Bad Frankenhausen Tausende Besucher bei Tag der offenen Tür in Kyffhäuserkaserne

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag die Kyffhäuserkaserne der Bundeswehr in Bad Frankenhausen besucht. Die hier stationierten Bataillone hatten zum Tag der Offenen Tür eingeladen. Präsentiert wurde viel schwere Technik - darunter Panzer "in action" auf dem angrenzenden Übungsplatz. Die Gastgeber zeigten sich zufrieden mit der Resonanz.

Da waren die Gastgeber selbst etwas überrascht: Kaum waren die Kasernentore am Morgen um 9 Uhr geöffnet worden, strömten die Besucher auf das Gelände der Kyffhäuserkaserne in Bad Frankenhausen. Schnell noch einen Flyer mit dem Lageplan mitnehmen und dann die Hauptstraße der Kaserne hinauf - entlang an einer Art Technikausstellung gepanzerter Fahrzeuge der Bundeswehr. Von ziemlich alten Modellen aus der Anfangszeit der Bundeswehr über den Flakpanzer Gepard und den Leopard 1 bis zum Leopard 2. Dessen derzeit modernste Variante A7V hat das in der Kaserne stationierte Panzerbataillon 393 in den vergangenen Monaten bekommen, die bis dahin genutzten Vorgängermodelle der Version A6 wurden an andere Einheiten der Bundeswehr abgegeben.

Menschen spazieren auf dem Gelände der Kyffhäuserkaserne
Viel los auf dem Kasernengelände: Besucher des Tags der offenen Tür in der Kyffhäuserkaserne Bildrechte: MDR/Dian Zvetkov

Viel schwere Technik aufgefahren

Vor den großen Garagen-Hallen haben das Panzerbataillon und das ebenfalls in der Kaserne beheimatete Versorgungsbataillon 131 jede Menge Fahrzeuge aufgereiht - vom Gabelstapler über den Lkw mit mehrachsigem Tieflader-Anhänger, den gepanzerten Autodrehkran bis hin zu Dingos und Leopard 2. Selbst ein Schützenpanzer Puma ist dabei - freundlich zur Verfügung gestellt vom Panzergrenadierbataillon 122 aus dem bayerischen Regen.

Dass hier so viel neue Technik steht, hat einen handfesten Grund: Die beiden Bataillone in Bad Frankenhausen mit ihren rund 2.000 Soldatinnen und Soldaten gehören seit Anfang des Jahres zur Nato Response Force, der schnellen Eingreiftruppe des Bündnisses. Im kommenden Jahr werden sie gemeinsam mit weiteren Truppenteilen zur "Speerspitze" dieser Eingreiftruppe gehören, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF). Die muss im Ernstfall innerhalb von wenigen Tagen abmarschbereit sein, um an jedem Ort des Bündnisgebietes als Abwehrtruppe gegen mögliche Angreifer eingesetzt zu werden. Seit dem 24. Februar, dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine, hat diese lange geplante Aufgabe - die Nato-Mitgliedsländer wechseln sich seit einigen Jahren in dieser Aufgabe ab - eine größere Brisanz bekommen.

Was sind NRF und VJTF? Nach der Besetzung der zur Ukraine gehörenden Krim durch russische Truppen im Jahr 2014 hat die Nato ihre Strategie stärker auf Bündnisverteidigung ausgerichtet, nachdem sie jahrelang vor allem auf Einsätze im Ausland etwa zur Bekämpfung von Terroristen (z.B. Afghanistan) fokussiert war.

Die Nato-Länder beschlossen die Aufstellung einer bis zu 40.000 Mann umfassenden Nato Response Force (NRF) zur schnellen Abwehr von Angriffen auf das Bündnisgebiet. "Speerspitze" dieser NRF ist die Very High Readiness Joint Task Force. Diese umfasst ca. 5.000 Mann und muss nach aktuellen Festlegungen innerhalb von maximal drei Tagen abmarsch- und einsatzbereit sein. NRF und VJTF bestehen jeweils aus Einheiten der Land-, Luft- und Seestreitkräfte der beteiligten Länder.

Die Nato-Mitgliedsländer wechseln sich bei der Führung (Leitverband) und der Truppenstellung für NRF und VJTF ab. Leitverband für die Landstreitkräfte der VJTF wird im Jahr 2023 die Panzergrenadierbrigade 37 "Freistaat Sachsen" sein, der ein Großteil der in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stationierten Bundeswehr-Verbände angehört.

Auch ein Tag für die Soldaten-Familien

So manche Besucher dürften sich beim Anblick dieser Technik so ihre Gedanken zum Thema Ukraine-Krieg und Nato gemacht haben. Das sieht auch der Kommandeur des Versorgungsbataillons 131, Oberstleutnant Sven Heidel so. Doch der Fokus des Interesses liege schon mehr auf der Bundeswehr und ihren Fähigkeiten und auf dem, was die bei der Bundeswehr dienenen Familienangehörigen so tun, meint er. "Die Familien der Soldaten sind ja auch hier, und das ist ja auch das Interesse der Soldaten, ihren eigenen Familien mal zu zeigen, was sie sie so machen."

