt" Ende vergangenen Jahres zehn Millionen australische Dollar (rund 6,4 Millionen Euro) eingeworben. Fällt die Analyse der Salzproben positiv aus, soll die Machbarkeitsstudie bis 2023 ausgearbeitet werden. Auch der Betrieb eines Kalibergwerks wird nicht ausgeschlossen. Geplant ist, Kalisalze zu fördern und daraus eine Million Tonnen Dünger pro Jahr zu produzieren. Vorstandschef Chris Gilchrist sagte, sein Unternehmen wolle das Potenzial dieses Reviers für eine künftige Nutzung neu bewerten.

Traktor auf Feld im Licht tiefer Sonne mit kargen Bäumen im Hintergrund und großer Staubentwicklung
Das Kalisalz aus dem Südharz soll zu Dünger verarbeitet werden, falls ein Abbau beginnt. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/blickwinkel

Die Projektentwicklungsfirma aus Melbourne sieht im Südharz enormes Potential und hat sich verschiedene Bergbau- und Explorationslizenzen für Kalivorkommen gesichert. Nach Unternehmensangaben werden die Vorkommen im Südharz auf einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern auf mehr als fünf Milliarden Tonnen Rohsalz geschätzt. Gilchrist geht in einem optimistischen Szenario davon aus, bereits 2025/26 die ersten Tonnen Kalisalze aus der Erde holen zu können. Dafür müssen aber alle Genehmigungen und der Bau eines Bergwerks reibungslos ohne Klagen beispielsweise von Umweltschützern funktionieren.

Umweltschützer sehen Pläne kritisch

Der BUND Thüringen steht den Plänen für ein neues Kali-Bergwerk schon jetzt skeptisch gegenüber. Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel sagte MDR THÜRINGEN, die bisherige Kaliproduktion in Thüringen erzeuge Ewigkeitslasten für Generationen durch Gewässerverunreinigung und riesige Salzhalden. "Ein neues Bergwerk darf nur genehmigt werden, wenn im Voraus zweifelsfrei geklärt ist, dass die Produktionsrückstände ohne Belastung von Mensch und Umwelt entsorgt werden können. Bei der geplanten Einleitung von salzhaltigen Abwässern in alte Gruben sind Zweifel an der Umweltverträglichkeit und Sicherheit dieses Entsorgungsweges bisher nicht ausgeräumt."

Suche unweit vom einstigen Revier bei Bischofferode

Eine Fläche, unter der nach Kali gesucht wird, grenzt nach Angaben des Unternehmens an das frühere Kalibergwerk in Bischofferode an. Die Grube wurde trotz der Proteste der Kumpels in den 1990er-Jahren von der Treuhandanstalt geschlossen. Für viele Menschen sind die Wunden von damals noch immer nicht verheilt, das hat eine nicht repräsentative Umfrage von MDR THÜRINGEN in der Region gezeigt.

Auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wie Kirchworbis, Haynrode und Brehme im Eichsfeldkreis haben laut ihres Gemeinschaftsvorsitzenden Dirk Böning durchaus noch Klärungsbedarf. In dieser oder der nächsten Woche wollen sie über das Thema sprechen, so Böning. Ihm sei beispielsweise die Firmenkonstruktion von Davenport Resources Ltd (Perth) noch unklar.

Der australische Projektentwickler hat sich auf Investitionen im Kali-Bergbau spezialisiert. So ist eine Tochterfirma die Südharz Kali GmbH. Regionale Partner sind ferner die K-UTEC AG aus Sondershausen und die Ercosplan GmbH aus Erfurt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. März 2021 | 15:00 Uhr

3 Kommentare

augu vor 5 Wochen

Man macht ein paar Probebohrungen und weiß dann, ob sich das Abteufen eines neuen Schachts lohnt ! ?
Das Kaliflöz Staßfurt gibt es überall in Nordthüringen (in Tiefe 400-1100m) mit unterschiedlicher Stärke und Salzqualität, eine Bohrung an einer Stelle hat wohl nicht allzu viel Aussagekraft bzgl. Schichtverlauf und Gesamtmenge (im künftigen Grubenfeld) des abbauwürdigen Salzes. Zu DDR-Zeiten gab es außerhalb der Grubenfelder der fördernden Salzbergwerke viele Kali-Erkundungsbohrungen. Deren Auswertung + Auswertung der Lagerverhältnisse am Rande der alten Grubenfelder erscheint mir sinnvoller als neue teure Erkundungsbohrungen. Ist dies bereits geschehen und hat die australische Firma Zugang zu den alten Untersuchungsergebnissen aus DDR-Zeiten oder besteht ihr Hauptzweck erst einmal im Einsammeln von Geld für ein tolles Gewinn versprechendes Projekt.

Harka2 vor 5 Wochen

Genau. Da ist es doch für Thüringen besser, wenn zum Schutz der Hessen und ihren Kaliabbau die Gruben in Thüringen geschlossen bleiben. Deren Monopol darf nicht durchbrochen werden! Wo kämen wir denn da hin, wenn plötzlich freie Marktwirtschaft herrschen würde! Das wäre ja wie bei Karl Marx, der das vor fast 200 Jahren analysierte. Dabei war die Treuhand doch so bemüht die Industrie in Thüringen (und in ganz Ostdeutschland) zum Vorteil der im Westen zu lequidieren! Das kann man doch nicht einfach rückgängig machen. Wo kämen wir da hin? Am Ende kommt es zu einem fairen Konkurrenzkampf und den kann kein Lobbyist haben wollen. Schon gar nicht in Thüringen.

wer auch immer vor 5 Wochen

Vielleicht bohren die Australier von der anderen Seite der Erde. Dann brauchen sie eh keine Genemigung.

Schade um die Kollegen aus Bischofferode, Glück Auf!

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