Religion Religiöse Gründe: Muslim räumt Frauenbergkirche in Nordhausen aus

Ein aus Afghanistan stammender Mann hat in Nordhausen aus einer Kirche Mobiliar und Einrichtungsgegenstände entfernt und zum Teil beschädigt. Der 25-jährige Muslim habe für sein Handeln religiöse Gründe angeführt, sagte Pfarrer Klemens Müller am Montag MDR THÜRINGEN. Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Donnerstag in der Frauenbergkirche. Die von der Kirchgemeinde herbeigerufene Polizei erteilte dem Mann einen Platzverweis.

Die Frauenbergkirche in Nordhausen
Die Frauenbergkirche Bildrechte: MDR/Christian Franke

Ideeller Verlust größer als der materielle Schaden

Müller sagte weiter, der Mann halte den christlichen Glauben für einen Irrtum und falsch. Er sei aber nicht aggressiv oder drohend aufgetreten. Der angerichtete Schaden in der Frauenbergkirche lässt sich aus Sicht des Pfarrers noch nicht beziffern. Unter anderem habe der Mann das Altarkreuz beim Abhängen beschädigt, offenbar aber nicht vorsätzlich.

Das Kruzifix, das nach der Bombardierung der Kirche im Zweiten Weltkrieg in den Trümmern gefunden wurde, müsse nun aufwändig restauriert werden. Er sei zuversichtlich und dazu schon mit einer Restauratorin im Austausch. Das beschädigte Altarkreuz werde "mit Sicherheit wieder repariert". Das Kirchenmobiliar wurde inzwischen wieder hineingeräumt.

Ein stark beschädigtes Kruzifix
Der Jahrhunderte alte Corpus Christi aus Holz aus der Frauenbergkirche wurde stark beschädigt. Bildrechte: MDR/Christian Franke

Die Kirchgemeinde will gegen den Mann Strafanzeige erstatten. Die Polizei hatte bereits am Donnerstag von Amts wegen Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen. Dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte Pfarrer Müller, die Kirche sei in der Sommerzeit bis Ende Oktober geöffnet. Ob der Gemeindekirchenrat an dieser Tradition festhalte, müsse nun neu entschieden werden. Allerdings gebe es eine Tendenz, das Prinzip des offenen Hauses nicht aufzugeben.

Kirche im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört

Die im 12. Jahrhundert als St. Maria errichtete Frauenbergkirche gilt als das älteste Gotteshaus in der Kreisstadt im Südharz. Sie war im April 1945 bei einem alliierten Bombenangriff zum großen Teil zerstört worden. Nach der deutschen Wiedervereinigung war das noch erhaltene Querschiff der Kirche durch Anbauten wieder zu einem geschlossenen Kirchenraum gestaltet worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, epd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. November 2021 | 19:00 Uhr

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