Ungenutzte Fördergelder Förderlotsen sollen Kommunen in Thüringen helfen

Teresa Liebig
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Wer selbst schon einmal Fördermittel beantragt hat, weiß wie kompliziert das ist. Ganz ähnlich ist das für Städte und Gemeinden, wenn sie Fördergelder vom Land, vom Bund oder der EU beantragen. Auch deshalb bleiben viele Millionen ungenutzt. Thüringen will das Problem jetzt mit sogenannten Förderlotsen lösen.

Der Investor und die Ehrengäste stehen beim Spatenstich für das Family Hotel Oberhof nebeneinander
Bis es mit öffentlicher Förderung zum ersten Spatenstich kommt – wie hier im Dezember 2019 für ein neues Familienhotel in Oberhof – sind oft komplizierte Antragsverfahren zu durchlaufen. Gerade kleinere Kommunen haben damit Probleme. Bildrechte: dpa

Antje Hochwind-Schneider ist Landrätin im Kyffhäuserkreis und weiß genau, wie herausfordernd es schon für ihre geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt in Sonderhausen ist, Fördergelder zu finden, zu beantragen und zu bekommen. Noch schwieriger sei das für kleine Gemeinden ohne eigenen Verwaltungsapparat:

Weil es zum einen einen bürokratischen Aufwand darstellt, zum anderen natürlich auch Zeit und Einsatz von Mitarbeitern erfordert. Und da sind eindeutig kleinere Kommunen benachteiligt.

Antje Hochwind-Schneider (SPD)

Je kleiner eine Kommune sei, umso höher und schwieriger sei der Aufwand, sagt die Landrätin. Das Problem ist bekannt. Passiert ist lange Zeit nichts. Doch im Jahr 2017 ist die Idee der "Förderlotsen" geboren. Zunächst in zwei Modellregionen, im Kyffhäuserkreis und im Eichsfeld, sollen sie Gemeinden unterstützen, sich durch den Dschungel aus Fördermittelanträgen zu kämpfen. Momentan werden die Stellen ausgeschrieben. Möglicherweise unterstützen schon ab Juni oder Juli zwei Förderlotsen in den Landkreisen.

Land will Anlaufstelle für alle Förderungsmöglichkeiten

Die Kosten dafür belaufen sich bislang auf rund 75.000 Euro, teilt Torsten Weil mit, Staatssekretär im Thüringer Landwirtschaftsministerium, wo das Modellprojekt aktuell angesiedelt ist. Weil würde perspektivisch aber gern noch weitergehen, damit möglichst alle Fördergelder vom Land, dem Bund und der EU abgerufen werden.

Der Staatssekretär sagt: "Ich würde ja gerne, dass wir es insgesamt schaffen, eine Anlaufstelle zu schaffen, wo sich Kommunen, aber auch Private informieren können, was sie tun müssen, um diese Fördermittel zu erhalten." Es sei allerdings nahezu unmöglich, alle einzelnen Ministerien zusammenzubringen, darum fange man erst einmal im Landwirtschaftsministerium an. Die Förderlotsen werden sich zunächst auch lediglich um ganz spezielle Fördergelder zur Stärkung des ländlichen Raums kümmern.

Gemeinde- und Städtebund begrüßt das Projekt

Es sei gut, irgendwo anzufangen, heißt es vom Gemeinde- und Städtebund in Thüringen. Er war es auch, der vor vier Jahren die Idee der Förderlotsen einbrachte.

Und entsprechend zufrieden ist jetzt Geschäftsführer Ralf Rusch: "Wir sind am Anfang eines Weges und da sage ich mal, wenn sich das wirklich gut anlässt, wenn wir merken, dass diese Förderlosten genau den Finger in die Wunde legen, da wo es weh tut, dann werden wir das weiter entwickeln können, denn wir sehen ja auf der anderen Seite, wie viel Fördermittel jedes Jahr zurückgegeben werden müssen, weil die Kommunen die Mittel nicht akquirieren können."

Ein Grund dafür seien sicher die komplizierten Anträge für Fördermittel, sagt Rusch. Ein anderer Grund seien fehlende Eigenmittel vieler klammer Kommunen. Dieses Problem lässt sich auch mit Förderlotsen nicht lösen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Mai 2021 | 08:08 Uhr

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