"The Drivers Academy" in Leinefelde Neue Bahnakademie leidet unter Nachwuchsmangel

Im Frühjahr ist in Leinefelde-Worbis eine neue Bahnakademie gestartet. Die Firma "The Drivers Academy" wollte dem massiven Fachkräftemangel bei Lokführern entgegensteuern. Nun leidet sie selbst unter extremen Kandidatenmangel.

Ein Mann sitzt an einem Simulator eines Führerstandes einer Lok.
Vier Hochleistungssimulatoren stehen für Schüler der Bahnakademie in Leinefelde bereit. Bildrechte: MDR/Armin Kung

In Deutschland fehlen derzeit 7.000 Lokführer. Ein Fachkräftemangel, der sich bis zum Jahr 2030 laut Bundesverkehrsministerium auf 20.000 steigern soll. Beste Voraussetzungen für eine jüngst gegründete private Bahnfachschule im Eichsfeld. Mit vier E-Lok-Simulatoren und fünf Ausbildern ist die Akademie in Leinfelde das größte Bahnsimulator-Zentrum neben der Deutschen Bahn.

"Wer heute eine Lokführer-Ausbildung macht, hat eigentlich eine 1.000-prozentige Jobgarantie", sagt Thoralf Kox, Geschäftsführer von "The Drivers Academy". Die Leute sollten Schlange stehen.

Das taten sie auch. Nach der Berichterstattung von MDR THÜRINGEN im Frühjahr meldeten sich über 300 Interessenten. Von diesen Bewerbern blieb jedoch nur eine Klasse von fünf Teilnehmern übrig. Möglich wären 40 Lokführerschüler pro Jahr. Das Problem: "Eine private Lokführer-Ausbildung ist kostspielig. Knapp 23.000 Euro muss man dafür bezahlen", so Kox.

Ein Mann sitzt an einem Simulator eines Führerstandes einer Lok.
Von 40 möglichen Ausbildungsstellen pro Jahr sind derzeit nur fünf besetzt. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Ein weiteres Problem: Die Lokführerweiterbildung in Leinefelde dauert ein Jahr und findet in Vollzeit statt. Nebenbei arbeiten sei nicht möglich. Für die meisten Menschen unbezahlbar.

Private Lokführerausbildung braucht den Staat

Thoralf Kox und seine Mitstreiter hatten ihre Hoffnung in Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit gesetzt. Arbeitslose könnten damit - voll gefördert - die teure Weiterbildung zum Lokführer absolvieren. Doch die Bildungsgutscheine wurden zum Flaschenhals - Arbeitslose kaum in die Weiterbildung geschickt. Und Fachkräftemangel herrscht derzeit in vielen Branchen, wie etwa der Pflege.

"Wenn sich in Deutschland in Sachen Lokführer-Ausbildung nicht bald etwas tut, steuern wir auf sehr schwierige Zeiten zu. Kraftstoffe werden zum Beispiel zum großen Teil über die Schiene transportiert. Auch die Klimaziele sollen mithilfe der Bahn erreicht werden...", so Thoralf Kox.

Simulator eines Führerstandes einer Lok.
Die Simulatoren entsprechen im Hinblick auf Anzeigen, Hebel und Schalter exakt dem Führerhaus des Zuges. Bildrechte: MDR/Armin Kung

Laut Betreibern ist die Zukunft von "The Drivers Academy" dennoch gesichert. Das Unternehmen steht wirtschaftlich auf mehreren Standbeinen. So unterrichtet die Bahnakademie auch Lokführer, die bereits im Arbeitsleben stehen. Diese müssen sogenannten "regelmäßigen Fortbildungsunterricht" (RFU) vorweisen, um weiter als Lokführer arbeiten zu können. Die RFU's seien derzeit das wichtigste Standbein der Firma.

Interessierte weiterhin gesucht

Trotz aller Probleme soll die Suche nach zukünftigen Lokführern weitergehen. Mittlerweile wird nicht nur in Thüringen, sondern auch Niedersachsen, Hessen oder Sachsen-Anhalt nach Teilnehmern gesucht. Genommen werden Menschen jeden Alters, Geschlechts und jeder Herkunft. Ein Hauptschulabschluss genügt. Spätestens im Januar, so hofft man in Leinefelde, soll eine zweite Klasse eröffnet werden.

Vier Menschen stehen in einem Fernsehstudio um einen Tisch 59 min
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Fakt ist! Mo 18.10.2021 22:10Uhr 58:42 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Oktober 2021 | 17:00 Uhr

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