Tiere Nach Unfall: Kein Verbot von Pferdekutschfahrten im Eichsfeld

Im Landkreis Eichsfeld wird es auch nach dem schweren Unfall am vergangenen Sonntag kein Verbot von Pferdekutschfahrten geben. Landrat Werner Henning (CDU) sagt, ein pauschales Verbot sei rechtlich nicht möglich.

Eine Pferdekutsche steht vor einem Feuerwehrauto.
Einsatzkräfte vor wenigen Tagen am Unfallort in Heiligenstadt. Bildrechte: MDR/Feuerwehr Heilbad Heiligenstadt

Im Landkreis Eichsfeld dürfen Pferdekutschen auch weiterhin unterwegs sein. Landrat Werner Henning (CDU) hat sich gegen ein Verbot ausgesprochen. Die Tierschutzorganisation Peta hatte ihn zuvor gebeten, die Möglichkeit eines solchen Verbotes zu prüfen. Anlass war ein Unfall mit einer Pferdekutsche am vergangenen Sonntag.

Peta: Deutlich erhöhtes Unfallrisiko

Peta hatte in einem Schreiben an den Landrat so argumentiert: "Unserer Auffassung nach sind Unfälle mit Pferdekutschen grundsätzlich unnötig, weil die Fuhrwerke nur ungenügend den üblichen Sicherheitsanforderungen entsprechen". Pferde seien als schreckhafte Fluchttiere einem deutlich erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt. Bei dem Unfall in Heiligenstadt, bei dem vier Menschen und zwei Pferde schwer verletzt wurden, waren die Pferde durchgegangen. Nach Polizeiangaben scheuten sie vermutlich vor den lauten Geräuschen eines Motorrades.

So einfach ist es nicht.

Landrat Werner Henning (CDU)

Landrat Henning bezeichnete das Schreiben der Tierrechtsorganisation gegenüber MDR THÜRINGEN als "völlig korrekt. Ich will solche Überlegungen überhaupt nicht abtun. Doch wir kamen rechtlich zu dem Ergebnis, so einfach ist es nicht."

Keine gesetzliche Grundlage für ein generelles Verbot

In einer Pressemitteilung des Landkreises Eichsfeld heißt es dazu: "Nach entsprechender Prüfung ist das Rechts- und Ordnungsamt zu dem Ergebnis gekommen, dass es weder Anlass noch eine ausreichende gesetzliche Grundlage für ein kreisweites generelles Verbot von Kutschfahrten gibt".

Wenigstens auf Straßen mit Kraftverkehr wäre ein Verbot angemessen.

Peter Höffken, Tierrechtsorganisation Peta

Peter Höffken vom Kampagnenteam bei Peta schreibt MDR THÜRINGEN dazu: "Ein kreisweites Kutschverbot aus Tierschutzgründen mag schwierig durchzusetzen sein, aber wenigstens auf Straßen mit Kraftverkehr wäre ein Verbot angemessen". Es gebe bereits solch punktuelle Verbote, beispielsweise in bestimmten Bereichen der Innenstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Dr. Werner Henning, Landrat des Landkreises Eichsfeld
Landrat Werner Henning (CDU): kein generelles Pferdekutschenverbot im Eichsfeld Bildrechte: MDR/Harry Carius

Dafür sei eine Einzelfallprüfung erforderlich, steht in der Mitteilung des Landkreises und Werner Henning sagte dazu: "Sollten sich bestimmte Schwerpunkte herauskristallisieren, werden wir uns gesondert damit beschäftigen, das sehe ich im Moment aber nicht".

Die pauschale Absage des Landrats bedauern wir.

Peter Höffken, Tierschutzorganisation Peta

Diese "pauschale Absage des Landrats bedauern wir", schreibt Peter Höffken von Peta. "Jedes Jahr registrieren wir in Deutschland rund 50 völlig unnötige Kutschunfälle". Pferde könnten "schon bei einem Geräusch oder einem Insektenstich durchgehen" und seien daher "zur Nutzung vor Kutschen denkbar ungeeignet, auch wenn Pferde schon seit Jahrhunderten als sogenannte 'Zugtiere' benutzt werden."

Im ländlichen Raum gehören Pferde als Last- und Arbeitstiere dazu.

Landrat Werner Henning (CDU)

"Man kann es nicht bestreiten, dass immer wieder Unfälle mit Pferdekutschen passieren", sagt Landrat Henning. "Das hat aus meiner Sicht nichts mit einem besonderen Problem in Richtung Tierschutz zu tun. Im ländlichen Raum gehören Pferde als Last- und Arbeitstiere seit Jahrhunderten dazu." Doch dies spielte bei der Überlegung, ob im Landkreis Eichsfeld Pferdekutschfahrten zukünftig verboten sein sollen, kaum eine Rolle, so Henning. "Zu 95 Prozent hat es einfach etwas mit der Rechtslage zu tun."

Quelle: MDR THÜRINGEN/cf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Nord-Thüringen | 12. Mai 2021 | 08:30 Uhr

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