Kyffhäuserkreis Pilzfarm-Besitzerin aus Schönewerda träumt von Thüringen als Trüffel-Paradies

Kundige Pilzliebhaber finden zu jeder Jahreszeit etwas Leckeres für die heimische Bratpfanne. Das Wetter der vergangenen Tage und Wochen sorgte jedenfalls für viele Pilze im Wald und auf Wiesen. Was genau im Frühling und Sommer zu finden ist, weiß Pilzexpertin Anja Kolbe-Nelde. Die Nordthüringerin führt eine Pilzplantage und Trüffelbaumschule im Kyffhäuserkreis.

Eine Frau schaut in die Kamera, neben ihr zwei Hunde.
Die Trüffelhunde Alba und Jette unterstützen Anja Kolbe-Nelde aus Schönewerda bei der Suche nach den Edelpilzen. Bildrechte: MDR/Franziska Gutt

Auf Pilzsuche zu gehen lohnt sich nicht nur in den Herbstmonaten. Keine weiß das besser als Pilzexpertin Anja Kolbe-Nelde. Sie hat eine Freiland-Pilzfarm in Schönewerda im Kyffhäuserkreis. Und, wie sie sagt, habe sie das Pilzfieber erwischt. Vor ein paar Jahren machte sie ihre große Leidenschaft zum Beruf.

Was als Hobby anfing, wurde für sie zum Lebensinhalt. Die Bankkauffrau wurde zur Pilzsachverständigen. Daher weiß sie ganz genau, dass es das ganze Jahr über Pilze gibt. Nicht nur bei ihr auf der Farm, sondern auch in der freien Natur.

Blick in den Kalender vor Pilzsuche lohnt sich

Vor der Suche rät sie, erst einmal in den Kalender zu schauen. "Wichtig ist zu wissen, dass man 14 Tage nach starken Regenfällen, wenn die Pilze quasi viel Nahrung bekommen haben, losgehen sollte", sagt Anja Kolbe-Nelde.

Ihrer Meinung nach war die Frühlingssaison zum Pilzesammeln ausgesprochen gut. Morcheln, Lorcheln, Verpeln und "Maipilze in Hauf" zählt die 42-Jährige bei der Frage auf, was in den vergangenen Wochen alles bei ihr im Körbchen landete.

Morchel 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 05.05.2021 19:00Uhr 03:01 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Regenwetter sorgte für viele Pilze im Wald und auf Wiesen

Wegen dem feucht-warmen Wetter der vergangenen Tage könnten kundige Pilzsammler jetzt vor allem auf der Wiese fündig werden. Die Pilzexpertin aus Schönewerda verrät: "Jetzt geht es mit Streuzersetzern wie Champions auf der Wiese los. Wir könnten zum Beispiel Nelkenschwindlinge auf Sportplätzen finden.

Wenn wir jetzt einmal in so eine Obstbaumplantage reingucken, finden wir dort gelbe Schwämme an den Bäumen. Das ist der Schwefelporling, ein sehr leckerer Pilz, er wird auch Hühnchen des Waldes genannt." Natürlich rät sie auch, nur wirklich das zu ernten, was man sicher kennt. Wenn das nicht der Fall ist, können Sammler sich bei ihr im Hofladen beraten lassen.

Die Trüffel-Baumschule in Schönewerda

Auf der eigenen Pilzfarm in Schönewerda lebt Anja Kolbe-Nelde ihren Traum. Hier züchtet sie zum Beispiel Austern-, Limonen- und Rosenseitlinge. Eine Vielzahl der Pilze wachsen an Baumstämmen. Zudem hegt und pflegt sie eine Trüffel-Plantage. Denn Anja Kolbe-Nelde ist zugleich geprüfte Trüffel-Beraterin. In mehreren Gewächshäusern wachsen verschiedene Baumarten heran.

Die zarten Pflänzchen werden in speziellen Erdmischungen gezüchtet, die mit Trüffelsporen geimpft worden sind. "Die Trüffel verbinden sich in der Erde mit den Wurzelspitzen", erklärt sie. Das Ergebnis sind Trüffelbäume, die die Geschäftfrau nach spezieller Kundenberatung verkauft. An Menschen, die die Edelpilze in ein paar Jahren im eigenen Garten ernten möchten.

Trüffel-Suche mithilfe von Alba und Jette

Die schwarze Delikatesse ist für Laien kaum wahrnehmbar. Weil sie auf der Erdoberfläche nicht sichtbar sind, gelten die Pilze als selten. Auf der Suche nach Trüffeln wurde sie früher mithilfe der eigenen Nase fündig, erzählt Anja Kolbe-Nelde. Heute wird die Pilzliebhaberin von ihren ausgebildeten Trüffelhunden Alba und Jette unterstützt.

Eine Frau steht in einem Gewächshaus und hält eine Ermischung mit Trüffelsporen in die Kamera.
Anja Kolbe-Nelde züchtet Trüffelbäume: Die Pflanzen wachsen in Erdmischungen heran, die vorher mit Trüffelsporen versetzt wurden. Bildrechte: MDR/Franziska Gutt

Hinweis: Anja Kolbe-Nelde entnimmt keine Trüffel im Wald. Denn die Gattung Tuber ("Echte Trüffel" - wie zum Beispiel der kulinarisch wertvolle Burgunder-Trüffel) steht auf der roten Liste. Die Suche nach dem edlen Pilz ist in Deutschland verboten. Anja Kolbe-Nelde war jedoch bei Forschungsgruppen im Ausland dabei und hat dort Erfahrung mit dem Suchen von Trüffeln gemacht. Zudem gebe es auch Trüffelarten, die nicht unter Naturschutz stehen. Mit ihren Hunden besucht Kolbe-Nelde gezielt Gegenden, die keine Tuber-Böden ausweisen.

Thüringen - Das Trüffel-Paradies?

Die Schönewerdaerin meint, Thüringen könnte zum Trüffel-Paradies werden. "Weil wir die richtigen Böden dafür haben, wir haben viele natürliche Trüffel-Stellen. Wir sind auch vom Klima gut für Trüffel-Anbau geeignet." Daher verfolgt sie ein Ziel: Der Freistaat soll durch flächendeckende Pilzwirtschaft zum Trüffel-Land werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 11. Juni 2021 | 06:13 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Nordhausen - Sondershausen - Sangerhausen

Mehr aus Thüringen