Bergbau Im Eichsfeld wird wieder nach Kalisalz gesucht

Im Eichsfeld plant die australische Firma Südharz-Kali ein neues Kali-Bergwerk, das ohne Abraumhalden auskommen soll. Dafür werden in den kommenden Monaten Probebohrungen durchgeführt. Bis in die 1990er-Jahre arbeiteten Tausende Menschen im Nordtthüringer Kalibergbau. Mit der Errichtung eines neuen Bergwerks könnte der Salzabbau in der Region eine Renaissance erleben.

Eine Landstraße mit Wiese
Auf diesen Wiesen im Eichsfeld sollen künftig Probebohrungen durchgeführt werden. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Im Eichsfeld wird seit Montag wieder nach Kalisalz gesucht. Wie das Landesamt für Bergbau mitteilte, haben dafür im Ohmgebirge südlich von Bischofferode die Vorbereitungen begonnen. Die australische Firma Südharz-Kali plant ein Bergwerk, das ohne Abraumhalden auskommen soll.

Kali-Suche: Umfangreiche Bohrungen geplant

Zunächst soll der Mutterboden einer Wiese abgeschält werden und dann soll als Fundament für den Bohrturm eine dicke Kiesschicht gelegt werden. Nötig seien noch insgesamt zwei Bohrungen, so Frauke Riva, Sprecherin der Südharz-Kali - denn es gebe schon eine gute Datengrundlage. Die Ergebnisse von 41 Bohrlöchern im Ohmgebirge liegen bereits vor.

Die geplante Bohrung soll in 692 Meter Tiefe gehen. Die Südharz-Kali GmbH bezeichnet auf ihrer Internetseite das Ohmgebirge als potenziell kostengünstiges Startprojekt für einen erneuten Kaliabbau in der Region. Die Vorräte seien relativ bodennah zu erreichen.

Eine Landstraße mit Wiese
Die Fläche, unter der nach Kali gesucht wird, grenzt nach Angaben des Unternehmens an das frühere Kalibergwerk in Bischofferode an. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Sperrung: Umwege für Anwohner

Für die Bohrungen muss unter anderem auch die Verbindungsstraße zwischen Haynrode und Kaltohmfeld für fünf Monate voll gesperrt werden. Dazu wird auf der engen Landesstraße zwischen Haynrode und Kirchohmfeld in den nächsten Wochen erheblicher Baumaschinenverkehr erwartet.

Wie Frauke Riva, Sprecherin der Südharz-Kali MDR THÜRINGEN sagte, sei man nicht glücklich über die fünfmonatige Vollsperrung der L2055, die für die Anwohner weite Umwege bedeute. Das Landestraßenbauamt habe diese wegen der geringen Breite der Straße verfügt. Es werde aber eine Lösung gesucht, die Straße trotz der Bohrungsarbeiten zumindest zeitweise öffnen zu können.

Bergbau ohne Abraumhalden

Während manche Fachleute zweifeln, ob es einen Kalibergbau ohne Halden geben kann, sieht die Südharz-Kali in dem von der Sondershäuser Firma K-UTEC entwickelten Verfahren eine gute Lösung für die Akzeptanzprobleme beim Kalibergbau.

Wie Sprecherin Riva erläuterte, sollen die festen und flüssigen, nicht verwertbaren Stoffe über eine Rutschbahn wieder in den Berg verfüllt werden. Die sei nur möglich, wenn das Verfahren schon bei der Planung des Bergwerkes berücksichtigt wird. In alten Bergwerken, etwa an der Werra, lasse sich so ein Verfahren nicht nachträglich einbauen.

Zeitung Bischofferode 9 min
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https://www.mdr.de/geschichte/eure-geschichte/nachwendegeschichte/wirken-der-treuhand-video-bischofferode100.html

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Kali-Abbau ab 2026?

500 neue Arbeitsplätze könnten nach Aussage von Südharz-Kali entstehen. Geplant ist, 2026 mit dem Abbau zu beginnen.

Schon zu DDR-Zeiten war geplant, das Abbaugebiet südlich von Bischofferode zu erweitern. Bereits um 1900 und auch in den 1960er- und 1980er-Jahren wurden umfangreiche Erkundungen gemacht, wie weit sich die Kalivorkommen zwischen den Gruben Bischofferode und Bleicherode erstrecken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. November 2021 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Harka2 vor 32 Wochen

Nein. Es ist nur so, dass in Thüringen alle Gruben schließen mussten und das Thüringer Salz zum Teil danach von Hessen aus abgebaut wird. Das Märchen von der fehlenden Rentabilität war schon damals eines, was vor Ort auch alle wussten. In Hessen wurde nicht eine Grube geschlossen - der Bedarf war und ist also noch da. Das die DDR einer der größten Salzexporteure der Welt war und in Wismar sogar einen eigenen Hafen dafür hatte, lassen wir jetzt mal außen vor.

GenervterZugezogener vor 32 Wochen

Was meinen Sie eigentlich, wieviel Bodenschätze in Südamerika und Afrika unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen und zum Nutzen lediglich einiger weniger von deutschen Unternehmen geplündert werden? In Thüringen würden durch die entstehenden Arbeitsplätze und die anfallenden Steuern doch viele profitieren. Da ist es in letzter Konsequenz doch sch...-egal, wo das Unternehmen sitzt, dem die Grube gehört.

Bei soviel kurzsichtigem "Lokalpatriotismus", um es mal nettest möglich zu formulieren, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

GenervterZugezogener vor 32 Wochen

Mal ganz davon abgesehen, daß ich die zum Schluß von Ihnen geäußerte Vermutung als durchaus realistisch ansehe, ist es aber ja auch so, daß mit steigenden Preisen ein zu einem früheren Zeitpunkt unrentabler Abbau heute wieder lohnend sein kann.

Außerdem verstehe ich nicht wie man bei allem verständlichen und berechtigten Unmut sich nicht auch einfach darüber freuen kann, daß der Bergbau wieder auflebt. Soll so eine Chance aus reinem Beleidigtsein vertan werden?

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