Gerbershausen Zoff um Teufelsfigur im Eichsfeld

Eine Teufelsfigur im Eichsfeld? Ja, die gibt es seit Freitag bei Gerbershausen. Die Verwaltungsgemeinschaft Hanstein Rusteberg hat sie anfertigen lassen und wollte sie auf die Teufelskanzel stellen. Einem magischen Ausflugspunkt hoch über der Werra. Doch es kam anders und das hat mit alten DDR-Flurgrenzen und auch einer gewissen Eichsfelder Dickköpfigkeit zu tun. Das Kunstwerk des Bildhauers Jochen Müller steht jetzt am Beginn des Aufstiegs zur Teufelskanzel und nicht auf seiner Spitze.

Jochen Müller neben der Teufelsfigur
Künstler Jochen Müller und die von ihm erschaffene Bronze-Figur. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Jahr für Jahr kommen Tausende Besucher in den Harz, um den Brocken um die mythische Sagenwelt der Hexen zu erleben. Zehntausende feiern auf dem Hexentanzplatz in Thale die Walpurgisnacht. Dass da das Eichsfeld nur einen Sprung entfernt ist, wissen aber nur wenige. Auf der Teufelskanzel, so geht die Sage, war der Teufel aufgrund einer Wette mit den Hexen gelandet. Er wettete, dass er einen riesen Steinbrocken mit einem Satz vom Harz auf den Meißner bringen könnte, landete aber zu kurz. So entstand in den Märchen des Eichsfeldes die Teufelskanzel. Denn von dort aus sieht man seinen Fuß-, Pardon, Hufabdruck. Die hufeisenförmig fließende Werra.

Geplanter Standort liegt auf zwei Flurstücken

Da hockt es nun, das Teufelchen, am Aufstieg zum Höhenberg - und hat es weder in der Sage noch als Bronzefigur geschafft, die Wette zu gewinnen. Künstler Jochen Müller ist etwas traurig. Drei Jahre hat er insgesamt an der Figur gearbeitet. Hat mit Gips einen Abdruck des Original-Felsens genommen und in seinem Atelier den Bronzeteufel maßgeschneidert Platz nehmen lassen. Er sollte mit seiner ausgestreckten Hand zur mächtigen Felsenklippe zeigen, doch nun zeigt er nur den Weg zum Berg hinauf. Dieser Stein und die auf dem selben Höhenkamm gelegene Burgruine Hanstein waren in Zeiten der Romantik eines der beliebtesten Ausflugsziele der ganzen Region. Und sind es nach der Wende wieder geworden.

Doch bei der Teufelskanzel hängt jetzt der Haussegen schief. Und daran sind Flurfestlegungen aus DDR-Zeiten nicht ganz unschuldig. Der mächtige Stein liegt blöderweise auf zwei Flurstücken. Ein Teil mit dem Stein selbst gehört zu Lindewerra, ein Teil mit dem Zugang zum Felsen zu Gerbershausen. Das macht Förderanträge für die geplante Touristenattraktion enorm schwierig.

Felsbrocken auf Teufelskanzel
Der "Notstandort", bevor der Teufel hier Platz nahm. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Bronze-Teufelchen soll Touristen anlocken

Die Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg, die auch die touristische Entwicklung der Burg Hanstein vorantreibt, wollte die Teufelskanzel mit einer bronzenen Teufelsfigur aufwerten und engagierte den Quedlingburger Künstler Jochen Müller, der schon in Thale am Hexentanzplatz im Harz ein bronzenes Teufelchen modelliert hatte. Auf der Teufelsschanze im Eichsfeld sollte er nun ein Gegenstück erschaffen. Martin Heinemann, Hauptamtsleiter der VG Hanstein-Rusteberg, sah darin die Möglichkeit, die Touristen auch an die Werra zu holen, als Fortsetzung der Harzer Hexentradition. Auch Lindewerras Bürgermeister Gerhard Propf ist davon begeistert. Nach der Wende hatte sein Vater schon das Umfeld des beliebten Aussichtspunktes vorangebracht. Also alles kein Problem?

Blick von der Teufelskanzel ins Tal
Von diesem Aussichtspunkt soll man laut Sage den Hufabdruck des Teufels sehen. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Verhandlungen um Felsbrocken und Grundstück gescheitert

Auch der Wirt des Gasthauses an der Teufelskanzel, Gerd Mesikow, findet die Idee zunächst super. Sein Ausflugslokal ist sein ganzer Stolz. Er hatte es in liebevoller Handarbeit aus altem Material erbaut und urig im Sommer wie im Winter bewirtschaftet. Allerdings wollten Lindewerra und die VG Hanstein Rusteberg das Teufelchen nicht auf sein Privatgrundstück stellen und boten Gerd Mesikow an, den Felsbrocken samt einer Fläche drumherum abzukaufen. Doch das fand der Gastwirt gar nicht gut.

Ausflugslokal
Das Grundstück, auf dem der umstrittene Felsbrocken steht, gehört dem Wirt des Ausflugslokales an der Teufelskanzel. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Denn trotz der weiten Landschaft und der üppigen Wälder machte ihm schon eine Nachfahrin der Sippe der Hansteins zu schaffen, die ihm als Waldbesitzerin die Zufahrt zu seiner Gastwirtschaft erschwerte. So schlug er vor, die Gemeinde sollte den Waldweg als Kommune erwerben, dann würde er auch in den Verkauf der Fläche an der Teufelskanzel einwilligen. Doch so einfach ist das nicht, wenn Fördermittel im Spiel sind.

Heinemann zog die Notbremse in dem seit Jahren andauernden Verhandlungen. Am Freitag wurde der Teufel nun auf einem womöglich vorübergehenden Platz unterhalb des Berges enthüllt. Immerhin ist seine Enkelin Vanessa jetzt gerade alt genug, um als kleine Hexe neben dem Teufelchen zu sitzen.

Kirche will Teufelsfigur nicht weihen

Die Kirche und manche Gläubige im Eichsfeld sind übrigens "not amused" von einem Teufel im immer noch erzkatholischen Eichsfeld. Probst Hartmut Gremler ließ ausrichten, weihen würde er die Bronze-Statue nicht. Schließlich scheue der Teufel ja bekanntlich das Weihwasser.

MDR (nis)

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