Oberstleutnant Sven Heidel, Kommandeur Versorgungsbataillon 131 der Bundeswehr
"Auch mal der Familie zeigen, was man so macht": Oberstleutnant Sven Heidel Bildrechte: MDR/Dian Zvetkov

Panzer fahren zum Beispiel. Mit Bussen werden interessierte Besucher auf den angrenzenden Übungsplatz der Kaserne gefahren, wo ein Panzerzug, bestehend aus vier Leopard 2, einen Angriff simuliert. Mit hoher Geschwindigkeit fahren die Panzer vor den Zuschauern hin und her und schießen - nicht mit echten Granaten, sondern mit "Platzpatronen". Für den scharfen Schuss - zuletzt vor einigen Wochen vom Panzerbataillon auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt tagelang trainiert - sind die räumlichen Verhältnisse hier an der Kyffhäuserkaserne zu eng.

Einen Panzer aus nächster Nähe in hoher Geschwindigkeit vorbeifahren zu sehen, beeindruckt viele der Zuschauer sichtlich, hier und da bricht aber auch manches Kleinkind vor Angst oder wegen des Lärms in Tränen aus. Papas und Opas freuen sich indes über die Kanonen-Stabilisierungstechnik des Leopard 2, die so gar den verlustfreien Transport eines Bierglases möglich macht.

Ein Leopard-2-Panzer der Bundeswehr balanciert während einer Vorführung ein Bierglas auf der Kanone
Panzer mit Bierglas auf der Kanone: Leopard 2 bei einer Vorführung zum Tag der offenen Tür in der Kyffhäuserkaserne Bildrechte: MDR/Dian Zvetkov

Doch bei allem Spaß - den Soldaten und Soldatinnen ist die Bedeutung ihrer Jobs gerade in der derzeitigen Situation mit dem Krieg in der Ukraine sehr bewusst. Man habe schon auch die Bilder zerschossener russischer Panzer vor Augen, sagt ein junger Panzerkommandant. Aber man vertraue auf das eigene Können und die bessere Technik.

"Riesenresonanz hier aus der Region"

Auf dem Appellplatz in der Kaserne spielt derweil die Musik und es duftet nach Bratwürsten. Auch Polizei, Feuerwehr und THW sind da, auf dem Sportplatz spielt eine Fußball-Mannschaft der Bundeswehr gegen eine Auswahl der Stadt Bad Frankenhausen - und verliert knapp mit 3:4. Auch die Sportfördergruppe der Bundeswehr aus Oberhof ist mit Sportlerinnen und Sportlern beim Tag der offenen Tür dabei.

Bataillonskommandeur Heidel ist zufrieden. Schon bis zum Mittag seien mehrere Tausend Besucher gezählt worden, sagt er. Am Ende des Tages werden es wohl 10.000 sein. "Ein voller Erfolg und eine Riesenresonanz hier aus der Region", freut sich der Oberstleutnant.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 02. Juli 2022 | 18:25 Uhr

7 Kommentare

Burgfalke vor 5 Wochen

Zitat:
"Ihre Söhne, so sie überhaupt welche haben, werden wohl selbst darüber entscheiden können wo sie arbeiten wollen und wo nicht."

Was ist, wenn sie sich entgegen Ihren hier eigenen Vorstellungen entscheiden? Würden sie dann bei Ihnen in der bekannten Ungnade fallen?

Bitte bedenken, trotz allem Haß Ihrerseits, es waren u. sind nur Fragen. Die "richtigen" Bewertungen werden nur Sie treffen können/ vornehmen, wie immer!

Burgfalke vor 5 Wochen

Ist das ein demokratisches Land mit gerantierter Meinungsfreiheit?
Bei Ihnen scheinbar nicht!

Wohnte ich in der Nähe und hätte zum Zeitpunkt nicht andere Termine gehabt, so wäre ich gewiß auch dort gewesen. Allein die Technik wäre für mich interessant gewesen und ich hätte mir diese gern angesehen!!!!

Ein Unterschied, das unter dem Gesichtspunkt unserer eigenen Landeverteidigung und aus technischem Interesse.

Ines W. vor 5 Wochen

@Tamico161

Dazu nur zwei Gedanken:

Reinhard Mey hat zwar schöne Baladen geschrieben, ein ausgewiesener Sicherheitsexperte war er meiner Meinung nach aber nicht.

Ihre Söhne, so sie überhaupt welche haben, werden wohl selbst darüber entscheiden können wo sie arbeiten wollen und wo nicht.

Pazifismus um jeden Preis ist in meinen Augen dumm!

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